Bergbau

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Hitzige Diskussionen vor der IGBCE-Zentrale in Hannover

Am 9. September fuhren etwa 50 von der Ruhrkohle AG (RAG) gekündigte Bergleute mit einem Bus zur Hauptverwaltung der Gewerkschaft IGBCE nach Hannover.

Korrespondenz
Hitzige Diskussionen vor der IGBCE-Zentrale in Hannover
Betroffene Kumpel vor der IGBCE-Zentrale im Gespräch mit Vorstandsmitgliedern (rf-foto)

In Hannover marschierten die Kollegen zum Gebäude der IGBCE, wo sie von Christian Hülsmeier (Sekretär desIGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis) in Begleitung von fünf bis sieben weiteren Hauptamtlichen empfangen wurden. IGBCE-Chef Michael Vassiliadis ließ sich nicht blicken. Sehr schnöselig und arrogant wurden die Bergleute zunächst empfangen und sollten zunächst gar nicht alle ins Gebäude dürfen.

"Absolute Null-Nummer … “

Ein Sprecher der Kumpel nach dem Gespräch mit Teilen des IGBCE-Vorstands

Nachdem ein Bergmann die Kollegen begrüßt hatte, lobte Hülsmeier erst Mal die Politik der IGBCE-Führung und lud alle IGBCE-Mitglieder zu einem Gespräch bei Kaffee oder Wasser ein. Nach 30 bis 40 Minuten war das Gespräch zu Ende. Ein Sprecher der Bergleute fasste zusammen. "Absolute Null-Nummer … “. Auch Hülsmeier kam mit seinem Trupp nochmals raus.

 

Jetzt trugen die Bergleute in aller Schärfe ihre Kritik an der IGBCE-Führung vor: „Wir werden gekündigt, werden hin und her geschoben und auf unsere Arbeitsplätze kommen Leiharbeiter. Das zeigt doch, dass genug Arbeit für uns alle bei der RAG ist!“; „Wo war der Gewerkschaftsvorstand 1997 bei dem Streik und dem Marsch auf Bonn?“.

 

Die Kritik reichte zurück bis in die 1980er-Jahre, als die damalige Gewerkschaftsführung den streikenden britischen Bergarbeitern die Solidarität verweigerte. Weil er darauf nichts zu sagen wusste, startete Hülsmeier eine antikommunistische Attacke, indem er die faschistoide AfD und die revolutionäre Arbeiterpartei MLPD in einen Topf warf. Er warnte die Kollegen davor, sich „vor den politischen Karren von Kräften wie der MLPD und AfD spannen“ zu lassen. Was für ein Unsinn: die Aktivitäten der AfD bestanden bislang vor allem darin, die Bergleute vom Kampf gegen die RAG abzuhalten (wie dies die IGBCE-Spitze im Übrigen auch macht) und die MLPD anzugreifen. Die MLPD ist seit Jahrzehnten Teil der Bergarbeiterbewegung und steht konsequent an der Seite der Bergleute und ihrer Familien.

Vertrauensverhältnis zur MLPD zeigte sich auch in Hannover

Die MLPD Hannover hatte die Kollegen vor Ort bereits freundlich begrüßt. Die Mehrheit der Bergleute diskutierte offen mit den MLPD-Genossen und mehrere Exemplare des Rote-Fahne-Magazins und des Parteiprogramms der MLPD wechselten den Besitzer. Hülsmann griff die Kollegen an, weil sie vor Gericht klagen. „Wenn ihr Recht kriegt, dann ist es halt so – wenn nicht, dann seid Ihr die Lackierten mit Euren falschen Freunden.“ Darauf antwortete ihm ein Kollege: „Was bist Du denn für ein Gewerkschafter? Ich dachte, Ihr setzt Euch für mich ein – jetzt reichts, ich geh raus aus dem Laden.“

Austreten?

Austreten oder in der IGBCE aktiv dafür sorgen, dass sie zur Kampforganisation wird – das wurde heiß diskutiert. Zwei Kumpel gaben Ihr Mitgliedsbuch ab, andere sind noch am Schwanken. „IGBCE und Kampforganisation“, das können sich die meisten kaum vorstellen. Zu tief sitzt die jahrelange Verbitterung und Enttäuschung über die Politik der Klassenzusammenarbeit der rechten Gewerkschaftsführung. Einige haben zugesagt, zur Demonstration nach Essen zu kommen, andere überlegen es sich noch. Dass auch Stahl-, Automobilarbeiter und andere kommen wollen, finden sie gut. Die selbständigen Aktivitäten der Bergleute sind nicht nur eine Kritik an der Klassenzusammenarbeitspolitik sondern auch der Weg, die IGBCE zur Kampforganisation zu machen.