USA

USA

GM-Streik beendet: Große Solidarität, wichtige Lehren und fauler Kompromiss

Nach 40 Tagen ging der landesweite Streik von fast 50.000 General Motors Automobilarbeitern in den USA zu Ende. 57 Prozent stimmten für das Verhandlungsergebnis.

Korrespondenz aus Berlin
GM-Streik beendet: Große Solidarität, wichtige Lehren und fauler Kompromiss
Streikende GM-Arbeiterinnen und -Arbeiter

Ziel des Streiks war gewesen, Verschlechterungen bei Löhnen und Arbeitsbedingungen rückgängig zu machen, die 2009 zu Beginn der letzten Weltwirtschafts- und Finanzkrise durchgesetzt wurden. Vor allem das Stufensystem bei Löhnen wieder abzuschaffen und Leiharbeiter gleichzustellen.

 

Die wesentlichen Ziele sind im Verhandlungsergebnis nicht enthalten. Einzelne Verbesserungen gibt es bei der Übernahme der Leiharbeiter, aber das System ihrer diskriminierenden Entlohnung bleibt erhalten; drei Werke und ein Lagerhaus sollen wie geplant geschlossen werden.

43 Prozent gegen Verhandlungsergebnis

Warum stimmte eine Mehrheit trotzdem dafür? GM hat eine Medienkampagne losgetreten, die das Ergebnis hochlobte. Die UAW-Gewerkschaftsführung genießt unter den Arbeitern kein großes Vertrauen und viele waren unsicher, wie es bei einer Ablehnung weitergeht. Nach sechs Wochen Streik gingen die Ersparnisse vieler aus, andere hatten eh' keine.

 

Allerdings muss man auch sehen, dass diese Mehrheit knapp war. Die 43 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder, die gegen das Ergebnis und für eine Weiterführung des Streiks stimmten, waren vor allem diejenigen, die weniger verdienen oder aus Werken stammen, die auf der Abschlussliste stehen. So etwa im Werk in Lordstown, wo 412 dagegen stimmten, nur 62 dafür.

Neue Arbeiterführer an der Basis

Dieser Streik ist eine sehr wichtige Erfahrung für die Automobilarbeiter und für die gesamte Arbeiterklasse in den USA. Es entwickelten sich neue Arbeiterführer an der Basis und eine enorme Solidarität. Es zeigt aber auch, dass die Automobilkonzerne unnachgiebig ihre Ausbeutung verschärfen angesichts der beginnenden Weltwirtschaftskrise und der Strukturkrise aufgrund der E-Mobilität.

 

Die Arbeiter müssen einen sehr engen Schulterschluss gegen jegliche Spaltung entwickeln. Ein sehr harter Kampf und der weltweite Zusammenschluss der Automobilarbeiter sind notwendig. Diesem Ziel dient die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz in Südafrika 2020, deren Bedeutung auch mit diesem Streik weiter wächst.