Anwerbeaktion

Anwerbeaktion

Was ein Geheimdienst-Spitzel können muss ...

Wirklich überraschend ist es nicht, was im Zuge der geplanten Anwerbung von 600 neuen Geheimdienstmitarbeitern nun bekannt wurde: allzu hohe Anforderungen werden an die Bewerber nicht gestellt.

Von ms

Um beim Inlandsgeheimdienst "Verfassungsschutz" in den mittleren Dienst zu kommen, reichen zwei Praktika und einige Aufbaulehrgänge und schon darf man als "Zuträger" arbeiten. Beim Militärgeheimdienst MAD genügt eine abgeschlossene Berufsausbildung als Bewerbungsprofil. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt.

Lernstoff "adressenorientiertes Verhalten"

Aufschlussreich ist auch der Inhalt der beiden für die Qualifizierung zum "Verfassungsschützer" erforderlichen Praktika. Fünf Monate lang wird man in eine Observationsgruppe gesteckt, um sozusagen "Spitzeln von der Pieke auf" zu lernen. Während eines weiteren sechsmonatigen Praktikums lernen die Anwärter dann "adressenorientiertes Verhalten". Auf gut Deutsch: genau das tun, was von einem verlangt wird!

 

In der Tat ein zentrales Qualifizierungsmerkmal für Spitzel der Geheimdienste und jede(n), der/die es werden will. Man könnte - in Anlehnung an den "Verfassungschutz"-Slogan zur Nachwuchswerbung1 - sagen: "Im Verborgenen Alles tun." Alles eben, was dazu dient, insbesondere Revolutionäre zu überwachen und zu diskreditieren.

 

Auch die Hürden für den höheren Dienst sind maßgeschneidert für eine staatstreue "Karriere". Erforderlich ist dafür vor allem die Teilnahme an nachrichtendienstlichen Schulungen der hauseigenen "Akademie für Verfassungsschutz".

Verstärkter Kampf gegen "Rechtsextremismus"?

Angeblich sollen die 600 neuen Geheimdienstleute nun im Kampf gegen den "Rechtsextremismus" eingesetzt werden. Hört sich aus dem Munde von Innenminister Horst Seehofer (CSU) - der bisher vor allem als Scharfmacher gegen den "Linksextremismus" auftrat - selbstkritisch an. Ist aber vor allem der Versuch, der personellen Aufrüstung der Geheimdienste einen antifaschistischen Anstrich zu geben. Da die Einstellung des neuen Personals wie üblich "im Verborgenen" stattfindet, wird das kaum zu überprüfen sein.

 

Die gesellschaftliche Realität spricht eine andere Sprache. So richtet sich die Rechtsentwicklung der Regierung und des Staatsapparats mitsamt seinen Geheimdiensten in erster Linie gegen den fortschrittlichen Stimmungsumschwung unter den Massen und gegen den wachsenden Einfluss der MLPD. Die ernstzunehmende faschistische Tendenz hat ihren Ausgangspunkt dagegen unter anderem in einer systematischen Förderung durch die Geheimdienste bis hin zur engen Verstrickung von Teilen des "Verfassungsschutzes" und Co. mit faschistischen Strukturen. 

Mäßiger Werbeerfolg

Wenn man den offiziellen Angaben trauen darf, hat sich an der Zahl von 1.000 offenen Stellen beim "Verfassungsschutz" seit einem Jahr nicht viel geändert. Der Andrang an Bewerbern scheint trotz oder auch wegen der überaus raffinierten Eigenwerbung nicht allzu groß zu sein.