Mönchengladbach

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Amazons neueste Abzocke

In diesem Jahr hat Amazon in Mönchengladbach sein viertes Logistikzentrum der Superlative in Deutschland eröffnet.

Von kw

Der sechs Hektar große Koloss ist fast so groß wie das nahegelegene Fußballstadion von Borussia Mönchengladbach. Drinnen: 17 Kilometer Förderbänder mit 192 Paketrutschen und 34.000 Regalen, ausgelegt für über 10 Millionen einzelne Warenstücke. Die erstmals eingesetzten bis zu 4.000 Transportroboter verkürzen die Lieferzeiten der Bestellungen. Sie ersetzen allerdings nicht das schwere Heben und Verpacken von Hand von bis zu 300.000 Paketen am Tag.

Amazon bedient sich großzügig

Als einer der führenden Internetkonzerne kann sich Amazon auch in Deutschland der staatlichen Dienstleistungen großzügig bedienen. Das beginnt mit der kompletten Steuerverweigerung. Im Zeitalter der Digitalisierung diktieren diese Konzerne, dass Steuern nicht auf die Handelsumsätze am jeweiligen Standort erhoben werden, sondern nur auf die digitale Forschung und Entwicklung, die aber in den USA stattfindet.

 

Dank Freibeträgen ergab sich dort für 2018 ein Steuerbetrag von minus 1,5 Prozent. Im Steuerparadies Deutschland winken zugleich üppige staatliche Subventionen und Dienstleistungen - auf Kosten der Ausbeutung von Mensch und Natur.

Notlage von Migranten wird missbraucht

Die Bundesagentur für Arbeit hat in Mönchengladbach einen Sachbearbeiter nur für die Anwerbung von Arbeitskräften für Amazon abgestellt. Acht Wochen vor Eröffnung wurden in einem eigens angemieteten Ladenlokal in der Einkaufspassage hundert Bewerber am Tag auf die speziellen Anforderungen aussortiert: Nur wer die Prüfung Kisten heben - erst fünf, dann zehn, dann fünfzehn Kilo - bestand, durfte sich bewerben.

 

Bevorzugt wurden Ungelernte – mit der Voraussetzung: einfache Sprachkenntnisse. Dabei wurde gezielt die Notlage von Migranten missbraucht, die bisher bei anderen Bewerbungen abgelehnt worden waren. „Ich bin froh, dass ich überhaupt diese Stelle gefunden habe“, so die Antwort einer syrischen Arbeiterin. Sie gehört zu den 500 zum Start eingestellten Beschäftigten. Geplant sind 1.000, davon 20 Prozent Saisonarbeiter.

 

Mit acht Stunden Stehen, Heben, Bücken ohne besondere Entlastungsmöglichkeiten ist die Arbeit – so der ver.di-Handelsexperte Nils Börke - körperlich erheblich anstrengender, als bei vergleichbaren Versandhändlern wie Otto. Im Unterschied dazu liegt der Stundenlohn mit 11,27 Euro weit unter dem Handelstarif von 14,52 Euro. Mit dem neuen Logistikzentrum wird jetzt das Heer derer vergrößert, die einen unbeugsamen Kampf gegen diese untragbaren Lohn- und Arbeitsbedingungen führen.

Elektrofahrzuge gibt es erst ab 2021

Mönchengladbach ist Teil des europäischen Logistiknetzes von über 40 Zentren in sieben Ländern. Der Versand geht in die ganze Welt. Während die CDU und SPD mit ihrem „Klimapaket“ landauf, landab hausieren gehen, wird die umweltzerstörende Profitmacherei durch Amazon üppig gefördert. Nach wie vor lehnt dieser eine Umverpackung der Retouren ab, die täglich steigen und als „unrentierlich“ rücksichtslos verschrottet werden.

 

Dafür wurden alle Voraussetzungen geschaffen, um die Umwelt mit den täglichen hunderten von LKW weiter zu zerstören (Elektrofahrzeuge sind erst ab 2021 geplant). Für rund eine Million Euro wurden von der Stadt die Zufahrtsstraßen vergrößert und die Ampelschaltungen auf Vorrang für Amazon umgestellt. Dazu kamen noch drei neue öffentliche Buslinien, um Amazon auch noch einen Werksverkehr ins Gewerbegebiet zu ersparen.

 

Der Deal wurde klammheimlich durchgezogen, ohne die übliche Bürgerversammlung und ohne öffentliche Grundsteinlegung. Um nicht noch weiteres Öl in die inzwischen weltweit wachsenden Proteste gegen die Ausplünderung der Massen zu gießen, verzichtete Amazon großzügigst auf die Lohnzuschüsse vom Job-Center. Und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spendierte das Monopol auch noch eine Tischtennisplatte und einen Kicker sowie einen DJ Ötzi zur Weihnachtsfeier 2019.

Streik bis 21. Dezember in Rheinberg und Werne

Kein Wunder, dass bei so viel sozialer Milde und Herzenswärme Beschäftigte in Rheinberg und Werne jetzt erneut bis Samstag, 21. Dezember, in den Streik treten und für ihren Tarifvertrag kämpfen.