Stahlindustrie

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Kampfansage gegen Pläne zur Vernichtung Tausender Arbeitsplätze bei Thyssenkrupp

Mehr Kollegen als sonst kamen zu den Betriebsversammlungen von Thyssenkrupp Steel vor einigen Tagen in Duisburg.

Von Landesleitung NRW der MLPD
Kampfansage gegen Pläne zur Vernichtung Tausender Arbeitsplätze bei Thyssenkrupp
Rund 6000 Kolleginnen und Kollegen nahmen am Stahlaktionstag am 3. Dezember in Duisburg teil (Foto: RF)

Sie dauerten auch deutlich länger als sonst und der komplette Stahlvorstand war anwesend. Wer von diesen Herrschaften allerdings eine Antwort nach dem langen Hin und Her um die Zukunft der Stahlarbeitsplätze erwartet hatte, wurde erneut enttäuscht.

 

Die vorgestellten Pläne stehen alle unter dem Vorbehalt der Finanzierung durch den Konzernvorstand. Zwischen den Zeilen wurde klar, dass die Schließung von Anlagen und Werken für 2024 durchgezogen werden soll. In Bochum soll das Warmbandwerk 3, die EBA5 und BNO, in Hüttenheim das Grobblechwerk geschlossen werden. Und zusätzlich will Thyssenkrupp 1.000 Arbeitsplätze im Verwaltungsbereich abbauen.

Weltwirtschaftkrise hat Stahlkonzerne erfasst

Alles andere waren ungedeckte Schecks über mögliche Ersatz-Investitionen am Standort Duisburg-Nord. Denn es fehlt jede Zusage des Konzernvorstands für deren Finanzierung. Dass Thyssenkrupp nun zu Kurzarbeit, Anlagenschließung und massenhafter Vernichtung von Arbeitsplätzen übergeht, ist Ausdruck der Weltwirtschaftskrise und des Rückgangs der Stahlproduktion aller Stahlkonzerne.


Bei Thyssenkrupp verbinden sie sich mit dem massiven Rückfall des Konzerns im Konkurrenzkampf innerhalb der letzten 14 Jahre. Die notwendige drastische Reduzierung des CO2-Ausstoßes wird bis 2030 nach diesen Plänen nicht in Angriff genommen. Diese Umstellung müsse durch den Steuerzahler subventioniert werden. Geplant sind einzelne sinnvolle Versuche, aber in erster Linie Greenwashing durch minimalen Ersatz von Koks durch Wasserstoff in den bisherigen Hochöfen.

„Wir lassen uns nicht spalten“

Zahlreiche Redebeiträge kritisierten, dass schon viel zu lange Arbeitsplätze abgebaut wurden, Know-how verloren geht, Chaos und Arbeitshetze wachsen und Anlagen kaputtgefahren werden. Das ist auch ein Teil der Ursachen für den Auftragsrückgang. Gut war auch, dass viele betonten, dass die Pläne nicht zu Lasten der anderen Standorte und Kollegen gehen dürfen. Wir lassen uns nicht spalten!

 

Nach dem gemeinsamen Streik- und Aktionstag am 3. Dezember hat sich das Selbstbewusstsein der Belegschaft weiterentwickelt und es ist klar: mit dieser Belegschaft muss der Vorstand rechnen.Vertrauen konnte der Vorstand für seine Pläne nicht aufbauen. Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitze redeten kämpferisch daher, haben aber der Vernichtung von 6000 Arbeitsplätzen im Gesamtkonzern bereits zugestimmt. Hier ist noch einiges zu klären.

Belegschaften konzernübergreifend verbinden

Ein Diskussionsredner fasste es gegen Ende gut zusammen und vertiefte die nachdenkliche Stimmung: unsere gemeinsame Aufgabe ist jetzt nicht, zu überlegen, welche Vorschläge und Pläne die vermeintlich Besten für Thyssenkrupp Steel sind, sondern es steht die Aufgabe an, den Kampf um die Arbeits- und Ausbildungsplätze zu führen: mit einer Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich. Das verbindet uns auch mit den Kollegen bei Arcelor-Mittal, Tata usw., die ebenfalls von Entlassungen bedroht sind.


Die allermeisten verfolgten die Versammlung sehr interessiert und nachdenklich. Sie stehen selbst vor der Entscheidung, sich für den gemeinsamen Kampf aller Stahlarbeiter, gegen Spaltung und Hoffnung in Investitionspläne zu entscheiden.

Belegschaftsversammlung auch in Bochum

In Bochum fand heute ebenfalls eine Betriebsversammlung statt. Ein Korrespondent berichtet: "Heute war die Belegschaftsversammung von TKSE Essenerstraße. Der Plan der Konzernleitung ist, bis 2023 die Verzinkungsanlage nach Dortmund zu verlegen, bis 2024 das Warmbreitband nach Duisburg . Bis 2023 betrifft das etwa 200 Kollegen, bis 2024 rund 600 Kollegen.

 

Über das Kaltwalzwerk wird bisher noch gar nicht gesprochen, obwohl die Kollegen sagen, dass auch diese Anlage geschlossen wird, wenn das Warmbreitband weg ist. Das betrifft dann weitere 1200 Kollegen.

„Viele wollen richtigen Kampf führen“

Wir haben mit vielen Stahlarbeitern gesprochen und das Rote Fahne Magazin als Probenummer angeboten. Alle wurden interessiert genommen. Viele Kollegen sagten: 'Erst mal schauen, was für Infos kommen.' Von uns: 'Ist doch klar, dass das Bochumer Werk geschlossen werden soll.' Die meisten: 'Ja klar, wir werden kämpfen.'

 

Mehrere Azubis nahmen gegen Spende den Button mit der Aufschrift '30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich - gegen Leiharbeit und Flexibilisierung'. Das war für sie sehr wichtig. Auch die Kritik daran, dass die ganze Wirtschaftskrise auf uns Arbeiter abgewälzt werden soll. Und, dass wir von den Erfahrungen bei Opel Bochum gesprochen haben. Viele wollen einen richtigen Kampf führen."

Von CDU, SPD und Linkspartei ist nichts zu erwarten

Der Landesvorsitzende der MLPD Nordrhein-Westfalen, Peter Römmele, dazu gegenüber Rote Fahne News: „Das sind also die Versprechungen nach Sicherung der Arbeitsplätze, die Ministerpräsident Armin Laschet persönlich überbracht hat. Die Rede ist von Ersatzinvestitionen, mit denen allerdings bereits Tausende Arbeitsplätze vernichtet werden. Garniert ist es mit einem ‚Weiter so‘ des fast ungebremsten CO2-Ausstoßes. Die Linkspartei orientiert auf die Verstaatlichung der Stahlindustrie, als ob dadurch auch nur ein Arbeitsplatz gerettet wäre. Staatliche Stahlkonzerne sind im Kapitalismus genauso dem Gesetz der Profitmaximierung und den damit verbundenen Wirtschaftskrisen unterworfen wie Aktiengesellschaften.

Betriebsgruppen der MLPD: Klare Orientierung

Die Betriebsgruppen der MLPD stehen für den echten Sozialismus, in dem der gesellschaftliche Bedarf an Stahl in Einheit mit dem Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen produziert und konsumiert wird. Und sie stehen heute aktiv für den Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz im Interesse der Zukunft aller Arbeiter.“