Reichstagsbrand

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"Spiegel" verweigert Aufklärung einer Geheimdienst-Lüge

In einer elfteiligen Artikelserie versuchte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" Ende 1959 zu belegen, dass die Hitler-Faschisten nichts mit dem Reichstagsbrand vom Februar 1933 zu tun gehabt hätten. Autor: der ehemalige Geheimdienstmann Fritz Tobias.

Korrespondenz
"Spiegel" verweigert Aufklärung einer Geheimdienst-Lüge
Foto: Bundesarchiv

Spiegel-Gründer Rudolf Augstein verkündete danach siegessicher: "Es bleibt nicht der Schatten eines Beleges, um den Glauben an die Mittäterschaft der Naziführer lebendig zu erhalten."

Dokument widerlegt Einzeltäterthese

Nun hat der Historiker Hersch Fischler zusammen mit seinem Kollegen Conrad von Meding im Nachlass von Fritz Tobias ein Dokument entdeckt, das der ehemalige "Verfassungsschützer" Tobias hatte verschwinden lassen, weil es seine These vom Einzeltäter Marinus van der Lubbe widerlegte.

 

Dabei hatte der ehemalige SA-Mann Hans-Martin Lennings schon 1955 zugegeben, dass er zusammen mit anderen SA-Leuten van der Lubbe auf Befehl im Auto zum Reichstag gebracht habe.

Dimitroff zerpflückt Anklage

Schon 1934 war der Versuch, dem bulgarischen Kommunisten und späteren Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, Georgi Michailowitsch Dimitrow, eine Beteiligung an der Brandstiftung in die Schuhe zu schieben, kläglich zusammengebrochen. Unter diesem Vorwand war Dimitrow festgenommen worden. In einer scharfen und mutigen Verteidigungsrede setzte er Hermann Göring und die faschistische Justiz auf die Anklagebank. Die Nazis mussten ihn 1934 auf freien Fuß setzen.

 

Dennoch wird die Einzeltäterthese in der bürgerlichen Geschichtsschreibung bis heute immer wieder aufgetischt, oder zumindest in den Bereich des Möglichen gerückt. Sie hat keinen anderen Zweck, als von der faschistischen Inszenierung des Reichstagsbrands als Vorwand für die Verhaftung und Verfolgung zahlreicher Kommunisten und anderer Regime-Gegner abzulenken.

Willi Dickhut: "Sie brauchten diese Provokation"

Willi Dickhut, Mitbegründer und Vordenker der MLPD, schreibt dazu in seinem autobiografischen Roman "So war's damals": "Am 27. Februar starteten die Nazis in Berlin eine ungeheure Provokation - den Reichstagsbrand. Sie brauchten diese Provokation, um  die KPD zu verbieten. Die Nazis hatten Angst vor den revolutionären Arbeitern, darum musste die revolutionäre Arbeiterpartei diffamiert werden. Deshalb organisierten sie den Reichstagsbrand und schoben diese hinterhältige Tat den Kommunisten zu, wobei sie eine noch nie dagewesene Hetze entfalteten. Sogleich begannen sie in Berlin mit Massenverhaftungen." (S. 182)

 

Während verschiedenste Medien mittlerweile über das von Fritz Tobias vorenthaltene Beweisstück berichteten, hüllt sich der Spiegel in Schweigen. Ein Armutszeugnis antikommunistischer Geschichtsfälschung.