Südamerika

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Der Amazonas-Regenwald brennt – wer sind die Brandstifter?

Die enorme Zunahme von Bränden im Amazonas-Regenwald bedroht die „Grüne Lunge“ der Welt, setzt enorme Mengen des klimaschädlichen CO2 frei und treibt den Übergang in die globale Umweltkatastrophe weiter voran.

Von gc / ps
Der Amazonas-Regenwald brennt – wer sind die Brandstifter?
Der Regenwald brennt (Foto: José Cruz/ABr)

Besonders betroffen sind die Regenwälder Brasiliens, aber auch Boliviens, Kolumbiens und Perus. Das brasilianische Raumfahrtinstitut (INPE) registrierte seit Anfang des Jahres 76.000 Brände. Gegenüber 2018 ist das ein Anstieg um 84 Prozent. Und um 278 Prozent nahm die Abholzung des brasilianischen Regenwalds von Juli 2018 bis Juli 2019 zu. Das entspricht einer Fläche von 2.255 Quadratkilometer - fast so groß wie das Saarland.


Hintergrund für die explodierende Zerstörung des Regenwaldes ist die Entwicklung Brasiliens zu einem neuimperialistischen Land. Sie nahm ihren Ausgangspunkt bereits unter der Regierung des sozialdemokratischen Präsidenten Lula da Silva. "Seine Regierung trieb den Ausbau des lateinamerikanischen Wirtschaftsbündnisses Mercosur zu einem ökonomischen Machtblock voran. Brasilianische Monopole wurden darin die dominierende Kraft."1

Treibende Kraft: Agrar-, Energie- und Bergbaukonzerne

Dazu gehören unter anderem internationale Agrarmonopole wie Cargill Agricola und Bunge Alimentos. Lula förderte den Ausbau der Erdöl- und Erdgasförderung und gigantische Amazonas-Staudammprojekte. Unter keiner anderen Präsidentschaft wurden im laufenden Jahrhundert so große Flächen Regenwald abgeholzt wie während seiner Amtszeit von 2003 bis 2011. Allein 2004 waren es 27.000 Quadratkilometer.2

 

Das gerät angesichts der aggressiv umweltfeindlichen Politik seines Nachfolgers Jair Bolsonaro leicht aus dem Blick und wird in den bürgerlichen Medien Deutschlands eher am Rande thematisiert. Zweifellos treibt die ultrareaktionäre, faschistoide Bolsonaro-Regierung diese Entwicklung mit der neuimperialistischen Strategie "Avança Brasil 2020" auf die Spitze, die die rücksichtslose Ausbeutung des Amazonas-Gebietes vorsieht. Aggressiv vertritt Bolsonaro die Interessen internationaler Bergbau-, Energie- und Nahrungsmittelkonzerne mit Hauptsitz in Brasilien. Letztere fordern vehement die Freigabe weiterer Flächen für den Anbau von Soja.

 

Eine Hauptverantwortung tragen auch die drei weltweit größten Rohstoffmonopole, Rio Tinto Group, BHP Billiton und Vale S.A. Sie planen in der Regenwald-Region eine Verdoppelung der Förderung von Eisenerz, Gold, Kupfer und Nickel in den kommenden 15 Jahren. Auch die Energieindustrie wittert mit der Freigabe neuer Wasserkraftwerke im Amazonasgebiet neue Geschäfte. Die beiden größten Dämme würden ein Gebiet von ca. 600 Quadratkilometern unter Wasser setzen.

Extrem umweltfeindliche Politik

Bolsonaro leugnet im Interesse des Maximalprofits der internationalen Monopole jeden Zusammenhang zwischen der durch den Imperialismus verursachten Umweltzerstörung und dem drohenden Übergang zur globalen Umweltkatastrophe. Er löste die Umweltbehörde Ibama auf und entließ nach der Veröffentlichung der Dimension der Brände durch INPE auch deren Institutsleiter Ricardo Galvao.

 

Dessen Nachfolger Darcton Damiao - ein Militär - lässt die bisher automatisch online gestellten und für jedermann einsehbaren Daten nun durch die Regierung "prüfen". Bolsonaro ermuntert die Großgrundbesitzer sowie illegalen Goldsucher und Holzfäller, draufloszuroden und bezeichnet sich selbst provokativ als "Kettensägen-Kapitän".


Gegen die fortschreitende Umweltzerstörung und die Vertreibung von Klein- und Mittelbauern für Großprojekte und die Ausdehnung der Agrarkonzerne richteten sich zunehmend Proteste, unterstützt von Guerilla-Aktionen, die allerdings zerschlagen wurden. Monat für Monat gehen Zehntausende auf die Straße. Erst am 15. August demonstrierten 100.000 Frauen in rund 200 Städten, unter anderem auch gegen die zerstörerische Umweltpolitik.

