Daimler Untertürkheim

Daimler Untertürkheim

„Der E-Antrieb kommt - 350 Arbeitsplätze gesichert!“ - aber: Alles gut?

Seit November verhandelt der Betriebsrat mit der Werksleitung von Daimler um die Produktionszusage für den elektrischen Anstriebsstrang (eATS).

Korrespondenz aus Stuttgart

Es geht um die zukünftigen Arbeitsplätze im Motorenwerk Stuttgart-Untertürkheim, die für den schrittweisen Wegfall der Verbrennungsmotoren benötigt werden. Doch die Werksleitung fuhr schwere Geschütze auf: die Eigenproduktion des eATS sei 180 Millionen Euro teurer als beim Zukauf. Deshalb sei das nur Thema, wenn die Lohnerhöhung bei der nächsten Tarifrunde nicht übernommen und zwei Tage für Qualifizierung abgezogen, sowie ein Urlaubstag gestrichen werden!

Das Verhandlungsergebnis

Doch diese Erpressung stieß auf Widerstand in der Belegschaft, so dass auch die Betriebsratsspitze „auf Eskalation“ umschaltete. Rechtzeitig zu Weihnachten wurde jetzt der Belegschaft und der Öffentlichkeit der Verhandlungsabschluss „als großer Erfolg von pragmatischen Betriebsräten“¹ verkauft: Daimler musste die schärfsten Angriffe zurücknehmen. Andererseits stimmte der Betriebsrat gegen die Stimme der Betriebsrätin der Offensive Metaller zu: Fleximaßnahmen, wie Sieben- bis Neun-Stunden-Schichten und Samstagsarbeit; eine Stunde Abzug für jeden Quali-Tag; Streichung der Nachtschichtzulage an Feiertagen und ein Superflexi-Pool zum bundesweiten Einsatz von Arbeiterinnen und Arbeitern.

Die größten Hämmer abgewehrt - aber trotzdem müssen die Arbeiter Kröten schlucken

Spontan sind viele Kolleginnen und Kollegen erleichtert, dass die größten Hämmer durch den Widerstand der Belegschaft verhindert werden konnten. Gleichzeitig will Daimler die Leute besänftigen, damit sie die Kröten schlucken und die angekündigte Vernichtung von mindestens 10.000 Arbeitsplätzen hinnehmen. Das geht aber zu Lasten der Übernahme nach der Lehre; auch ist die Vernichtung der Ausbildungszahlen von 190 auf 160 pro Lehrjahr geplant. Und das alles für die Zusage der Produktion „von Teilen des E-Motors“!² Das gilt es jetzt in der Belegschaft zu bewerten und daraus Schlussfolgerungen für den weiteren Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz zu ziehen!