Bergbau

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Übles Spiel der RAG gegen die Bergleute – doch auch diese Kraftprobe nehmen wir an!

Entgegen allen Versprechungen, dass „keiner ins Bergfreie fällt“, hat die RAG (1) zum 1. Juni 200 Kumpel der Zeche Prosper-Haniel gekündigt, die damit nicht mehr in die Anpassung (2) kommen.

Von mge
Übles Spiel der RAG gegen die Bergleute – doch auch diese Kraftprobe nehmen wir an!
Bergleute bei ihrer harten Arbeit unter Tage (Foto: RF)

Ein Tabubruch, der auch noch von der IGBCE-Führung untertänigst mitgetragen wurde. Doch die Kumpel kuschen nicht. Sie machten sich vielfach zu eigen, was die MLPD und die Bergarbeiterzeitung Vortrieb seit Jahren vorhersagten und vorschlugen. Mutig und geschlossen nahmen sie den Kampf auf.

 

Die RAG macht sich mehr und mehr Feinde. Denn gleichzeitig hat sie angefangen, die Zechen zu fluten, obwohl 1,6 Millionen Tonnen Giftmüll unter Tage eingelagert sind. Eiskalt beschwört sie aus reinen Profitgründen damit die Gefahr einer regionalen Trinkwasserkatastrophe herauf. 124.000 Bergleuten und Witwen hat die RAG ihr Deputat3 für eine mickrige Abfindung geklaut. Mit der Privatisierung alter Zechenwohnungen und Mieterhöhungen bis 90 Prozent verdient sie sich eine goldene Nase. Kurzum: die Empörung über die Diktatur der Monopole - wie sie unter anderem von der RAG ausgeübt wird - wächst.

 

Fünf selbständig organisierte Protestdemonstrationen gegen die RAG-Politik der "verbrannten Erde" haben Kumpel zusammen mit ihren Familien und vielen anderen Betroffenen bereits organisiert, unterstützt von der kämpferischen Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF und der MLPD. Ein nächster Höhepunkt wird die Demonstration am 14. September in Essen-Stoppenberg sein, zu der Kumpel für AUF mobilisiert.

Ent-Täuschung unverzichtbar

Viele Hürden, Nackenschläge und auch Enttäuschungen galt es schon bisher zu bewältigen. Aber Ent-Täuschung als Abschied von einer Täuschung ist unverzichtbar – so hart das zuweilen erscheinen mag:


Miesen Jobangeboten, Drohungen und Hetze widerstehen; den Versuchen von Vorgesetzten - zum Teil auch Betriebsräten - nicht aufsitzen, die anpassungsberechtigten und nicht anpassungsberechtigten Kumpel zu spalten; Illusionen in den parlamentarischen Weg der alten bürgerlichen Parteien oder der faschistoiden AfD verarbeiten; Überbordende Gefühle der Wut angesichts der Hetze im Landtag bewältigen; die Lügenstory von Armin Laschet von der als Bergleute verkleideten MLPD zerpflücken; zwischen Freund und Feind immer besser unterscheiden – eine Achterbahnfahrt der Gefühle und zahllose Erkenntnisfortschritte liegt schon hinter den Kumpeln.

Neue Schlacht bahnt sich an

Jetzt bahnt sich eine neue Schlacht an: ein sytematisches Massenmobbing. Serienweise und mit allen nur möglichen Begründungen und in einem beleidigenden, respektlosen und zermürbenden Trommelfeuer werden jetzt die 200 Kündigungen durchgezogen. Das Inklusionsamt hat darunter sogar der Kündigung von mehr als 70 Schwerbehinderten zugestimmt, die zum Teil unter schweren Folgen von Arbeitsunfällen leiden. Fast jeder Kumpel kann berichten, wie er mal für die RAG nur knapp dem Tod von der Schüppe gesprungen ist. Am letzten Freitag hat der Betriebsrat die Kündigung von weiteren neun Schwerbehinderten ohne Einwand zur Kenntnis genommen. Auch dieser Umgang mit Schwerbehinderten ist ein Tabubruch!


Mit Mobbing, vielen kleinen Schikanen, Versetzungen bis hin zu fristlosen Kündigungen werden regelrechter Psychoterror und zunehmende Repression betrieben. Die RAG versucht zu demoralisieren, fertigzumachen und in die Verzweiflung zu treiben - insbesondere die, die am Kampf um einen Arbeitsplatz bei der RAG festhalten. So infam eingeführt wurde das damals gegenüber den kämpferischen Opelanern in Bochum. Damit fertigzuwerden, wurde auch dort zur Grundlage aller künftigen Erfolge.


Bei den Bergleuten hat mancher zeitweilig mit Zermürbung, Depressionen bis hin zu größter Verzweiflung zu kämpfen. Es ist sicher einer der bisher größten Siege, diese Selbstaufgabe überwunden zu haben!


