Heilbronn

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Gelungener Aufbruch von Fridays for Future

Mehr als 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte die bisher größte FFF-Demo in Heilbronn

Korrespondenz
Gelungener Aufbruch von Fridays for Future
Audi-Delegationen mit dabei (rf-foto)

Bei strahlender Sonne demonstrierten jung und alt gemeinsam durch Heilbronn, davon gut zwei Drittel Jugendliche. Ganze Schulklassen kamen mit selbstgemalten Schildern. So hatten stolze Siebtklässler bereits gemeinsam mit ihrer Lehrerin Parolen eingeübt, welche sie dann professionell und lautstark im Demozug zur Geltung brachten.

 

Beeindruckend war für viele Passanten der lange bunte Demozug, manche reihten sich gleich ein. Umweltorganisationen wie der BUND begleiteten mit dem Läuten einer Riesenkuhglocke den Zug. Eine Bürgerinitiative verband ihre Teilnahme mit dem Protest gegen die Erweiterung des Gerüstbauers Layher in Güglingen. Sie hatten ein großes Foto mit der damit verbundenen Versiegelung des Bodens dabei. Ein Blickfang war das Transparent der Automotive Workers for Future mit Kollegen von Audi. Daneben wehten die Fahne des Jugendverband REBELL und der MLPD, welche einen attraktiven Bücherwagen mitführte. Das weckte bei nicht wenigen Interesse und Fragen wie: „Was wollt ihr?“; „Was ist euer Ziel?“, welches umgehend meist zufriedenstellend beantwortet beantwortet werden konnte.

 

Tagesaktuell verteilt wurden über 250 der neuen FFF-Flyer der MLPD. Das selbstbewusste Auftreten der MLPD und des REBELL stellte sich bewusst gegen Festlegungen des sogenannten „Orga-Teams“, dass keine Parteifahnen getragen und keine Eigenwerbung erlaubt sei. Diese undemokratischen Beschlüsse konnten sie aber in der Praxis nicht durchsetzen. Bei der Masse der Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer und selbst bei der Mehrheit ihrer Ordner war dafür zudem kein Boden vorhanden. So wurde in der Praxis das Recht erstritten, während die Reglementierung blieb, dass keine Parteienvertreter als Redner sprechen dürfen. Mit Kollegen der Linkspartei und Grünen muss aber im weiteren darüber gesprochen werden, warum sie ihre mitgebrachten Fahnen nicht entrollten.

 

Eine große Delegation von ver.di-Kolleginnen und -Kollegen, darunter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Personalrätekonferenz, sowie leider nur wenige Audi-Kolleginnen und -Kollegen und IG-Metallerinnen und IG-Metaller kamen zur Demo. Katharina Kaupp, die zukünftige Bezirksvorsitzende von ver.di, sowie der Audi-Kollege Rudi ergriffen bei der Abschlusskundgebung mutig das Wort. Beide sprachen sich für den Schulterschluss von Arbeiter- und Umweltbewegung aus. Rudi forderte die Bestrafung der Verantwortlichen des Diesel-Abgasbetrug, welcher die Diskussion um den Übergang in eine Klimakatastrophe mit ausgelöst hatte.

 

Dass die Politiker und Parteien, die schon 30 Jahre Zeit gehabt hätten etwas in der Klimapolitik zu ändern, das jetzt mit einer Presseerklärung machen, stellte er ebenso infrage wie die Hoffnung dass von diesen letztlich irgendetwas konstruktives zu erwarten sei. Nur der breite Zusammenschluss und Widerstand von Arbeiter- und Umweltbewegung gemeinsam führt zu Veränderungen.

 

Die örtliche IG Metall hatte die Vertrauensleute und Mitglieder zur Beteiligung an der Demo aufgerufen, selber waren ihre Spitzenfunktionäre aber bei der Demo nicht zu finden. 

 

Ein großes Transparent von Schülerinnen und Schülern für eine Verkehrswende drückte das dringende Anliegen der Jugend aus, Zukunftskonzepte zu entwickeln. Wir brauchen keine SUVs war eine Meinung, aber auch das zunehmende Verkehrschaos mit Staus und dem Argument Rohstoffverschwendung, unmenschliche und Umwelt zerstörenden Ausbeutung seltener Rohstoffe in Afrika. Es war deutlich zu merken, dass sie sich in der Schule bereits gründlich mit dieser Problematik auseinandergesetzt hatten.

 

Schon bei der Demo, als auch mehrmals bei der Abschlusskundgebung, schallten kapitalismuskritische Parolen und „Hoch die internationale Solidarität“ durch die Straßen. In einem umfassenden Beitrag eines afrikanischen Kollegen in englischer Sprache zeigte dieser auf, wie sich die Klimaveränderungen in Afrika auf die Menschen auswirkten, welche - ihrer Lebensgrundlagen entzogen - keinen Ausweg mehr wissen, als die Auswanderung und Flucht. Deutlich wurde neben der Kritik am Kapitalismus, welche sich selbst durch Beiträge mit humanistischem und religiösem Ansatz durchzogen, dass der Zusammenhang zur Profitwirtschaft und den Ursachen für die weltweite Fluchtbewegung und Kriegsgefahr immer wieder greifbar war.

 

Zuversichtlich und stolz erklärten die Organisatoren von FFF angesichts der großen Beteiligung und Unterstützung von FFF: „Heute war ein Aufbruch, wir machen weiter bis sich was verändert“. Bei den nächsten FFF-Demos sind natürlich wieder dabei.