Saudi-Arabien

Saudi-Arabien

Nach der Attacke ins Herz der Weltölproduktion

Am Morgen des 14. September wurden wichtige Ölproduktionsanlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco aus der Luft angegriffen.

Von Landesleitung Thüringen der MLPD
Nach der Attacke ins Herz der Weltölproduktion
Saudische Truppen sind bereits im Jemen involviert - jetzt könnte ein Krieg gegen den Iran drohen (Foto: Al Jazeera English (CC BY-SA 2.0))

In Bakiak und Churais brach in der Folge Feuer aus und die Ölproduktion musste eingestellt werden. Die Brände sind inzwischen unter Kontrolle, die betroffenen Anlagen werden jedoch für Tage, wenn nicht für Wochen ausfallen, wie Experten vermuten.

Empfindlicher Schlag gegen Saudi-Arabien

Das ist ein empfindlicher Schlag für Saudi-Arabien, das um seine Weltmarktführung in der Ölproduktion kämpft. Die tägliche Produktion des Landes von 9,8 Millionen Barrel sinkt dadurch um fast die Hälfte auf 5 Millionen Barrel Öl.

 

Die Rohölbörsen reagieren darauf nervös. In den ersten Minuten des heutigen Börsenhandels stieg der Ölpreis um 20 Prozent an. Das saudi-arabische Energieministerium wirft derzeit Ölreserven auf den Markt, um den Produktionsausfall auszugleichen.

 

Auch die US-Regierung stellte ihre nationale strategische Ölreserve zur Verfügung - aus Furcht davor, dass eine Störung der Ölversorgung die krisenhafte Entwicklung der kapitalistischen Weltwirtschaft noch verstärkt.

USA intensivieren psychologische Kriegsführung

Die Huthi-Milizen aus dem Jemen, hinter denen das neuimperialistische faschistische Regime des Iran steht, haben die Verantwortung für die Drohnenangriffe übernommen. Sofort zauberte das US-Militär Satellitenbilder aus dem Hut, die beweisen sollen, dass es sich nicht um Drohnenangriffe aus dem Süden, sondern um Raketenangriffe aus dem Nordosten, also direkt aus dem Iran, handeln würde.

 

US-Außenminister Pompeo drohte, dass „der Iran für seine Aggression zur Verantwortung gezogen wird". US-Präsident Trump setzte noch einen drauf und twitterte: „Wir kennen die Übeltäter, sind gesichert und geladen … warten auf die Bestätigung unserer Annahme, um zu klären, wie wir weiter vorgehen.“ Das zeigt, wie der US-Imperialismus den Angriff als Vorwand für seine psychologische Kriegsvorbereitung nützt.

Blutiger Stellvertreterkrieg

Allerdings sind auch die Dementis aus Teheran geheuchelt. Die Huthi-Milizen wären ohne die iranische Militärtechnologie niemals zu solchen präzisen und weitreichenden Drohnenangriffen in der Lage. Es wäre auch nicht ihr erster Angriff. Im Mai griffen sie mit Drohnen Ölpumpstationen in der Nähe von Riad an und im Juni einen Flughafen nahe der Stadt Abha im Süden von Saudi-Arabien.

 

Die hauptsächlichen Kriegstreiber auf der Arabischen Halbinsel und am Persischen Golf sind jedoch Saudi-Arabien und die USA. Sie sind hauptverantwortlich für den blutigen Stellvertreterkrieg mit dem Iran um die Vorherrschaft im Jemen, der auf dem Rücken der dortigen Bevölkerung ausgetragen wird. Im Jemen herrschen Hunger und Seuchen, selbst die UNO bezeichnet die Situation im Jemen als größte humanitäre Katastrophe derzeit.

 

Während Saudi-Arabien den US-Imperialismus als hauptsächlichen Verbündeten hat, sind die neuimperialistischen Mächte Russland und China eng mit dem Iran verbunden.

Bundesregierung mit Waffenexporten beteiligt

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte in Berlin, die Lage sei "außerordentlich besorgniserregend". Was ihn vor allem besorgt, ist die Gefahr, die von einer weiteren militärischen Eskalation für den angestrebten Ausbau der Geschäfte zum Iran, aber auch für die Wirtschaftsbeziehungen in die Region insgesamt ausgeht. Die deutschen Investitionen im Iran waren bereits nach der Aufkündigung des Atomabkommens empfindlich eingebrochen.

 

Auch ist der BRD-Imperialismus über seine Waffenexporte an das saudische Regime selbst indirekt am Krieg im Jemen beteiligt. Erst im April hat der Bundessicherheitsrat erneuten Lieferungen in die Region zugestimmt. Kurz der Lockerung des nach der Ermordung des saudischen Regimegegners Jamal Khashoggi zeitweilig verhängten Exportstopps erhalten unter anderem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wieder deutsche Rüstungsgüter. Beide Länder sind am Jemen-Krieg beteiligt. 

Weitere Eskalation am Persischen Golf droht

Die aktuellen Angriffe können eine weitere Eskalation der kriegerischen Auseinandersetzungen nach sich ziehen. Entweder zwischen Saudi-Arabien und dem Iran oder auch ausgehend von den USA, die den neuimperialistischen Iran in die Knie zwingen wollen, um die Machtverhältnisse in der Golfregion ihrem Sinne neu zu ordnen.

 

Die aktuellen Brände in Saudi-Arabien haben auch katastrophale Folgen für die Umwelt. Der Protest gegen die Folgen der imperialistischen Kriegsführung auf die natürliche Umwelt ist ein wichtiges Anliegen, das MLPD und REBELL in die Fridays-for-Future-Bewegung und den gemeinsamen Protest- und Streiktag der Arbeiter- und Umweltbewegung am kommenden Freitag, 20. September, einbringen.

Neue Friedensbewegung stärken

Die aktuelle Entwicklung im Kriegsbrandherd Naher und Mittlerer Osten macht deutlich, wie wichtig es ist, eine neue Friedensbewegung weiter aufzubauen und zu stärken, die sich gegen alle imperialistischen Mächte richtet. Sie braucht auch den engen Zusammenschluss mit der Arbeiter- und Umweltbewegung. 

 

Die Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR) setzt sich zusammen mit dem Internationalen Kampfbund der Völker (ILPS) und weiteren Kräften für den Aufbau einer internationalen antiimperialistischen und antifaschistischen Einheitsfront - als mächtige Kraft im Kampf für den Weltfrieden - ein.

 

Die MLPD wirbt dabei insbesondere für die sozialistische Alternative als eine Klammer der Arbeiter-, Umwelt- und Friedensbewegung - weil nur so die soziale Frage, die Umweltfrage und die Frage der Überwindung imperialistischer Kriege grundsätzlich gelöst werden können.