MLPD

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Antikommunistische Posse in der "Süddeutschen"

Heute widmet sich ein Artikel von Boris Herrmann in der Print-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" dem Thema „Wahlkampf aus dem Mausoleum“.

wr/ms

Der Autor tut so, als würde er die MLPD als angebliche „Promille-Partei“ mitleidig belächeln. Warum dann der Aufwand für einen solch fetten Artikel kurz vor der Landtagswahl in Thüringen? Doch offensichtlich deshalb, weil die MLPD im Kommen ist. Und so nebenbei verdient Hermann sich damit noch ein gutes Zeilengeld - für wirr zusammengeschriebenen antikommunistischen Unfug.

 
So fällt ihm zu den dem  Wahlplakat der MLPD "Kapitalismuskritik - das Original" mit den Köpfen von Marx und Lenin nur ein, dass Lenin doch seit 95 Jahren tot ist und deshalb nicht mehr aktuell sei. Herrmann - ein Großmeister der Argumentation! Mit der gleichen tiefen Logik könnte er das Christentum gleich miterledigen, da doch Jesus Christus vor fast 2.000 gelebt haben und gestorben sein soll. ... Ob er er selbst daran glaubt, dass er damit die wachsende Kapitalismuskritik unter den Leuten erledigen könnte?

 

Aber mit Inhalten darf man Herrmann nicht kommen; da müsste man sich ja mit auseinandersetzen, wenn man es denn könnte. Stattdessen strotzt der Artikel vor den üblichen, beim "Verfassungsschutz" abgeschriebenen antikommunistischen Stichwörtern - von "Erbdynastie" nach feudalem Muster, Großspenden reicher Erben, „die für die Partei ihr letztes Hemd hergeben“ bis "sektenähnliche Strukturen".

 

Die Erbdynastie dichtet Herrmann der MLPD angesichts der Tatsache an, dass in ihrem Zentralkomitee doch tatsächlich mehrere Personen aus einer Familie tätig sind. Dass sie in einer geheimen Wahl gewählt wurden, interessiert Herrmann dabei ebensowenig wie ihre Standpunkte. Vielleicht sollte er künftig besser für die Society-Seite über Europas Adelshäuser berichten, dort wäre er besser aufgehoben - besser jedenfalls als in der Politik.

 

Boris Herrmann hat sich leider nicht auf den Weg nach Thüringen gemacht, sondern - ohne den Hintern aus dem Sessel zu heben - im Internet beim "Verfassungsschutz" durchgegoogelt und ist auf die erstbesten alten Seiten gestoßen, die seit gut 25 Jahren über die MLPD verbreitet wurden.

 

Nur eine einzige Kostprobe noch. Er dichtet: "Ein Parteitag lief traditionell so ab: Erst sprach Parteichef Stefan Engel, dann die Stellvertreterin Monika Gärnter-Engel (seine Ehefrau), dann das ZK-Mitglied Gabi Gärtner (seine Stieftochter) und schließlich nochmal Engel selbst." Das brachte ihm eine Gegendarstellung und anwaltliche Unterlassungsaufforderung ein. Dort heißt es zugegeben etwas dröge:

 

"Das soll als Beleg für eine angebliche 'Erbdynastie' in der MLPD gelten. Die Behauptungen sind unwahr. Sie sind frei erfunden. Bei Parteitagen spricht natürlich zuerst der oder die Parteivorsitzende, sodann sprechen die internationalen Gäste, worauf sich eine breite Diskussion unter den Delegierten nebst Beschlüssen und demokratischen Wahlen anschließt. Den frei erfundenen Ablauf hat es noch nie auf einem Parteitag der MLPD gegeben."

 

Herrmann - früher im Sportbereich der Süddeutschen tätig - ist jedenfalls weder seriös noch investigativ, noch kennt er sich bei der Politik aus. Herrmanns "alternative Fakten" komprimieren die Verleumdungen und Dummheiten so akrobatisch, dass wahrscheinlich sogar die Geheimdienstler blass vor Neid werden. Reicht das heute in der Süddeutschen schon als Qualikation für das Politikressort aus?