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24. Gewerkschaftstag der IG Metall - welche Art von Gewerkschaftsarbeit wird heute gebraucht?

In Nürnberg findet vom 6. bis 12. Oktober der 24. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall unter dem Motto „Miteinander für morgen – solidarisch und gerecht” statt.

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24. Gewerkschaftstag der IG Metall - welche Art von Gewerkschaftsarbeit wird heute gebraucht?
Die Mitglieder bei der Abstimmung (foto: Frank Rumpenhorst / IG Metall)

483 gewählte Delegierte aus ganz Deutschland diskutieren auf dem 24. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg wichtige Themen der Arbeiter- und Gewerkschaftbewegung in einer sich verändernden weltweiten Situation. In der IG Metall sind ca. 2,3 Millionen Mitglieder organisiert. Dem Kongress liegen insgesamt 793 Anträge vor. Nach der Eröffnungsfeier am Sonntag, den 6. Oktober, wurde am Montag, 7. Oktober, die Konstituierung beschlossen, der Geschäftsbericht des Vorstandes wurde vorgetragen und diskutiert. 

Kritik an Klassenzusammenarbeitspolitik

Heute Nachmittag, wurde der IG-Metall-Vorstand gewählt und auch der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann wurde bestätigt. Allerdings spiegelt sich in seinem Wahlergebnis von 71 Prozent (2015 waren es noch 91,3 Prozent) auch die Kritik am Kurs der Klassenzusammenarbeit wider. Hofmann verteidigte allen Ernstes ein zwischenzeitliches Verhandlungsergebnis mit den Kapitalisten, das vorsah die 35-Stunden-Woche, die in den westdeutschen Bundesländern seit 1990 gilt, in den östlichen Ländern stufenweise bis 2030, also in mehr als zehn Jahren einzuführen. Aber selbst das war den Unternehmen noch zu weitgehend und sie ließen kurz vor dem Gewerkschaftstag die Verhandlungen provokativ platzen.

"Klare Kante" gegen die Rechtsentwicklung

Die Mitglieder der IG Metall erwarten eine „klare Kante“ gegen die Rechtsentwicklung der Regierung und gegen eine sich abzeichnende Politik der Abwälzung der Krisenlasten; Applaus gab es als die zweite Vorsitzende Christiane Brenner berichtete, dass die IG Metall auch "bei Mitgliedern ohne deutschen Pass, darunter etliche geflüchtete Kolleginnen und Kollegen" wachse.

MLPD? Das interessiert mich.

„Wir verteilten das Grußwort der MLPD-Vorsitzenden Gabi Fechtner an den Gewerkschaftstag in einer Auflage von 200 Stück, und die Erklärung gegen die Unvereinbarkeitsbeschlüsse ‚Verteidigt und stärkt die IG Metall als Einheitsgewerkschaft‘. Dazu verkauften wir etliche Nummern des Rote Fahne Magazins 19/2019: ‚Gewerkschaften – Co-Manager oder Kampforganisationen?‘

 

Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer - vor allem aus Großbetrieben in Baden-Württemberg kannten die MLPD vom Betrieb. Einige, vor allem Hauptamtliche und Betriebsratsvorsitzede, lehnten ab: ‚Von der MLPD nehmen wir nichts‘. Andere waren interessiert.

 

‚Jetzt interessiert mich doch was die MLPD vertritt‘, erklärte eine Kollegin aus Nordeutschland und kaufte das Rote Fahne Magazin. Viele stimmten zu, dass die Gewerkschaften Kampforganisation sein müssen. Aber wie soll man etwas durchsetzen, da gab es Bedenken. Ein Kollege aus Zwickau fand die Einheit der Arbeiterinnen und Arbeiter in Ost und West mit einheitlichen Tarifverträgen besonders wichtig.

 

Der Losung: ‚Wir brauchen Arbeitsplätze und Umweltschutz auf Kosten der Profite‘ stimmten etliche zu, aber wie durchsetzen? Andere verteidigten das ‚Klimapaket‘ der Bundesregierung."

