Gelsenkirchen und andere Orte

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Handfehlbildungen bei Neugeborenen - Aufklärung dringend nötig

Im Sankt-Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Buer sind zwischen Juni und Anfang September drei Babys mit fehlgebildeten Händen zur Welt gekommen – eine auffällige Häufung in so kurzer Zeit.

Von dvp
Handfehlbildungen bei Neugeborenen - Aufklärung dringend nötig
Protest gegen Glyphosat-Einsatz an der Mosel (foto: Stephan Tournay (CC BY-SA 4.0))

Solche Fehlbildungen sind sehr selten. Laut einer Statistik des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IBTIG) waren es im ganzen Jahr 2017 insgesamt nur 0,89 Prozent der Neugeborenen. Diese Zahl beinhaltet allerdings keine Information über die Art der Fehlbildungen. Nach Recherchen der "Kölnischen Rundschau" gibt es eine ungewöhnliche Häufung solcher Fälle unter anderem auch im Kreis Euskirchen.

 

Diese Fälle beunruhigen die Menschen und insbesondere Eltern, die Kinder erwarten. Viele sorgen sich, zumal die Ursachen und das Ausmaß noch lange nicht aufgeklärt sind. Rote Fahne News bittet alle Leser und insbesondere Betroffene, Informationen darüber mitzuteilen, Hinweise zu geben oder Fragen zu stellen. Letztere werden vertrauensvoll an Ärzte und Experten weitergeleitet.

Zufällige Einzelschicksale?

Der Gelsenkirchener Arzt Dr. Willi Mast dazu gegenüber Rote Fahne News: "Auch in Frankreich kam es zu einer Häufung solcher Fälle. Man vermutet Pestizide oder Herbizide als Ursache, zumal dies eine ländliche Region betrifft. Das wurde jedoch nie bestätigt oder befriedigend geklärt. Wenn es in Deutschland nicht durch mutige Hebammen-Vertreterinnen wie die Kölner Hebamme Sonja Liggett-Igelmund an die Öffentlichkeit gebracht worden wäre, wüssten wir auch von den Gelsenkirchener Fällen nichts."

 

Bei Sonja Liggett-Igelmund meldeten sich seitdem mehr als 20 weitere betroffene Eltern aus unterschiedlichen Gegenden in Deutschland. Zufällige Einzelschicksale? Davon geht sie nicht aus. Anders als ein Teil der bürgerlichen Gesundheitspolitiker, die die alarmierenden Meldungen damit abtun, dass sie sich bei einer vollständigen bundesweiten Erfassung solcher Fälle schnell relativieren würden. Das ist jedoch reine Spekulation.

Mögliche Ursachen

Nach Expertenmeinung ist es sehr unwahrscheinlich, dass das gehäufte Auftreten dieser Handfehlbildungen in Gelsenkirchen-Buer zufälliger Natur ist.

 

Fehlbildungen an den Extremitäten können während der Schwangerschaft durch Infektionen, Gifte oder andere schädliche Einflüsse auftreten. Der dafür entscheidende Schwangerschaftszeitraum liegt sehr früh, zwischen dem 24. und 36. Entwicklungstag nach der Befruchtung. In dieser sensiblen Phase der Frühschwangerschaft liegt eine besondere Verletzlichkeit gegenüber schädigenden Umwelteinflüssen vor. Möglich sind darüber hinaus in seltenen Fällen auch Abschnürungen im Mutterleib.

Schädigung durch Umweltgifte

Fehlbindungen bei Kindern sind häufig das Ergebnis einer Vergiftung der Mütter und der noch Ungeborenen mit Umweltgiften und/oder Chemikalien. Das bekannteste Beispiel ist das in den 1970er-Jahren massenhaft als Schlafmittel für werdende Mütter verabreichte Medikament Contergan der Firma Grünenthal. Dessen Wirkstoff Thalidomid führte zu Schädigungen in der Wachstumsentwicklung der Föten.

