Ernst-Thälmann-Gedenken

Ernst-Thälmann-Gedenken

Ein „breites antifaschistisches Erinnern“ ist unser Anliegen

Mit dem folgenden Schreiben, das wir in Auszügen bringen, antworten Ulja Serway von der Bundesweiten Montagsdemo und Fritz Ullmann vom Linken Forum für die Koordinierungsgruppe Internationalistisches Bündnis, auf einen Brief von Dr. Ulrich Schneider, Bundessprecher der VVN/BdA¹. In diesem legt er dar, warum er sich an der Solidaritätskampagne gegen den Versuch der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, das Ernst-Thälmann-Gedenken des Internationalistischen Bündnisses zu verbieten, nicht beteiligt.

Von Koordinierungsgruppe Internationalistisches Bündnis
Ein „breites antifaschistisches Erinnern“ ist unser Anliegen
Ernst Thälmann

Werter Kollege Ulrich Schneider, 

 

Deine Antwort vom 02.08.19 auf das Schreiben mit der Bitte um Solidarität gegen das Verbot des Thälmann-Gedenkens am 17. August in Buchenwald durch die Direktion Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora haben wir erhalten.


Wir sind uns demnach vollständig darin einig, das Gedenken an Ernst Thälmann als wichtiges Anliegen zu begehen, gerade am 75. Jahrestag seiner Ermordung. Umso mehr ist es enttäuschend, dass Du – und der Bundesvorstand der VVN-BdA – mit Bezug auf Dein Schreiben die gebotene Solidarität gegen die Ausgrenzung einer relevanten Kraft ablehnst, die nachweislich nicht nur das Gedenken an Ernst Thälmann verfolgt, sondern auch die Fackel seines Lebenswerkes weiter trägt.


Bezogen auf die Sachlage wurdest Du nur einseitig informiert. Wir bitten Dich in Anbetracht dessen, Deine Position nochmals zu überdenken und möchten Dir in der Folge die Faktenlage darlegen.


So schreibst Du erstens: „Sinnvoller wäre es aus meiner Sicht in diesem Konflikt gewesen, wenn euch das angemessene Thälmann-Gedenken am Herzen liegt, in ein Gespräch mit der Leitung der Gedenkstätte einzutreten, unter welchen Rahmenbedingungen eine Thälmann-Veranstaltung am historischen Ort möglich ist.“


Genau das ist rechtzeitig und mehrfach erfolgt. Diese Kundgebung war von Klaus Dimler, Mitglied der LAG Buchenwald und Sohn von Kurt Dimler, einem der Mitglieder des illegalen internationalen Lagerkomitees, im Namen des Internationalistischen Bündnisses schriftlich angemeldet worden – und zwar bereits am 17. Dezember 2018. Die Veranstaltung wurde von der Gedenkstätte am 20.02.2019 sogar ausdrücklich genehmigt. Zur weiteren Absprache und zum persönlichen Einvernehmen fand am 3. April 2019 ein konstruktives Gespräch statt zwischen Tassilo Timm und Rikola-Gunnar Lüttgenau.


Fünf Monate später wurde auf einmal eine Wende um 180 Grad durch geführt: Das Gedenken wurde komplett untersagt und dies unsachlich und schwer nachvollziehbar begründet, was den Eindruck eines antikommunistischen Hintergrundes bei uns bestärkt. Das ging so weit, dass gegenüber sämtlichen MLPD-Mitgliedern ein Zutrittsverbot angedroht wurde. ...

 

Ausgerechnet die Gedenkstätte Buchenwald fügt den faschistischen Drohungen eine Ausgrenzung hinzu? Das ist ein unglaublicher Vorgang. Warum will die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten dieses Vorgehen unterstützen? ...

 

Ein „breites antifaschistisches Erinnern“ ist genau das Anliegen, das wir die ganze Zeit fordern und fördern! Seit seiner Gründung hat das Internationalistische Bündnis, ebenso wie die MLPD schon Jahrzehnte zuvor, mit breiten Aktionseinheiten zu Gedenkfeiern, antifaschistischen Aktivitäten, am Antikriegstag, bei feierlichen Veranstaltungen zur Erinnerung an den faschistischen Kapp-Putsch und die Kämpfer der Roten Ruhrarmee eine charakteristische, breit aufgestellte Gedenkkultur entwickelt. Das ist auch unser Anliegen als Internationalistisches Bündnis anlässlich des 75. Jahrestages der Ermordung von Ernst Thälmann ...

