Fridays for Future

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Spiegel-Magazin Bento: Antikapitalistisches Gütesiegel für den REBELL

Weltweit bereitet die Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) für den 29. November den nächsten großen Protesttag vor. Eine kapitalismuskritische Strömung wächst dabei. Das passt nicht jedem in den Kram.

Von Verbandsleitung des Jugendverbands REBELL
Spiegel-Magazin Bento: Antikapitalistisches Gütesiegel für den REBELL
Überparteilich und mit viel Kampfesfreude: Fridays for Future in Gelenkirchen - hier am 20. September (rf-foto)

Das Jugendmagazin des Spiegels, Bento, titelte diese Woche: "Fridays for Stalin in Gelsenkirchen". Dankenswert offen werden hier die zwei Wege in der Fridays-for-Future-Bewegung deutlich: Auf der einen Seite eine wachsende kapitalismuskritische Strömung mit dem Jugendverband REBELL als revolutionärem Pol. Und auf der anderen Seite eine Richtung der Anpassung an die Regierung und herrschende Politik.

 

Sachlich würdigt der Artikel: die örtliche REBELL-Gruppe hat die Proteste im März 2019 initiiert und die erste Demo mit 250 Schülerinnen und Schülern auf die Beine gestellt. Celina Jacobs vom REBELL wird dazu zitiert: „Eine Woche vor der Demo saßen wir zusammen und haben gesagt: das kann doch nicht sein, dass in Gelsenkirchen nichts passiert.“

 

Beim offenen Mikrofon kamen gleichberechtigt die unterschiedlichsten Meinungen zu Wort. In verschiedenen Zitaten und im Titel eines REBELL-Flugblatts „One solution – Revolution!“ wird auch klar, wer nach revolutionärer Gesellschaftsveränderung sucht, ist beim REBELL an der richtigen Adresse.

 

Selbstverständlich hat der REBELL oder die ihn unterstützende MLPD zu keinem Zeitpunkt die FFF-Proteste missbraucht oder unterwandert, wie Bento versucht, nahezulegen. Es ging darum, das Know-how zur Verfügung zu stellen und eine überparteiliche Grundlage zu gewährleisten. Das schließt natürlich ein, dass dort auch der REBELL seinen Standpunkt vertreten kann.

 

Der Tenor von Bento-Redakteurin Thembi Wolf ist aber antikommunistisch. Zufall, dass sie ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen hat? Die Spaltung der Gelsenkirchner FFF-Bewegung aus antikommunistischen Motiven wird von ihr positiv dargestellt. Bento startete sogar eine Umfrage, ob sich eine radikale Partei für den Umweltschutz engagieren dürfe oder ob FFF sich davon distanzieren solle. Wer bitte will sich das Recht herausnehmen, MLPD und REBELL den Einsatz für die Umwelt zu verbieten? Immerhin 25 Prozent lehnten bei der Umfrage diese Ausgrenzung ab.

Wir sind stolz auf unsere sozialistische Perspektive

Inessa Kober, REBELL

Inessa Kober von der Verbandsleitung des REBELL sagt: „Wir sind stolz auf unsere revolutionäre sozialistische Perspektive. Den Sozialismus und seine Errungenschaften zu verteufeln, soll doch nur den Kapitalismus als alternativlos darstellen. Die Menschheit muss nach vorne gehen. Wir brauchen eine Gesellschaft in der die Einheit von Mensch und Natur die Leitlinie ist - und nicht der Maximalprofit . Das heißt, wir müssen aus Erfolgen und Problemen beim Aufbau des Sozialismus lernen. Die MLPD hat sich damit gründlich im Buch 'Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?' beschäftigt. Dieses Buch empfehle ich jeder Umweltkämpferin und jedem Umweltkämpfer.

 

In diesem Buch wird sich auch mit den Erfahrungen der sozialistischen Sowjetunion in der Stalin-Ära auseinandergesetzt. Viele wissen, dass die Sowjetunion den Hitler-Faschismus maßgeblich besiegt hat. Aber kaum jemand kennt die zum Teil bahnbrechenden umweltpolitischen Errungenschaften der damaligen Zeit. Auch mit Problemen und falschen Auffassungen im Umweltschutz wird sich hier kritisch und selbstkritisch auseinandergesetzt. Wir lassen uns auch von Bento keine Denkverbote erteilen."

 

Damit man aber gar nicht erst dazu kommt, sich solche Fragen zu stellen, streut Thembi Wolf die Worte "Mao", "Stalin", "Verfassungsschutz" und "Diktator" über ihren Artikel aus. Diese alte „Keule“ soll abschrecken, sich überhaupt weiter mit REBELL und MLPD zu beschäftigen. Die Absurdität treibt die Bento-Gestaltung auf die Spitze, die den Artikel illustriert mit dem Foto einer FFF-Demo mit hineinmontierten Stalin-Köpfen mit grün gefärbten Haaren.

Zukunftsdebatte ist nötig

Luisa Neubauer, Mitglied der Grünen und FFF-Aktivistin sagt im Bento-Interview: "Wirtschaftssysteme wurden entwickelt, um den Wohlstand der Menschen zu mehren. Was können wir machen, damit es wieder um das Wohl der Menschen und Lebewesen geht? Was am Ende rauskommt, welchen Namen wir einem neuen System geben, ist zweitrangig."

