Antikommunismus

Antikommunismus

Leserbriefe zur antikommunistischen Posse der „Süddeutschen Zeitung“

Am 24. Oktober, kurz vor der Landtagswahl in Thüringen, hatte der ehemalige Sportreporter und offensichtlich jetzige Politikredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Boris Herrmann, einen peinlichen antikommunistischen Klamauk über die MLPD veröffentlicht.

Korrespondenzen / ffz

Durch das Herausgreifen einzelner Vertreter der Partei konstruierte der Artikel abstruse und unwahre Behauptungen, so von einer "Erbdynastie" in der MLPD. (siehe Rote Fahne News) Dabei setzte er sich weder mit der Partei noch mit ihren Aussagen auseinander, kontaktierte keinen der Politiker der MLPD, sondern schrieb lediglich aus den – als extrem seriöse Quelle bekannten – Veröffentlichungen des „Verfassungsschutzes“ ab. Selbst bei den bürgerlichen Massenmedien gilt dieses Vorgehen – zumindest offiziell - als unseriös.

Peinlicher Rückzieher

Wie sehr dieser Artikel neben der Realität war zeigt, dass die Süddeutsche schnell einer einstweiligen Verfügung zuvorkam, die Behauptungen aus dem Netz nahm und einer Unterlassungserklärung unterzeichnete. Auch eine Gegendarstellung wurde veröffentlicht. (siehe Rote Fahne News) Nicht zuletzt stieß das Vorgehen seitens der Süddeutschen auf Protest bei den Leserinnen und Lesern. Offenbar möchte die SZ aber lieber den Mantel des Schweigens über diesen peinlichen Eklat breiten und erklärte keine weiteren Leserbriefe abzudrucken. Wir dokumentieren deshalb drei, die auch in Kopie an die Rote Fahne gingen.

Rote Fahne dokumentiert hier drei Leserbriefe als Beispiele:

„Ich lese die Süddeutsche Zeitung seit ungefähr 50 Jahren und schätze es insbesondere, wenn sich ihre investigativen Journalistinnen und Journalisten ans Werk machen und nicht selten erstaunliche Enthüllungen nach sorgfältiger Recherche veröffentlichen können.

 

Das Gegenbeispiel liefert Boris Herrmann mit seinem Schmähartikel über die MLPD. Um alle verfälschenden Klischees aufzuwärmen, musste er nur im Verfassungsschutzbericht blättern und brauchte sich keinen Millimeter vom Redaktionssessel zu erheben. Er treibt es noch weiter als der bekanntlich besonders in Thüringen extrem vertrauenswürdige Verfassungsschutz und fabuliert über Parteitage, die garantiert so nicht ablaufen. Er kennt sogar schon die Wahlergebnisse im Voraus – ich dachte, dass solche sicheren Prognosen den DDR-Granden vorbehalten waren. Was soll daran verwerflich sein, dass wichtige Wahllosungen über den Wahltag hinaus Gültigkeit haben und ernst gemeint sind? So wenn das kapitalistische Gesellschaftssystem grundsätzlich kritisiert und sich dabei auf die Vordenker Marx und Lenin berufen wird, so wenn aus der Geschichte der DDR – aus Fortschritten und Fehlern - für einen neuen Anlauf zum Sozialismus gelernt wird, so wenn Rassismus und Nationalismus bekämpft und gleiche Rechte für Migranten und internationale Solidarität gefordert werden.

 

Aber sich mit irgendwelchen Inhalten abzumühen, erspart sich Boris Herrmann. Billig.“


