Bergbau

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Streik der peruanischen Bergarbeiter ausgesetzt – aber nicht beendet

Auf einer Pressekonferenz am Montag, 16. September, hat der Gewerkschaftsvorstand der peruanischen Berg-, Metall- und Stahlarbeitergewerkschaft die Aussetzung des landesweiten Streiks der Bergleute begründet und ihre Forderung nach Verhandlungen über einen Branchentarifvertrag bekräftigt.

Von gp / ab
Streik der peruanischen Bergarbeiter ausgesetzt – aber nicht beendet
Bild vom ersten Streiktag

Der Tarifvertrag soll auch für die Leiharbeiter gelten, die rund 70 Prozent der peruanischen Bergarbeiter ausmachen. Damit richten sich Forderungen und Streik der Bergleute auch gegen die von Präsident Martín Vizcarra mit Teilen rechter Gewerkschaftsführungen vereinbarte Arbeitsrechts-“Reform“.

 

Zur Aussetzung des Streiks sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jorge Juárez der Presse: „Wir wollen noch einmal zeigen, dass wir reden wollen und dass die Dinge nicht so sind, wie es die Medien darstellen. Der Streik wird für eine Woche ausgesetzt. Wir hoffen, dass das Arbeitsministerium diese Woche die Vertreter der Bergbaubetriebe einladen wird und sie endlich unsere Forderungen akzeptieren werden. Geschieht dies nicht, werden wir unsere Kampfmaßnahmen fortsetzen, da dies der einzige Weg ist, unsere Rechte zu durchzusetzen.“

 

Man muss dazu auch wissen, dass die Regierung in Peru einen Streik nach drei Tagen verbieten kann. Auch das hat bei der Entscheidung zur Aussetzung des Streiks eine Rolle gespielt.

Streik der Bergleute in Medien teilweise verzerrt und kriminalisiert

Jorge Juárez kritisierte einen Teil der Medien, der bewusst auf Seiten der Bergbauunternehmer steht und die Forderungen und den Streik der Bergleute verzerrt und kriminalisiert. Ein Ausschuss des peruanischen Kongresses hat am Montag eine Erklärung gegen den Protest der Bergleute im Kongress genauso verabschiedet, wie die Unterstützung einiger Abgeordneter der Frente Amplio. Dazu Jorge Juárez: „Die Ethikkommission des Kongresses hat nicht das moralische Recht, die Bergleute und die Menschen, die sie unterstützen, zu beurteilen.“

 

Auf der Pressekonferenz ging Jorge Juárez auch noch einmal mal auf die willkürliche Verhaftung von 17 Personen durch die Polizei ein. Unter den Verhafteten waren auch drei Frauen des Marsa-Minen-Frauenkomitees und eine Journalistin der Gewerkschaft. Die Abordnung der Gewerkschaft im Arbeitsministerium protestierte in Anwesenheit der Arbeitsministerin, eines Staatsanwalts und Abgeordneter der Frente Amplio gegen den Unternehmerverband, der nicht zu den Verhandlungen erschienen war.

Ein regelrechter Hinterhalt

Als man sich geeinigt hatte, sich am 13. September erneut im Arbeitsministerium zu treffen, wollte die Delegation das Ministerium verlassen. Das Ministerium wurde von Hunderten massiv hochgerüsteten Polizisten verbarrikadiert – davor protestierten Hunderte Bergleute. Die eingeladene Delegation der kämpferischen Gewerkschaften wurde genötigt, zum Hinterausgang zu gehen und wurde dort festgenommen. Ein regelrechter Hinterhalt.

 

Es gab dafür keinerlei rechtliche Grundlage. Es ist wohl dem öffentlichen Druck und der internationalen Solidarität zu verdanken, dass die Verhafteten am zweiten Tag wieder freigelassen wurden. Auch der Gewerkschaftsdachverband CGTP verurteilte die Verhaftung und forderte die Aufnahme der Verhandlungen durch den Dachverband der Bergbauunternehmer SNMPE (Sociedad Nacional de Minería del Perú).

"Wir müssen die Dinge ändern"

Am 17. September hatte das Arbeitsministerium erneut einen Termin für die Verhandlungen angesetzt – der Dachverband der Unternehmer erklärte aber, dass er nicht befugt sei, über Tarife zu verhandeln, das könnten nur die Vertretungen der einzelnen Bergwerke.

 

Jorge Juárez griff die Regierung an, die nur die Interessen der Unternehmer vertritt. „Wir müssen erkennen, wer diejenigen sind, die den gesamten Reichtum einnehmen und wir müssen die Dinge ändern.“

Streik der bäuerlichen Bevölkerung in Tia Maria

Zugleich entwickelt sich neuerlicher Massenprotest in der Bergbaustadt Arequipa gegen eine geplante und immer wieder gestoppte riesige Kupfermine namens Tia Maria. Die bäuerliche Bevölkerung begann mit einem 48-stündigen Streik, weil sie befürchtet, ihre landwirtschaftlichen Flächen und die Wasserzufuhr würden dadurch zerstört. Zugleich solidarisierten sie sich mit den Bergleuten.

 

Rote Fahne News wird die Berichterstattung fortsetzen und bittet um weitere Solidaritätserklärungen.