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GM-Streik: Das Selbstbewusstsein der Arbeiter hat sich enorm entwickelt

Bis kommenden Freitag stimmen die Arbeiter bei General Motors in den USA darüber ab, ob sie das Verhandlungsergebnis der Führung der Automobilarbeitergewerkschaft UAW mit GM von vergangener Woche annehmen. Während der Abstimmung geht der Streik weiter.

Korrespondenz aus Berlin
GM-Streik: Das Selbstbewusstsein der Arbeiter hat sich enorm entwickelt
Streikende GM-Arbeiterinnen und -Arbeiter

Am 15. September traten fast 50.000 Automobilarbeiter in allen US-General Motors Werken in den Streik, der erste seit 2007 und der längste im Konzern seit über 20 Jahren. Sie haben GM empfindlich getroffen. Beim Streik geht es um Krankenversicherung, Rentenzahlungen, vor allem aber um die Abschaffung des "Stufen-Systems".

 

Es bedeutet, dass bei gleicher Arbeit sehr unterschiedliche Löhne und Sozialleistungen gezahlt werden. Eine beliebte Forderung ist „Alle in Stufe 1“. Darauf hatte sich die UAW-Führung vor vielen Jahren eingelassen mit dem Versprechen, dass man dadurch Arbeitsplätze vor der Auslagerung ins Ausland retten würde. In den 1970er Jahren gab es 450.000 bis 500.000 Beschäftigte bei GM. Heute ist es nur noch ein Zehntel. Gleichzeitig hat GM auch in den vergangenen drei Jahren 3 Milliarden Dollar Profite gemacht.

Klassensolidarität entwickelt sich

Bedeutend ist auch, dass für die Übernahme der Leiharbeiter zu regulären Bedingungen gestreikt wird. Diese machen mittlerweile 7 Prozent der GM-Belegschaften aus. Auch werden Forderungen erhoben, die 2018 bekanntgemachten Schließungspläne für vier GM-Werke rückgängig zu machen.

 

Der Streik hat bisher breite Unterstützung in der Bevölkerung erhalten. Ford- und Chrysler-Arbeiter beteiligen sich an Streikposten und zeigen so ihre Klassensolidarität. Arbeiter des GM-Werks in Oshawa (Kanada), das ebenfalls geschlossen werden soll, haben kürzlich eine Solidaritätsveranstaltung durchgeführt.

IAC-Aktivist: "Über Ländergrenzen hinweg zusammenschließen"

Frank Hammer, UAW Gewerkschafter und Aktivist der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz (IAC), sagte in einem Interview, das bei www.theindy.org erschien: „Es gibt Arbeiter auf der ganzen Welt, die sich derzeit in Kämpfen mit General Motors befinden, und es ist unsere Pflicht, die Reihen zu schließen. ... Zum Beispiel gibt es in Südkorea derzeit Streikende bei GM. Mexikanische Arbeiter, die in einem Lkw-Werk in Silao arbeiten, wurden aufgrund von streikbedingten Ausfällen von Teilen entlassen. Einige von ihnen wurden entlassen, weil sie die Streikenden bei GM in den Staaten unterstützen.

 

Wir haben Arbeiter in Brasilien, Mitglieder der Gewerkschaft Conlutas, die sich auch in São Paulo für die Kampagne gegen die prekäre Arbeit bei GM einsetzen. Und wir haben Arbeiter in Kolumbien, die einen Kampf gegen GM führen, die Unfälle am Arbeitsplatz erleiden und anschließend wegen dieser Verletzungen entlassen werden und ohne jegliche Entschädigung auf die Straße gesetzt werden. Sie führen einen Kampf gegen General Motors, um ihre Jobs zurückzubekommen und eine Entschädigung zu erhalten. Es gibt diese vielen organisierten Kämpfe und es ist notwendig, sich über Ländergrenzen hinweg zusammenzuschließen.“

 

Es bleibt abzuwarten, wie die Abstimmung ausgeht. Es gibt Berichte, dass die Unzufriedenheit unter den Arbeitern mit dem Verhandlungsergebnis groß ist; so sollen das Stufensystem und dreijährige Leiharbeiterverträge erhalten bleiben. Andererseits möchten viele nach fast sechs Wochen Streik zurück zur Arbeit. Auf jeden Fall hat sich das Selbstbewusstsein der Arbeiter enorm entwickelt.