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Umweltkampftag international: Aktionen rund um den Globus

Auf allen Kontinenten gingen am vergangenen Freitag, 20. September, Hunderttausende gegen die Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur durch die kapitalistische Profitwirtschaft auf die Straße.

Korrespondenzen und Berichte
Umweltkampftag international: Aktionen rund um den Globus
Kreativer Protest auf den Philippinen

Paris: In Paris nahmen über 5.000 Schülerinnen und Schüler am Umweltaktionstag teil und 25.000 überwiegend junge Leute marschierten am Tag danach „Für soziale - und Klimagerechtigkeit“. In ganz Frankreich waren es 150.000 Demonstrantinnen und Demonstranten. Stimmung, Musik und viele ideenreiche Plakate und Verkleidungen zeichneten die Schülerdemonstration aus. Die anschließenden Workshops unter freiem Himmel waren dann von großer Ernsthaftigkeit geprägt.

 

Viele und manchmal hitzige Diskussionen auch um den Büchertisch der UPML (Union Prolétarienne Marxiste-Leniniste) mit offenem Mikrofon gab es am Samstag, 21. September. Gleich mehrere Demonstrationen fanden an diesem Tag statt: gegen neue Angriffe auf die Renten, der Klimamarsch und – nicht zuletzt – die in Folge 45. Demonstration der Gelbwesten!

 

Schon Tage vorher warnten Medien vor Ausschreitungen und versuchten einzuschüchtern – ganz im Sinne von Macron. Tausende Polizisten waren mobilisiert und das Demonstrationsrecht wird faktisch weiter beschnitten. Sobald man eine Gelbweste trug, kam man durch die Kontrollen kaum durch. Provokationen und Tränengaseinsatz in mehreren Stadtvierteln. Auch der Klimamarsch wurde so nach etwa einer Stunde aufgelöst und Demonstrantengruppen zogen überall durch die Stadt, um sich Stunden später wieder zusammenfinden und weiterzumarschieren.

 

Erfreulicherweise schlossen sich viele Gelbwesten nach ihrem „Acte 45“ ebenfalls dem Klimamarsch an. Ihr Slogan: „Fin du monde, fin du mois – même combat“ („Ende der Welt oder Monatsende – ein- und derselbe Kampf“). Damit prangern sie die Regierung Macron und weiter auch die Profitwirtschaft an. Auf dem Klimamarsch waren antikapitalistische Positionen stark vertreten. Interessiert wurde unser Flugblatt genommen, sich über die Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR) und die UPML informiert und am offenen Mikrofon zugehört. 

 

Die Werbung für das Buch „Katastrophenalarm!“ (das viele interessierte) und die Einladung zu unserer Gesprächsrunde standen im Mittelpunkt. Die zunehmende Suche nach einer gesellschaftlichen Alternative konnte man mit Händen greifen! Es gab recht häufig Zustimmung zu unserem Ziel einer sozialistischen Gesellschaft.

 

Philippinen: Ca. 600 Fachhochschulstudenten und -studentinnen versammelten sich am 20. September im Amphittheater der Diliman-Universität der Philippinen in der Stadt Quezon. Es handelte sich dabei um ein Umweltgruppenbündnis von 350 Organisationen, Jugendorganisationen, Agham-Jugend (Agham = fortschrittliche Vereinigung von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen), Sarubuhay und dem Umweltnetzwerk Kalikasan.

 

Die Protestierenden beleuchteten die Verletzlichkeit der philippinischen Gemeinden durch Mega-Staudammprojekte und den zerstörerischen Übertagebergbau. Kalikasan hat den Präsident Duterte dazu aufgefordert, den Klimanotstand zu erklären. (Quelle: Bulatlat, 22.09.2019, fortschrittliches Online-Magazin)

 

USA: In allen 50 Staaten gab es Demonstrationen und Aktionen. Die größte fand in New York City mit 250.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Sie demonstrierten zur UNO. Die 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler der Stadt bekamen schulfrei, wenn die Eltern sie entschuldigten. Greta Thunberg sprach auf der Kundgebung: "Unser Haus brennt ... Die Zukunft wird uns gestohlen für den Profit ... Wenn Sie zu der kleinen Gruppe von Menschen gehören, die sich von uns bedroht fühlen, dann habe ich sehr schlechte Nachrichten für Sie, denn das hier ist nur der Anfang. Es wird Veränderungen geben, ob Sie es mögen oder nicht ...".

 

In der Amazon-Zentrale in Seattle kam es am Freitag, 20. September, zu einem Streik von Hunderten Beschäftigten. Sie forderten von der Geschäftsleitung mehr Maßnahmen zum Klimaschutz. Sie hatten bereits letzte Woche erreicht, dass Amazon 100.000 E-Lieferwagen bestellt. Sie forderten, dass Amazon aufhört, fossile Brennstoff-Unternehmen zu unterstützen und keine Spenden an Politiker und Gruppen gibt, die sich weigern, Maßnahmen zum Klimaschutz zu unterstützen. In Houston, Texas, einer vom Hurrikan betroffenen Stadt, wurde ein Transparent getragen: "Unsere Straßen werden geflutet, deshalb fluten wir die Straßen". In San Francisco waren Zehntausende auf der Straße.

 

Russland: Auch aus Russland haben wir einen Bericht bekommen. "Die Klimaschutzbewegung kommt auch in Russland ins Rollen. Aber nur langsam, was am restriktiven Demonstrationsrecht liegt. Wer wie hier in Sankt Petersburg für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen will, darf das nur auf diesem eingezäunten Platz zu Füßen des einstigen Revolutionsführers Lenin. Noch ist es menschenleer, doch in Kürze soll hier eine von der Stadt genehmigte Demo beginnen. Zum 20. September haben Umweltaktivisten in etlichen Städten (mindestens 16) größere Demos angemeldet.