 

Aber mehrt das "Wirtschaftssystem" Kapitalismus den Wohlstand der Menschen? Der Kapitalismus war ein historischer Fortschritt - vor rund 200 Jahren. Er hat mit seiner industriellen Arbeitsweise und den modernen Naturwissenschaften die bisher höchste Stufe der Einheit von Mensch und Natur hervorgebracht. Das ging auch mit Fortschritten einher, aber von Anfang an auch auf Kosten der Ausbeutung der absoluten Mehrheit und der Natur, was den Fortschritt gleichzeitig infrage stellte. Inzwischen hat der Kapitalismus ein Stadium erreicht, in dem die Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur eine ökonomische Notwendigkeit geworden ist. Fortschrittliche Produktivkräfte wandeln sich in Destruktivkräfte, die das Überleben der Menschheit infrage stellen.

 

Das kapitalistische Wirtschaftssystem muss revolutionär überwunden werden. Die Alternative ist der echte Sozialismus und nicht die Rückkehr zu einem früheren Wirtschaftssystem unter neuem Namen, wie Luisa Neubauer vorschlägt. Darüber muss diskutiert werden. Aber genau das will der Antikommunismus verhindern.

 

Von einer antikapitalistischen Tendenz und dem Zuspruch für den Jugenverband REBELL und die MLPD aufgeschreckt, starten die Herrschenden eine Offensive des Antikommunismus, versuchen die Bewegungen mit gezielten liquidatorischen Manövern zu spalten. Immer vorne dabei, die Grünen, die bereits von der Kanzlerschaft träumen und die Umweltbewegung zu ihrem Wahlverein machen wollen.

 

Campact-Vorstand Christoph Bautz sieht die Grünen als „Dreh- und Angelpunkt“ einer künftigen Regierung. Seine Vision für die Umweltbewegung: An einer neuen Regierung "wären sehr wahrscheinlich die Grünen beteiligt - sei es als Jamaika-, schwarz-grüne oder rot-rot-grüne Koalition. Diese Neuaufstellung könnte das Klima wirksam schützen." Dabei haben die Grünen noch jedes umweltpolitische Ziel kapitalistischen Sachzwängen oder auch einfach ihren persönlichen Karrieren geopfert.

Undemokratisch ist der Antikommunismus

Ein Blick auf die Entwicklung in Gelsenkirchen beweist: bevormundend und undemokratisch ist nicht der REBELL, sondern der Antikommunismus. Noch auf der ersten Demo ernannte sich eine Schülerin namens Vanessa selbst zur Organisatorin von FFF-Gelsenkirchen. Sie sagte der Presse, FFF würde sich von MLPD und REBELL distanzieren. Die Anmelderin der ursprünglichen Demo, Celina Jacobs, dazu: „Beides war falsch. Sie war weder Organisatorin von FFF noch distanziert sich FFF von irgendjemandem. Es ist eine breite Bewegung.“ Von der WAZ wurde Vanessa aber sofort anerkannt. Der Stadtspiegel gibt wieder, dass Vanessa gestützt auf Parents for Future „das Ruder“ übernommen hätte. Mit dem einzigen Motiv, die Kapitalismuskritik auszuschließen, wurde die gerade entstandene FFF-Bewegung in Gelsenkirchen gespalten. Wer der vom REBELL initiierten FFF-Whatsapp Gruppe in Gelsenkirchen beitritt wird sogar mit einer persönlichen Mitteilung „gewarnt“.

 

Solch intrigantes Vorgehen wird belohnt, die Spaltergruppe wird von Bento als „überparteilich“ geadelt. Ehrlicher brachte es genannte Vanessa selbst auf den Punkt: „Wir sind die, ohne Kapitalismuskritik“. Oder: "Die haben gegen den Kapitalismus gehetzt. Das sind die Ansichten der MLPD und die haben schlichtweg auf der FFF-Demo nichts zu suchen."

Wie viel Angst muss man vor der Jugend haben, wenn man sie derart gängelt?

Zu wirklicher Überparteilichkeit gehören alle Positionen, von Religion bis Revolution. Wirkliche Überparteilichkeit heißt auch, Flagge zu zeigen, kontrovers zu diskutieren, statt inkognito in Orga-Teams die Fäden in der Hand zu halten. Das klappt in Gelsenkirchen gut, wie dieses Video belegt.

 

Celina Jacobs berichtet, wie der REBELL eine solche wirkliche Überparteilichkeit fördert: „Bei unserem ersten Treffen wurden Prinzipien für die Arbeit der Gruppe beschlossen. Für den 20. September haben wir einen Aufruf gemacht. Den haben viele von verschiedenen Gewerkschaften und Parteien unterschrieben. Wo der REBELL mitmacht, steht auch REBELL drauf. Der Unterwanderungsvorwurf ist absurd, gerade weil wir offen Flagge zeigen und gleichzeitig mit allen - außer Faschisten - auf Augenhöhe zusammenarbeiten.“

 

Die Rettung der Umwelt erfordert einen gesellschaftsverändernden Kampf, der mit antikommunistischen Manövern, mit Hetze und Vorurteilen fertig wird, und sich seinen rebellischen und eigenständigen Charakter bewahrt! Wem der Antikommunismus wichtiger ist als die Rettung der Natur oder wer lieber die Bewegung zerstört, als gleichberechtigt mit revolutionären Kräften zusammenzuarbeiten, hat in der Bewegung nichts verloren.