Leserbrief von Stefan Engel

Leserbrief von Stefan Engel

"Als Tiger gesprungen, als Schoßhund gelandet"

Der folgende Leserbrief von Stefan Engel wurde in der heutigen Ausgabe der "Frankfurter Rundschau" abgedruckt:

Von Stefan Engel
"Als Tiger gesprungen, als Schoßhund gelandet"
Stefan Engel (rf-foto)

Die Bundesregierung ist mit ihrem Klimapaket als Tiger gesprungen und als harmloses Schoßhündchen auf dem Bettvorlerger der herrschenden Monopole gelandet. Sie ist äußerst bemüht, nicht die herrschenden Monopole als Hauptverursacher der fortschreitenden Umweltkrise an den Pranger zu stellen und stattdessen die ganze Bevölkerung in Haft zu nehmen.

 

Die Umweltkrise besteht übrigens nicht nur in der Klimakatastrophe, sondern im drohenden Kippen der Weltmeere, dem Verschwinden der Meeresströme, dem wachsenden Ozonloch, dem Vernichten der tropischen Regenwälder, der atomaren Verseuchung der Welt durch Atomkraftwerke; in der wahnsinnigen Vermüllung des Erdballs in Verbindung mit der Verschwendung von Rohstoffen  und nicht zuletzt dem Artensterben, als Vorstufe einer allgemeinen Umweltkatastrophe, die menschliches Leben überhaupt unmöglich macht.

 

"Fridays for Future" will ein Überleben der Menschheit. Das Klimapaket der Bundesregierung ist nichts anderes, als die Lasten des Umweltschutzes über Preise und Steuern auf die breiten Massen abzuwälzen, während sie dem Finanzkapital mit ihrer CO2-Bepreisung ein neues hochspekulatives Geschäftsmodell serviert.

 

Es ist noch nicht lange her, dass der Handel mit den Verschmutzungsrechten vollständig gescheitert ist und keinerlei Auswirkungen auf die zunehmende Produktion von Treibhausgasen erwirkt hat.

 

Wo bleibt der sofortige Stopp der Importkohle und ihrer Verbrennung, die keinerlei Arbeitsplätze in Deutschland kosten würde? Wo bleibt die sofortige drastische Einschränkung der Produktion von Plastikprodukten? Wo bleibt der Übergang zu einer umweltschonenden und rohstoffsparenden Kreislaufwirtschaft? Wo bleiben Maßnahmen der herrschenden gegen Raubbau an Luft, Wasser, Flora und Fauna?

 

Dazu wäre ein regelrechter Paradigmenwechsel notwendig, von dem die Bundesregierung aber nichts wissen will. Hauptsache, es tut den Mächtigen in der Wirtschaft nicht weh. Es ist offensichtlich, dass ein "System Change" notwendig ist, um einen solchen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Das Klimapaket der Regierung ist aber eine regelrechte Provokation der Umweltbewegung und muss entschieden zurückgewiesen werden.