12. Frauenpolitischer Ratschlag

12. Frauenpolitischer Ratschlag

Grußwort von Kapitänin Carola Rackete

Carola Rackete, die mutige Kapitänin der „Sea-Watch 3“ hat dem 12. Frauenpolitischen Ratschlag, der morgen in Erfurt beginnen wird¹, ein Grußwort zukommen lassen. Sie hat in diesem Sommer gegen die Anordnung des damaligen italienischen Innenministers Matteo Salvini – ein faschistoider Ultrareaktionär und Rassist – auf eigene Faust 40 völlig erschöpfte Flüchtlinge in Lampedusa an Land gebracht und war dafür kriminalisiert worden. Auf der Homepage des Frauenverbands Courage ist das Grußwort online. Wir dokumentieren:

Grußwort von Kapitänin Carola Rackete
Kapitänin Carola Rackete (foto: Sea-Watch e.V.)

„Ich bin zufällig diesen Sommer berühmt geworden, weil ich etwas getan habe, was vor mir schon Hunderte andere Freiwillige getan haben: Menschen aus Seenot retten. Ob ich wieder so handeln würde, haben die Medien mich nach meinem Gerichtsverfahren gefragt. Die Frage sollte doch eher lauten: Wann wird die Politik endlich handeln, um wirklich allen Menschen ihre Menschenrechte zu garantieren?

 

Denn die Krise im Mittelmeer ist leider längst nicht vorbei. Sie wird so lange nicht vorbei sein, wie die europäische Krise der Solidarität anhält und Regierungschefs auf Abschottung setzen statt auf Menschlichkeit. Anstatt einer Politik der Angst und Ausgrenzung sollten unsere Regierungen Gesetze entwerfen, die die Bewegungsfreiheit als Grundrecht etablieren. Was wir in Europa brauchen, ist ein Konzept, das Migration nicht als Verbrechen ahndet, sondern Menschen Schutz bietet.

 

Und das sage ich besonders mit Blick in die Zukunft: Schon jetzt ist klar, dass die Klimakrise die Lebensgrundlage von Millionen Menschen auf der ganzen Welt zerstören wird. Es trifft diejenigen am härtesten, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Für sie ist die Apokalypse schon heute Realität. Aber die Waldbrände in Brasilien, Stürme in Mosambik und Dürren in Somalia sind nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was noch auf uns Menschheit zukommt.

 

Am meisten leiden unter den Folgen der Klimakrise Frauen. Deshalb finde ich es besonders wichtig, Frauen und Mädchen darin zu unterstützen, selbst aktiv zu werden. Wir brauchen ihre Visionen für eine Welt, in der wir alle gut leben können.

 

Ich durfte in den letzten Monaten die Umweltaktivistinnen Hindou Oumarou Ibrahim aus dem Tschad und Phyllis Omido aus Kenia kennenlernen. Ihr Aktivismus macht mir Mut, denn sie engagieren sich in viel schwierigeren Kontexten als ich. Vor allem haben mir ihre Geschichten noch einmal klargemacht, wie eng die Klimakrise mit den Rechten von Migrantinnen zusammenhängt. Und das Recht, das die meisten fordern, ist das Recht zu bleiben. Es ist unsere Verantwortung, ihnen zuzuhören und zu handeln, anstatt nur auf eine andere Politik zu hoffen.

 

Der Weltfrauenrat ist eine wichtige Institution, die die globale Solidarität stärken kann und die Forderungen der Gemeinschaften im Globalen Süden auch nach Europa tragen wird.“