Türkei

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Bergleute von Soma protestieren mit Sit-in

Seit fünf Jahren schon warten die 3500 Bergarbeiter, die nach dem Grubenunglück in Soma kalt lächelnd in die Wüste geschickt wurden, auf ihre Entschädigungs- und Rentenzahlungen.

Korrespondenz aus Essen
Bergleute von Soma protestieren mit Sit-in
(foto: Bağımsız Maden-İş)

Jetzt reicht es ihnen. Unter Führung der Gewerkschaft der Bergleute Bağımsız Maden-İş fassten sie den Beschluss, einen Protestmarsch zum knapp 600 Kilometer entfernten Ankara zu beginnen, bis sie die ausstehenden Zahlungen erhalten würden. Der Landrat von Soma verbot am 30. September den Marsch. Die Gewerkschaft erwirkte beim Verwaltungsgericht Manisa I eine einstweilige Verfügung, die die Maßnahme des Landrats für rechtswidrig erklärte.

"Hört uns jemand"

Daraufhin brachen die Bergleute am 5. Oktober von Soma zu ihrem Protestmarsch auf. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift: „Hört uns jemand? Die Bosse haben uns beklaut, die gelbe Gewerkschaft hat uns verraten und verkauft, die T.K.İ. (das staatliche Kohlebergbau-Unternehmen) hat passiv zugeschaut, die Gerichte nicht hingesehen, die Politik nicht zugehört.“

 

Aber der Landrat - wie sich die Bilder gleichen - ignorierte den Gerichtsentscheid einfach und ließ durch die Gendarmerie des Kreises Kırkağaç den Marsch stoppen; die Kumpel beantworteten diese Unterdrückungsmaßnahme am gestrigen 6. Oktober mit einem Sit-in.

 

Beim Unglück in Soma kamen am 13. Mai 2014 mindestens 301 Bergleute ums Leben. 486 Kumpel überlebten die Katastrophe.