"Neokoloniale Einmischung"?

"Ja zum Amazonas, Nein zu ihm", riefen Demonstranten am 24. August in Rio de Janeiro. "SOS Brasilien" oder "Es gibt keinen Plan B für das Klima" stand auf den Plakaten. "Wenn wir Amazonien jetzt nicht verteidigen, werden wir keine Zukunft haben", sagt die Demonstrantin Julia.3 Mehr als 3,9 Millionen Menschen unterstützen bislang eine Internet-Petiton des Anwalts Gabriel Santos aus der westbrasilianischen Stadt Rio Branco, die die brasilianische Regierung und die Behörden auffordert, die Brände im Amazonasgebiet zu beenden.

 

Bolsonaros Vize Mourao schickt jetzt Militär, angeblich zur Bekämpfung der Brände. Damit einher geht aber der Versuch, die Armee aufzuwerten und mit zusätzlichem Geld und Befugnissen auszustatten. Gleichzeitig verbittet sich Bolsonaro internationale Hilfe demagogisch als "neokoloniale Einmischung". Der eigentliche Grund ist der verschärfte zwischenimperialistische Konkurrenzkampf um die Ausbeutung der Ressourcen des Regenwaldgebiets.

Brandstifter geben sich als Feuerwehrleute

Unter dem Druck der Weltöffentlichkeit hatten der französische Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema auf die Tagesordnung des G7-Treffens in Biarritz gesetzt. So dringend notwendig eine schnelle und umfassende Hilfe zur Löschung dieser Feuer ist, von Seiten Macrons und Merkels ist das zutiefst geheuchelt. Ausgerechnet sie - die mit ihrem Festhalten an der Kohleverbrennung zu den Hauptverursachern des unnatürlichen Treibhauseffekts in der Atmosphäre gehören - geben sich jetzt als Feuerwehrleute aus.

 

Die jetzt zugesagten Hilfsgelder und -maßnahmen werden auch an den Ursachen der Regenwaldvernichtung und der Waldzerstörung weltweit nichts ändern. Europäische und gerade auch deutsche Monopole profitieren selbst massiv von der umweltfeindlichen Politik Bolsonaros. Das kürzlich abgeschlossene Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur sorgt für den Wegfall von Zollzahlungen in Höhe von 4 Milliarden Euro.

 

Die dramatische Vernichtung des Regenwalds befriedigt auch die Abhängigkeit der deutschen Agrarindustrie vom brasilianischen Soja. Und Agrarchemie-Monopole wie Bayer verdienen am großzügigen Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat - hergestellt durch die Bayer-Tochter Monsanto - auf den Anbauflächen des zu 90 Prozent gentechnisch veränderten Soja in Brasilien.

Weltweiter Widerstand herausgefordert

Das zeigt, die verheerende Umweltzerstörung im Amazonas ist kein nationales Problem. Auch deshalb nicht, weil sie nur einen Teil der weltweiten Waldvernichtung unter anderem durch immer verheerendere Waldbrände ausmacht. Das fordert den Widerstand aller fortschrittlichen Menschen, besonders die Jugend, weltweit heraus.


Unter dem Hashtag #PrayForAmazonia fordern Menschen, Organisationen und Klimaschützer auf der ganzen Welt zum Handeln gegen die Regenwaldzerstörung auf. In zahlreichen Städten protestierten Menschen am Freitag gegen die Brandrodungen. Auch in Berlin haben Klimaaktivisten vor der brasilianischen Botschaft demonstriert, auch vor den Botschaften in London und Delhi gab es Proteste. Das spielt auch bei den Fridays-for-Future-Demonstrationen eine wachsende Rolle, die vom Jugendverband REBELL aktiv mitgetragen wird.

Gesellschaftsverändernder Kampf erforderlich

Der sich entwickelnde Widerstand zeigt ein gewachsenes Umweltbewusstsein, reicht aber nicht aus. Notwendig ist eine neue Qualität der internationalen Umweltbewegung. Weil ihre gesetzmäßigen Hauptursachen in der kapitalistischen Profitwirtschaft liegen, erfordert die Überwindung der Umweltkrise heute eine gesellschaftsverändernden Kampf. MLPD und REBELL rufen zur Beteiligung am Kampf- und Streiktag zur Rettung der Umwelt am 20. September auf.


Mehr zum Thema im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" sowie in dem am kommenden Freitag erscheinenden Rote Fahne Magazin "Katastrophenalarm: Kapitalismus zerstört Einheit von Mensch und Natur - Was tun?" (es kann hier bestellt werden).