 

Viertens unterstellst Du unserem Gedenken eine „parteipolitische“ Ausrichtung. Die Veranstaltung wird aber vom Internationalistischen Bündnis getragen, in dem mittlerweile 38 Organisationen verschiedenster Artzusammenarbeiten. Außerdem kommen laufend noch weitere Träger der Gedenkveranstaltung hinzu. Als Einzelorganisationen/Initiativen/Organisationseinheiten rufen zusätzlich auf:


ADHF – Föderation für demokratische Rechte in Europa, Deutsch-Philippinische Freunde e.V., Kommunistische Plattform (KPF) Sachsen innerhalb der Partei DIE LINKE, Eisenacher Aufbruch, ADKH – Avrupa Demokratik Kadin, Hareketi – Demokratische Frauenbewegung Europa, ATIF – Föderation der ArbeiterInnen aus der Türkei in Deutschland, Bundesweite Montagsdemo, Frauenverband Courage, SYM – socialist youth movement, Kumpel für AUF, GRH-TAG Chemnitz (Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V.), Willi Dickhut Museum, LF – Linkes Forum im Bergischen Land, Yasanacak Dünya, Mediengruppe Neuer Weg, Hamburger Kultur- und Geschichtswerkstatt, AUF Gelsenkirchen, AUF Witten, Solidarität International e.V., IG Frieden-Gerechtigkeit-Solidarität/Chemnitz DIE LINKE, Deutsche Koordinierungsgruppe der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz, ZUG Albstadt, MLPD – Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Ortsverband Sonnenberg/Chemnitz DIE LINKE, Jugendverband REBELL. Dies stellt ein breites Bündnis dar, in dem sich auch mehrere parteipolitisch ausgerichtete Organisationen beteiligen; ein Beispiel linker Überparteilichkeit.

 

Hierzu möchten wir allerdings auch darauf hinweisen, dass Ernst Thälmann seinerseits keine Probleme hatte, sein Wirken streng parteipolitisch zu orientieren. Selbst wenn unser – oder Euer – Gedenken parteipolitisch geprägt wäre, so können wir nicht nachvollziehen, warum dies für sich genommen dem Gedenken Thälmanns grundsätzlich widersprechen würde. ...

 

Mal Hand aufs Herz: sind diese „Argumente“ nicht einfach absurde Konstruktionen, um einen Alleinvertretungsanspruch der eigenen politischen Richtung durchzusetzen und zu diesem Zwecke die MLPD auszugrenzen oder doch wenigstens unsichtbar zu machen? ...

 

Lieber Kollege Schneider, auch in der VVN / BdA gibt es immer wieder Auseinandersetzungen, Bedenken und Kritiken an einer Tendenz zur schleichenden Neuausrichtung der Gedenkstätten der Opfer des Hitler-Faschismus durch interessierte Kreise, durch Bundesregierung und Landesregierungen. Immer mehr greifen Ausgrenzung von Kommunisten, Verunglimpfung statt Würdigung der Roten Armee und des proletarischen Widerstandes gegen Faschismus und Krieg um sich.

 

Das ist eine zweckmotivierte Geschichtsklitterung der Herrschenden in Deutschland, der entschieden entgegengetreten werden muss. In diesem Sinne sind wir eigentlich von einem gemeinsamen Anliegen ausgegangen. Die Versuche, die Veranstaltung des Internationalistischen Bündnisses zu untersagen und zu diskreditieren sowie die Drohungen gegenüber Mitgliedern der MLPD, gehen genau in diese Richtung. Deshalb ist dies eine Auseinandersetzung, deren Bedeutung noch weit über unsere konkrete Veranstaltung hinausgeht. Mit antifaschistischen und solidarischen Grüßen.

 

Hier gibt es das Schreiben der Koordinierunggruppe des Internationalistischen Bündnisses in voller Länge als pdf-Datei!