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Drastisches Krisenprogramm bei Thyssenkrupp

Im Zusammenhang mit der Herausbildung neuimperialistischer Länder seit Mitte der 2000er-Jahre sind die Stahlkonzerne mit Stammsitz in Europa - allen voran Thyssenkrupp - im internationalen Konkurrenzkampf drastisch zurückgefallen.

Von Landesleitung Nordrhein-Westfalen der MLPD
Drastisches Krisenprogramm bei Thyssenkrupp
Gemeinsamer Protest von Stahlarbeitern aus Deutschland und den Niederlanden am 20. Dezember 2017 in Ijmuiden/Niederlande (Foto: RF)

Auch auf dem europäischen Markt wurden sie von den indischen Konzernen Arcelor-Mittal und Tata überholt. Die geplante Fusion der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit Tata Steel war der Versuch, mit dem Ausstieg aus der Stahlproduktion und der Konzentration auf die Bereiche Aufzüge, Rolltreppen, Rüstung und Anlagenbau dort eine weltmarktbeherrschende Stellung zu erreichen.

Pläne von Thyssenkrupp gescheitert

Die Aufspaltung des Thyssenkrupp-Konzerns und die Fusion mit Tata sind gescheitert, weil die EU-Kommission Einwände politischer Art hatte. Nun steht der Thyssenkrupp-Vorstand mit dem Rücken an der Wand. Von der angekündigten „neue Strategie“, die im August vorgelegt werden sollte, ist keine Rede mehr.

 

Gestern, am 8. August, wurden die Geschäftszahlen der ersten neun Monate des Geschäftsjahres (Oktober 2018 bis Juni 2019) veröffentlicht. Nach aller Bilanzmathematik weisen sie einen sogenannten negativen „Cash-Flow“ von über 2 Milliarden Euro aus. Das ist eine Milliarde Euro mehr Verlust als im gleichen Vorjahreszeitraum. Hier verbinden sich der Rückfall von Thyssenkrupp im Konkurrenzkampf mit den zunehmenden Vorboten einer heraufziehenden Weltwirtschaftskrise.

 

Ein Rückgang der Industrieproduktion in Deutschland seit mittlerweile neun Monaten, insbesondere in der Autoindustrie, führt zu einem Rückgang der Stahlproduktion, aber auch zur Zurückhaltung bei Großinvestitionen im Anlagenbau. Der sich entfaltende Handelskrieg drückt die Preise in Europa, weil Stahllieferanten aus aller Welt verstärkt auf den europäischen Markt drängen. Hohe Erz- und weitere Rohstoffkosten können aufgrund der Überproduktion und der fehlenden Marktbeherrschung nicht mehr an die Kunden weitergegeben werden.

Vorstand will "hart durchgreifen"

Jetzt soll der ganze Konzern umgebaut werden und Vorstandsvorsitzender Guido Kerkhoff „will im ganzen Konzern hart durchgreifen“.¹ Alles, was nicht genügend Maximalprofit bringt, steht auf dem Prüfstand, mindestens 6000 Arbeitsplätze sollen vernichtet werden, davon 2000 im Stahlbereich. Das ist ein Angriff auf die ganze Konzernbelegschaft. Der Vorstand will die Kosten des Krisenmanagements auf die Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien abwälzen.

 

Seit Monaten werden die Mitarbeiter schon zu „Sparmaßnahmen“ angehalten, Rechnungen werden nicht bezahlt, Reinigungsfirmen werden gekündigt, Stillstände, keine Überschichten mehr etc.

Vorbereitung auf eine neue Weltwirtschaftskrise

Ganze Konzernbereiche sollen verkauft, an die Börse gebracht oder ganz geschlossen werden. Besonders hart treffen soll es den Autozulieferbereich, den Anlagenbau und die Grobblechproduktion mit Standorten unter anderem in Duisburg-Hüttenheim. Es werden Verkäufe und Börsengänge, zum Beispiel für den profitablen Aufzugsbereich vorbereitet.

 

Die Entwicklung bei Thyssenkrupp zeigt, dass die Abwälzung der Krisenlasten längst begonnen hat. Auch in anderen Konzernbetrieben gibt es ähnliche Pläne, wie bei Daimler, Ford etc. Hunderttausende Arbeitsplätze würde das in Deutschland betreffen. Das fordert die Arbeiter heraus, den Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung konsequent zu führen. Dazu gehört die Forderung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich auf die Tagesordnung!

 

Es betrifft aber keineswegs nur die Arbeiter, sondern auch die breite Masse der Menschen, indem unter anderem Umweltschutzmaßnahmen gekippt oder verzögert werden, unter der scheinheiligen Flagge des "Umweltschutzes" über weitere Steuern diskutiert wird usw. All das soll beim Ausbruch einer Weltwirtschaftskrise weiter verschärft werden, worauf der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit seinem Krisenprogramm bereits drängt.

 

Neu ist, dass auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen werden. Kerkhoff betont, dass diese „als letztes Mittel“ möglich seien. Dabei wurde erst im Mai in Zusammenarbeit mit der rechten Betriebsrats- und Gewerkschaftsführung ein Neuaufguss des Märchens „keine betriebsbedingte Kündigungen“ bis Ende des Jahres vereinbart. Die Blaupause für diesen Tabubruch liefert die RAG (Ruhrkohle AG) mit den 200 betriebsbedingten Kündigungen von nicht anpassungsberechtigten Bergleuten.

 

Dass die RAG und die anderen Konzerne mit dieser Politik nicht durchkommen dürfen, das geht alle Arbeiter etwas an! Thyssenkrupp setzt auf die Spaltung der Konzernbelegschaft, um die Stahlarbeiter ruhigzuhalten. 

 

Gleichzeitig gibt es eine Zunahme von Personalmaßnahmen wegen Nichtigkeiten und aktive kämpferische Kollegen stehen besonders im Visier. In Dortmund unterlag Thyssenkrupp in einer Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht. Die Konzernleitung wollte eine Kollegin schriftlich ermahnen, weil sie ein persönliches Flugblatt verteilte. So erhalten auch die Forderungen nach freier politischer und gewerkschaftlicher Betätigung im Betrieb und nach einem vollständigen und allseitigen gesetzlichen Streikrecht zunehmende Bedeutung.

Für gemeinsamen Kampf der Konzernbelegschaft

Die Betriebsgruppen der MLPD stehen für einen gemeinsamen Kampf der Konzernbelegschaft gegen die Konzernpläne. Sie greifen die kapitalistische Profitwirtschaft an, und setzen sich für eine gesellschaftliche Alternative, den echten Sozialismus, ein.

 

Jetzt steht auf der Tagesordnung, einen neuen Kampf der Stahlarbeiter vorzubereiten, dazu in der IG Metall aktiv zu werden und die Betriebsgruppen der MLPD zu stärken. Das ist die richtige Antwort auf die Pläne von Kerkhoff und Co, die die Krisenlasten auf die Belegschaften und Familien abwälzen wollen!