Welche Art von Gewerkschaftsarbeit wird gebraucht

Im Grußwort der MLPD an den Gewerkschaftstag 2019 heißt es, dass „die Rechtsentwicklung von Regierung und den bürgerlichen Parteien, aber auch die allseitige Verschärfung der krisenhaften Entwicklung des imperialistischen Weltsystems sowie aktuell der offensichtliche Beginn einer neuen Wirtschaftskrise“ einen „Richtungskampf [hervorruft], „welche Art von Gewerkschaftsarbeit heute gebraucht wird...“ Es ist zu begrüßen, dass in der Tarifrunde 2018 der 24-stündige Warnstreik durchgeführt wurde und die IG Metall ihre Muskeln als Kampforganisation zeigen konnte.

 

In ihrem Grußwort schlägt die MLPD vor: "Im Zuge der eingeleiteten Strukturkrisen durch Einführung von E-Mobilität und Digitalisierung wollen die Konzerne Zehntausende Arbeitsplätze in der Automobilindustrie vernichten. Leiharbeiter wurden und werden bereits in großem Ausmaß entlassen, erste Lehrwerkstätten stillschweigend 'abgewickelt' und die Schließung ganzer Werke – besonders in der Zulieferindustrie – steht bevor. Statt „Standort-Verzichtsverträge“ zu akzeptieren oder uns in Konkurrenz zu Belegschaften in anderen Ländern treiben zu lassen, gilt es gemeinsam, national und international solidarisch zusammenzustehen und zu kämpfen! Dabei ist die Forderung in euren Anträgen nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die die MLPD als erste Partei vor vielen Jahren aufstellte, von besonderer Bedeutung. Dieser Kampf muss in ganz Deutschland geführt werden und wir treten für einheitliche Tarifverträge in ganz Deutschland ein, für die Arbeitereinheit in Ost und West.

 

Gegen die üble Propaganda, Umweltschützer seien Verursacher der Arbeitsplatzvernichtung, müssen wir Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte uns an die Spitze des Umweltkampfs stellen, den Kampf für Arbeitsplätze und Umweltschutz führen und die Konzerne als Hauptverursacher ins Visier nehmen!"

 

In den Gesprächen beim Verteilen des Grußworts sagten Kolleginnen und Kollegen teilweise auch gleich: "MLPD – ihr kommt bestimmt wegen den Unvereinbarkeitsbeschlüssen". Sie wollen sich das im Grußwort durchlesen. Ein Teilnehmer von der Presse kannte die Anträge dazu: "Ich bin kein Sympathisant der MLPD, aber die Unvereinbarkeitsbeschlüsse müssen weg. Das ist wie die Berufsverbote." Eine ganze Reihe von Kollegen stimmte in Gesprächen zu, dass die Unvereinbarkeitsbeschlüsse der Gewerkschaft schaden und dass die Diskussion um den Sozialismus in die Gewerkschaften gehört.

 

Das sehen maßgebliche Vorstände offensichtlich anders. Mit der Begründung der Unvereinbarkeitsbeschlüsse wurde dem Rote Fahne-Redakteur Gerd Pfisterer zweimal die Akkreditierung verweigert. Gerd Pfisterer war einer der Streikführer des Stahlarbeiterstreiks von Rheinhausen 1987. Ihm wurde der Zugang von Frau Gier, Verantwortliche beim IG-Metall-Vorstand, versagt. Jedes bürgerliche und großbürgerliche Blatt ist diesen Leuten willkommen und darf über die Gewerkschaft herziehen. Aber das revolutionäre Arbeitermagazin muss draußen bleiben - anders als zum Beispiel beim vor kurzem zu Ende gegangenen ver.di-Gewerkschaftstag. Willkommen ist am morgigen Mittwoch bei Frau  Gier auch Angela Merkel, die in ihrem Leben sicher noch kein einziges Gewerkschaftsmitglied gewonnen hat - im Gegensatz zu den Mitglieder der MLPD.

Die Reihen enger schließen

Der Gewerkschaftstag ist eine gute Gelegenheit die antikommunistischen Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen die MLPD endlich abzuschaffen, was schon die Intention und Beschlusslage mehrerer Gewerkschaftstage der Vergangenheit war. In den bewegten Zeiten gilt es umso dringender die Arbeiterreihen enger zu schließen. Die Rote Fahne wünscht den Delegierten bei ihren Beratungen viel Erfolg, Beschlüsse im Interesse der Metallerinnen und Metaller und eine demokratische Streitkultur.