Stuttgart

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Weitere rücksichtslose nächtliche Abschiebung

Wieder schlägt das Karlsruher Regierungspräsidium zu, berühmt berüchtigt durch sein „Wirken“ im Fall Alassa Mfouapon - ein für alle Beteiligten furchtbares Ereignis! ...

Korrespondenz aus Stuttgart

Eine weitere, rücksichtslos brutale Abschiebung im grün-schwarzen Stuttgart. In einer knappen Stunde wird der Flüchtlingsfamilie ihre jahrelange Integrationsanstrengung zerschlagen, zerschlagen in einem Deutschland, wo wieder Menschen deportiert werden:

 

Freitag, 27.September 2019, 3.11 Uhr(!) nachts werde ich durch einen Anruf geweckt: Qemal I.*, 15, Schüler der Stuttgart-Wangener Grund- und Hauptschule. Er berichtete angstvoll, die Polizei stehe in der Wohnung in Stuttgart-Wangen und will die Familie – es sind Roma, geflüchtet aus Nordmazedonien, laut Gesetz „sicheres Herkunftsland“, abschieben.

Krankheit des Vaters? Interessiert die abschiebenden Polizisten nicht!

Ich fahre sofort hin! Ich alarmierte noch eine weitere langjährige Unterstützerin. Ich habe die Polizei aufgefordert, die Aktion zu unterlassen, da Qemals Vater vor kurzem mit einer Herzattacke im Krankenhaus war. Antwort der Polizei: „Wenn der Herr nicht reisefähig ist, werden die anderen trotzdem abgeschoben!“

 

Die vier Polizisten lasen sich auf nichts ein, erklären, dass sie den Auftrag hätten, die Familie zur „Abschiebegruppe“ nach Ludwigsburg zu bringen. Sie bemühten sich immerhin um ein nach außen hin korrektes Auftreten ...

Fast alles bleibt zurück

Die Mutter - am Boden zerstört und völlig aufgelöst! Ist sie überhaupt reisefähig? Es interessierte nicht. Die kleine neunjährige Tochter weinte bitterlich. Sie hat seit wenigen Tagen eine kleine Katze, die sie zurücklassen muss. Da die Katze andernfalls ins Tierheim gebracht wird, hat eine Unterstützerin sie zunächst zu sich genommen ...

Abschiebung gegen 4.15 Uhr

Die Polizei behauptete gegenüber uns Unterstützern, sie habe für die Familie bei der „Abschiebegruppe“ angerufen, dass sich dort der dazu gehörende Arzt um die Familie kümmern solle. Alles Diskutieren half nichts. Gegen 4.15 Uhr müssen alle vier in die Polizeiwagen und werden weggebracht.

Familie war voll integriert

Wir haben dann morgens den Arbeitgeber der Eltern - ein Supermarkt in Stuttgart-Wangen - und die Wilhelm-Schule unterrichtet, was geschehen ist. Familie I. hatte eine Wohnung, die Eltern hatten seit über einem Jahr Arbeit, zahlten Steuern und Sozialbeiträge, haben 0,00 Euro Sozialhilfe bekommen, die Kinder gehen zur Schule. Die Familie ist integriert und bekannt bei zahlreichen Freundinnen, Freunden, Unterstüzterinnen und Unterstützern ...

Familie steht in Nordmazedonien vor dem Nichts

Inzwischen ist es gelungen, mit der Familie über WhatsApp Kontakt zu bekommen. Der Junge berichtet, dass die Familie entgegen den Aussagen der Polizei keinerlei ärztlichen Kontakt mehr bekam. In dem Flugzeug nach Nordmazedonien seien zahlreiche lange in Deutschland ansässige, teils gut integrierte, arbeitende Menschen abgeschoben worden.

 

Qemal fordert für seine Familie, dass Ausweisung und Abschiebung rückgängig gemacht werden! Die Familie ist zur Zeit notdürftigst bei Verwandten in einem nordmazedonischen Dorf untergekommen. Sie und auch die Verwandten sind arm. Die Familie besitzt weder nennenswerte Geldmittel noch irgendein Haus oder eine Wohnung. Sie kann wieder dort landen, von wo sie vor zirka fünf Jahren mit ihren damals noch kleinen Kindern floh: auf der Straße in Nordmazedonien. ... Integration life in Deutschland: im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg immer wieder ein Fremdwort!