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Shell-Jugendstudie bestätigt wachsende Politisierung der Jugend

41 Prozent der befragten Jugendlichen sagen laut der gestern, 15. Oktober, veröffentlichten neuen Shell-Jugendstudie von sich, „politisch stark interessiert“ oder „politisch interessiert“ zu sein.

Von MLPD-Landesleitung Nord
Shell-Jugendstudie bestätigt wachsende Politisierung der Jugend
Die Jugend ist - wie hier bei Fridays for Future in Krefeld - ganz vorne mit dabei (rf-foto)

Zwar lag der Wert bei der letzten Umfrage mit 43 Prozent geringfügig höher, allerdings verschieben sich die Schwerpunkte des politischen Interesses und die Unterstützung politischer Aktivitäten nimmt zu. Dazu Studienleiter Mathias Albert von der Universität Bielefeld: „Auch viele Jugendliche, die nicht demonstrieren, unterstützen die Fridays-for-Future-Bewegung.“ Mädchen und junge Frauen sind in dieser Bewegung Vorreiterinnen.

 

Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD) stellte die neue Jugendstudie mit dem Titel „Eine Generation meldet sich zu Wort“ gestern vor. Die Studien befragen alle vier bis fünf Jahre rund 2500 Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren und werden vom Ölkonzern Shell finanziert.

 

Ein weiteres Ergebnis der aktuellen Befragungen ist, dass die Umweltverschmutzung erstmals als das "größte Problem unserer Zeit" benannt wird (von 71 Prozent der Befragten). Damit liegt dieses Thema noch vor "Terroranschlägen" (66 Prozent) - letztes Mal noch auf Platz eins der Sorgen und Ängste der Jugendlichen - und dem "Klimawandel" (56 Prozent).

"Weltoffenste Generation"

Die Studie hebt hervor, dass die junge Generation heute "die toleranteste und weltoffenste" sei, "die es in Deutschland je gab“. Vorbehalte gegenüber bestimmten ethnischen oder sozialen Gruppen gingen deutlich zurück. Einen Hauptgrund sehen die Autoren der Shell-Studie im wachsenden Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und darin, dass mehr als die Hälfte dieser Jugendlichen (51 Prozent) in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

 

Nicht erklären können sich die Macher der Studie den Widerspruch zwischen der "starken Artikulation politischer Interessen" und der angeblichen "Politikverdrossenheit" derer, die sich als "nicht politisch interessiert" bezeichnen. Es ist aber gerade die "Verdrossenheit" über den bürgerlichen Politikbetrieb, die bewirkt, dass immer mehr Jugendliche gegen diese Art von Politik rebellieren. Es ist ihre wachsende Empörung über die sich verschärfenden Klassenwidersprüche, über die reaktionäre Flüchtlingspolitik und die an den Profitinteressen der internationalen Monopolen orientierte Umweltpolitik, die sie dazu bringt, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.

"Geteilte Generation"?

Allerdings wirkt auch unter der Jugend die gesellschaftliche Polarisierung. Die Autoren der Shell-Studie missdeuten dies als Bild einer „geteilten Generation“ und verkennen die Hauptseite des fortschrittlichen Stimmungsumschwungs gerade unter der Jugend. Völlig berechtigte Kritiken werden in der Studie als „populistisch“ diffamiert. So etwa die Tatsache, dass 71 Prozent der Aussage zustimmen: „Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken.“

 

Die vorgegebenen Aussagen, denen die Befragten zustimmen konnten oder auch nicht, verzerren allerdings auch ein realistisches, differenziertes Meinungsbild und sind selbst manipulativ. Bewusst wird in solchen Vorgaben kein Unterschied zwischen bürgerlichen Politikern und neuen Politikern gemacht, die mit den kämpferischen Massenbewegungen eng verbunden sind und für eine revolutionäre Alternative zum Kapitalismus stehen - wie man sie etwa beim Internationalistischen Bündnis oder der MLPD findet.

Anfällig für "Populismus"?

Immerhin kommt die Studie zum Ergebnis, dass nur 9 Prozent aller Befragten "allen angebotenen Populismusthesen" zugestimmt hätten. Zweifellos gibt es auch Jugendliche, die aufgrund ihres niedrigen Klassenbewusstseins auf rassistische und faschistoide Stimmungsmache hereinfallen. Doch sind diese Ergebnisse ebenfalls mit Vorsicht zu genießen, da der bürgerliche "Populismus"-Begriff vom faschistoiden oder rassistischen Wesen der damit gekennzeichneten Ideologie ablenkt und Teile der Massen dafür verantwortlich macht.

 

Entsprechend wird auch die Zustimmung von 68 Prozent der Befragten zur Aussage: „In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden“ in den Medien groß herausgestellt. Diese vorgegebene Aussage macht jedoch keinen Unterschied zwischen allgemeinen Vorbehalten gegen Ausländer und berechtigter Kritik an reaktionärem, kriminellem oder faschistischen Verhalten. Vielmehr leistet sie der Demagogie von AfD oder "Pegida" auf subtile Weise sogar noch Vorschub.

Praktische Avantgarde

Befragungen zu den realen politischen Aktivitäten der Jugendlichen sind in der Studie nicht zu finden. Auch nicht zu ihren Vorstellungen über gesellschaftliche Alternativen. Die Shell-Studie ist vielmehr selbst ein Instrument, für die Herrschenden in Erfahrung zu bringen, wie sich die Politisierung der Jugend mit einer wachsenden Radikalisierung und Zuwendung zu revolutionären Positionen verbindet.

 

Im Unterschied zur metaphysischen Methode der Shell-Studie wendet Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, in ihrem Interview vom 11. Oktober die dialektisch-materialistische Methode an. Sie kommt darin unter anderem zu dem Ergebnis: „Mit der Fridays-for-Future-Bewegung wurde die Jugend zur praktischen Avantgarde im fortschrittlichen Stimmungsumschwung ... Allein in Deutschland gingen am 20. September 1,4 Millionen Menschen auf die Straße.“ (Hier geht es zum Interview mit Gabi Fechtner auf Rote Fahne News!)

 

Die Jugend steht links. Gleichzeitig entfaltet sich natürlich der Kampf um die Denkweise unter der Masse der Jugendlichen. Die MLPD hilft ihnen gemeinsam mit ihrem Jugendverband REBELL, mit der kleinbürgerlich-antikommunistischen, genauso wie mit der kleinbürgerlich-nationalistischen oder -sozialchauvinistischen Denkweise fertigzuwerden. Sie setzt Vertrauen in die Jugend als vorwärtstreibende Kraft der heutigen Kämpfe sowie der zukünftigen gesellschaftsverändernden Kämpfe für den Sozialismus.