Anna Bartholomé


„Offenbar kommt auch Ihre Zeitung nicht mehr darum herum, die Entwicklung der MLPD zu einer neuen gesellschaftlichen Kraft zur Kenntnis zu nehmen. Das tritt nicht nur im Thüringer Wahlkampf in Erscheinung. Damit muss sich eine seriöse Zeitung befassen, dann aber auch mit seriösen Methoden. Das ist eigentlich nicht zu viel verlangt, oder? Für den Verfasser des Artikels offensichtlich doch. Statt zumindest sachlich über die Positionen der MLPD zu berichten, was ihre Antworten zum kapitalistischen System sind, dass sie ihre historische Schlussfolgerung aus dem Verrat am Sozialismus, auch in der DDR, zur Diskussion stellt, wird jede Sachlichkeit verwehrt. Wohl in Ermangelung an Argumenten wird sich mit Suggestionen böswillig über die MLPD lustig gemacht. Der Begriff Mausoleum provoziert eine Erinnerung an Totenverehrung, der Begriff Familiendynastie eine Verbindung zum Feudalismus. Hier stellt sich die Frage, ob sich Boris Herrmann dem von Trump eingeführten Stil, ohne wirklich was zu wissen, Suggestionen zu verbreiten, anpasst.

 

Es zeigt, wie hilflos der Autor gegenüber der MLPD ist, wenn er zu solchen Methoden Zuflucht nehmen muss. Wer sich nur etwas mit der MLPD befasst, wer den Mut aufbringt, unvoreingenommen gegenüber der MLPD zu sein, sich mit der innerparteilichen Demokratie zu befassen, wird sehen, wie dumm und absurd der Versuch ist, aus verwandtschaftlichen Beziehungen eine Dynastie abzuleiten. Wer die MLPD kennt, der weiß, wie sie arbeitet und wie sie zu Entscheidungen kommt. Der hat Vertrauen zu ihr und spendet deswegen Geld für diese politische Arbeit. Dass die Süddeutsche Zeitung journalistisches Handwerkzeug durch die Methode billiger Suggestionen ersetzt, kann man bedauern. Man kann darin aber eine eingestandene Unfähigkeit sehen, sich sachlich mit der MLPD zu befassen.“


Achim Czylwick

 

Kann die SZ – Redaktion nicht mehr selber recherchieren?

 „Als Wahlkämpfer für die Internationalistische Liste/MLPD im Landtagswahlkampf in Thüringen erlebe ich, wie inhaltslos die bürgerlichen Parteien diesen Wahlkampf führen. Die brennenden Probleme der Leute wie die niedrigeren Löhne in Ostdeutschland oder das unverantwortliche 'Weiter – so' angesichts der dramatischen Entwicklung beim Absterben des Thüringer Waldes werden umschifft – müsste doch die eigene Politik hinterfragt werden.

 

Dagegen finden unsere Forderungen und Losungen, die die Unterordnung unter die Profitlogik angreifen, bei den Leuten vor Ort große Aufmerksamkeit und Anklang. Sicherlich ist unsere Aufforderung, mit beiden Stimmen am Wahltag ein Zeichen für eine radikal linke Politik zu setzen, aber für die Durchsetzung dieser Politik selbst aktiv zu werden, für viele Wähler neu und ungewohnt – aber keineswegs abwegig. Sondern Stoff zum Nachdenken - und erfreulich oft wollen Angesprochene auch über den Wahltag hinaus diese Politik unterstützen.

 

Aber statt sich mit diesen andersartigen, erfrischenden Wahlkampf überhaupt zu befassen, begibt sich ihr Autor Boris Herrmann auf das Niveau von 'fake news' (woher will er den Ablauf eines Parteitags der MLPD kennen?), und für die Verbreitung der üblichen Verleumdungen des Verfassungsschutzes gegenüber die MLPD her. Wahrlich ein Highlight journalistischer Sorgfaltspflicht!

 

Übrigens: die Notwendigkeit der breiten Plakatierung ergibt sich für die Internationalistische Liste / MLPD unter anderem aus der weitgehenden Medienzensur – auch durch die SZ. Wir erleben dieser Tage nicht nur einmal 'Ach, endlich erlebe ich mal eine lebendige Person, die hinter den interessanten Plakaten steckt'. Und die dann meist folgenden Diskussion drehen sich nicht selten auch um die Lehren aus dem Verrat am Sozialismus in der DDR – die Maßstäbe von Marx und Lenin haben nichts an Aktualität verloren!“


Martin Schlesinger