 

Das in großen Mengen unter Tage in den stillgelegten Zechen des Ruhrgebiets eingelagerte Ultragift PCB hat ebenfalls derartige Wirkungen. Wenn die Pläne des Bergbaukonzerns RAG, die alten Stollen mit dem Giftmüll zu fluten, Wirklichkeit werden, verbinden sich die dort eingelagerten Gifte auf kurz oder lang mit dem Trinkwasser. Das hätte noch weit verheerendere Auswirkungen.

 

Auch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das vom US-Konzern Monsanto - der jetzt zu Bayer gehört - hergestellt wird, ist ein ultraaggressives Umweltgift. Stefan Engel analysierte in seinem Buch „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" dazu:

 

„Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Es gilt als krebserregend, fruchtschädigend und kann zu Fehlgeburten und Missbildungen führen. Es schädigt im Wasser lebende Organismen und führt vermehrt zur Entwicklung resistenter Unkräuter. Noch giftiger als das reine Glyphosat sind Hilfsstoffe, die beim Einsatz zugesetzt werden, und sein Abbauproduekt AMPA.“1

Fehlgeburten in Deutschland mangelhaft erfasst

Sonja Ligett-Ingelmund berichtet von Hinweisen, dass die Fehlbildungen bei Neugeborenen zunehmen - vor allem im Sommer. Es stellt sich die Frage, was war im Winter, als die Mütter in der sensiblen Phase der Frühschwangerschaft waren? Sie fordert eine gründliche, großflächige Ursachenforschung. In Frankreich sei man da schon weiter. Dort gibt es bereits sechs Register zur Erfassung von Fehlbildungen und es wird an einer Karte gearbeitet, in der alle Fälle im ganzen Land erfasst und vermerkt werden.

 

Dass in Deutschland ein solches Register bisher nicht oder nur in Ansätzen existiert ist, ein Skandal. Wer die Datensammelwut deutscher Behörden kennt, kann darüber nur den Kopf schütteln.

Was tun?

Dazu Willi Mast: "Eine erste wichtige Forderung wäre, die betroffenen Frauen und Kinder auf diese Giftstoffe hin zu untersuchen. In allen Fällen von Fehlbildungen müssen sämtliche Faktoren erfragt und exakt dokumentiert werden, wie Ernährungsweise, Medikamente, Belastungen am Arbeitsplatz, Lärm, mögliche Belastung durch Umweltgifte, und durch Strahlenbelastungen, unter anderem auch durch Smartphones, wenn sie ständig am Körper getragen werden.

 

In den Gelsenkirchener Fällen gehört zu einer allseitigen, gründlichen Ursachenforschung außer einer eingehenden persönlichen Anamnese2 bei den betroffenen Familien unbedingt, die Emmissionen der BP-Raffinerie, der umliegenden Müllverbrennungsanlagen (Herten, Essen-Karnap, Oberhausen) sowie des Kraftwerks Gelsenkirchen-Scholven einzubeziehen. Dort werden seit Jahren giftige Ölpellets verbrannt mit erheblichem Anteil von Nickel und Valadium. Die Emmissionsdaten von Ende 2018/Anfang 2019 liegen vor, sie müssen überprüft werden. Zu dieser Zeit waren die Mütter der betroffenen Babys in der sensiblen Phase der Frühschwangerschaft.

Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Dass es bis heute kein bundesweites Melderegister für Fehlbildungen bei Neugeborenen gibt, ist nicht zu akzeptieren. Die Forderung der Hebammen nach einem solchen Register als Voraussetzung für eine allseitige Ursachenforschung ist unbedingt zu unterstützen. Zudem ist eine Ausweitung der Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsprogramme bei Schwangeren notwendig sowie die allseitige Unterstützung der betroffenen Familien.

 

Falls die Fehlbildung der Kinder durch Kontamination der Mütter mit aggressivem Umweltgift - wie Glyphosat oder PCB - entstanden ist, müssen die Verantwortlichen in Politik und Monopolen dafür zur Rechenschaft gezogen und die geschädigten Familien finanziell entschädigt werden."