Unter Tage ist genug Arbeit vorhanden. Aus allen, die noch auf Zeche sind, wird herausgeholt, was die Knochen hergeben. Aktuell sollen APG-Berechtige4 sogar ihren Urlaub opfern und länger arbeiten, weil so viel Arbeit da ist. Jüngere Kumpel werden in Leiharbeitsfirmen abgeschoben - oft nur ein Umweg in die Arbeitslosigkeit. Und zugleich geht das Gerücht um, dass Nicht-APG-Berechtigte schon im Oktober freigestellt werden sollen. "Wenn die das machen, fahre ich auch nicht mehr an", so ein Kumpel.

Gabi Fechtner: "Zeigen wir der RAG unsere Kampfkraft"

Jahrzehntelang Stefan Engel als öffentlicher Sprecher der Bergarbeiterzeitung "Vortrieb", die MLPD, und heute vornedran die Parteivorsitzende Gabi Fechtner sind zu wichtigen Beratern und verlässlichen Mitstreitern geworden. Gabi Fechtner hat sich aktuell in einem persönlichen Gruß an die Bergleute gewandt:

Gabi Fechtner diskutiert mit Bergleuten während der Demonstration am 28. Juni in Düsseldorf (Foto: RF)
Gabi Fechtner diskutiert mit Bergleuten während der Demonstration am 28. Juni in Düsseldorf (Foto: RF)

In Kürze:

  • Zunehmende Empörung über die RAG-Politik der "verbrannten Erde"
  • RAG versucht, kämpferische Kräfte zu zermürben
  • Am 14. September: Kampfmoral und Würde als Arbeiter stärken!

"Es ist mehr als nur ein übles Spiel, das die RAG und ihre Verbündeten hier mit den Bergleuten betreiben. Es entspricht ihrer kapitalistischen Daseins- und Denkweise: erst werden die Arbeiter über Jahrzehnte unter Tage ausgebeutet, machen sich dabei die Knochen kaputt.


Dazu gab es über Jahre einige Begleitmusik, damit sie das mitmachen: Prämien, Bindung an die sogenannte 'RAG-Familie' und dann das 'Danke Kumpel'. Aber wenn die Profite dann woanders höher sind, die RAG im Ausland, mit dem Kohlehandel oder Wohnungen mehr verdient, dann werden die Arbeiter wie der letzte Dreck behandelt.

 

Dabei wäre die RAG ohne sie gar nichts: Jeder Cent an Reichtum, das ganze Prestige, 'so viel für das Ruhrgebiet getan zu haben' - das haben doch die Kumpel geleistet. Aber wenn sie dann ‚wagen‘, zu kämpfen, dann wird versucht, sie ins Unrecht zu setzen: Über die Medien und bei Gericht macht die RAG üble Stimmung gegen die Kumpel, stellt sie als Querulanten dar, die selbst Schuld hätten und aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr vermittelbar seien - und jetzt auch noch mit Repressionen und Beleidigungen gegen diejenigen, die kämpfen.


Es ist wichtig, dass kein Kumpel das jetzt als persönliches Problem nimmt. Es ist wichtig, dass ihr kämpft und euch nicht kleinkriegen lasst. Der Versuch der Kapitalisten, kämpferische Belegschaften mit Massenmobbing und anderem kleinzukriegen, ihre Würde zu zerstören ist eine uralte Methode.

 

Diesen Gefallen, uns kleinkriegen zu lassen, dürfen wir der RAG nicht tun. Der Kampf muss weitergehen - und zwar noch besser, gemeinschaftlicher und bewusster als bisher. An der Demo am 14. September wird die ganze Solidarität deutlich werden, dass die Kumpel nicht alleine stehen, und wie viele inzwischen gegen die RAG kämpfen.


Die RAG weiß, was sie an bürgerlichen Politikern, Parteien und Institutionen hinter sich hat. Sie meint wohl, sie kann agieren, wie sie will. Wir nehmen diese Kraftprobe an. Die Bevölkerung, die Arbeiter sind vereint stärker als das RAG-Komplott.

 

Jedem muss inzwischen bewusst geworden sein, dass, wer gegen die Macht der RAG kämpft, einen langen Atem braucht. Das ist kein Grund, zu resignieren, sondern erst Recht Schlüsse zu ziehen und sich zu organisieren. Zeigen wir der RAG am 14. September unsere Kampfkraft! Beraten wir weitere Schritte. Einen Finger können sie brechen, fünf sind eine Faust!"

Demo spricht sich herum

Aus Gelsenkirchen berichtet ein Korrespondent: "Dass Kumpel für AUF zu dieser Demonstration aufruft, hat sich auf der Zeche Prosper schon herumgesprochen. 'Ja weiß ich schon.' 'Habe mir den Termin schon gemerkt', sagen einige am Schacht X. Gerade unter den kämpferischen Kumpeln entwickelt sich die Entschlossenheit, zu kommen und noch Leute mitzubringen."

 

Erinnern wir uns an den Erfolg und das Signal des großen Bergarbeiterstreiks 1997. Am 14. September auf zur Demo, 11 Uhr, am Barbarossaplatz in Essen-Stoppenberg!

 

Hier gibt es alle Infos zur Demonstration am 14. September