Essen-Steele

Essen-Steele

Rechter Aufmarsch zum ersten Mal erfolgreich verhindert

Gut 350 Antifaschistinnen und Antifaschisten kamen am 2. Januar 2020 nach Steele zum Protest gegen die faschistische und rassistische Truppe der „Steeler Jungs“, die sonst seit zwei Jahren fast jeden Donnerstag durch den Essener Stadtteil marschierte. Heute nicht - ein guter Jahresanfang!

Korrespondenz

„Steele bleibt bunt“ und „Aufstehen gegen Rassismus Essen“ haben die Protestdemos schneller als die Rechten direkt auf deren üblicher Route angemeldet, und das auch für die kommenden Wochen – so haben diese (erstmal) das Nachsehen. Hier wird nachgesetzt, bis diese rechten Aufmärsche auch in Essen der Vergangenheit angehören. Damit hat sich weiter die Richtung durchgesetzt, antifaschistische Aufklärung UND aktiven Widerstand gegen Faschisten und Rassisten zu verstärken. Eine Richtung, die unter anderem auch MLPD und REBELL aktiv vertreten – auch gegen massive Versuche der Polizei, das zu verhindern (Rote Fahne News berichtete). Ein großer Erfolg, der den Anliegen und dem Bedürfnis des großen Teils der Bevölkerung entsprach, und auf dem aufgebaut wird!

Das erste Mal seit zwei Jahren wurde der Nazi-Aufmarsch aktiv verhindert!

Redner am offenen Mikrophon

Das Internationalistische Bündnis wandte sich mit einem Offenen Mikrophon während der Demo an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und an die Bevölkerung. „Heute gibt es einen Grund zum Feiern! Das erste Mal seit zwei Jahren wurde der Nazi-Aufmarsch aktiv verhindert. Dazu muss auch 'Steele bleibt bunt' gratulieren. Aber reichen wird das nicht, weil das Problem damit nicht erledigt ist," so ein Redner. Von der Demoleitung waren nur je eine kurze Rede am Anfang, in der Mitte und am Ende vorgesehen. Ansonsten lief Party-Musik.

Mutige Mädchen statt Steeler Jungs

Rufparole

Viele stimmten zu, dass ein solches Thema auch inhaltliche Diskussion und Beiträge braucht. Denen hörten sie interessiert zu und brachten sich immer stärker auch selbst ein. Mutige junge Mädchen berichteten, wie sie und ihre Freundinnen erst in die Szene-Bar der „Steeler Jungs“ gelockt, und diese dann übergriffig wurden, als sich die antifaschistische Haltung der Mädchen herausstellte. Sie waren empört über das lasche Verhalten der Polizei. „Mutige Mädchen statt Steeler Jungs“ riefen daraufhin direkt mehrere im Chor. "Steeler Jungs" - mit diesem Begriff versuchen die Faschisten ihr Auftreten zu verharmlosen. Weitere berichteten von den Polizeiübergriffen am 19. Dezember und aufgeschlitzten Autoreifen. All dies sind wichtige Informationen für Bevölkerung und Teilnehmer. Und vor allem machen sie damit anderen Mut, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern das öffentlich zu machen, sich zusammenzuschließen und konsequent zu protestieren.

Der Antikommunismus darf in der antifaschistischen Bewegung keinen Einfluss bekommen!

Gabi Fechtner

 „Wir sind hier, weil wir nicht wollen, dass sich die Ereignisse der 1920er-Jahren in den 2020er Jahren wiederholen“, sagte eine Vertreterin von „Steele bleibt bunt“. Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, griff dies auf und wies auf die wichtigste Lehre der Weimarer Republik hin: Der Hitler-Faschismus wurde vom Kapital wie Thyssen, Krupp und anderen an die Macht gebracht. Aber weil die antifaschistische Bewegung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten gespalten war, war sie zu schwach, das zu verhindern. Darum darf der Antikommunismus in der antifaschistischen Bewegung keinen Einfluss bekommen.

 

Darüber gab es vor allem zu Beginn der Demo zum Teil heftige Auseinandersetzungen. Einzelne Teilnehmer versuchten vehement, das Auftreten der MLPD zu unterbinden mit Verweisen auf einen angeblichen Konsens, dass keine Parteien auftreten dürften. Eine Frau sagte hinterher: „Ich war erst auch dagegen, aus Angst vor einer Dauerbeschallung durch eine Person oder eine Richtung. Aber so war das ja gar nicht, es haben viele gesprochen, mit unterschiedlichen Anliegen und Standpunkten, das war wirklich gut und hat mich überzeugt!“

Nächste Woche noch größere antifaschistische Demo auf der gleichen Route

Schon am nächsten Donnerstag, dem 9. Januar 2020, soll eine noch größere antifaschistische Demonstration um 17.30 am Grendplatz starten, auf der gleichen Route. Dass damit die faschistische Gefahr durch diese Schlägertruppe nicht gebannt ist, zeigte sich nach Ende der Demo. Vier Faschisten lauerten einer Gruppe auf dem Weg zu ihrem Auto auf und überfielen sie überraschend. Sie klauten und zerstörten ihre Fahne. Dann riefen sie „Alleine seid ihr wohl zu feige, ihr Fot …!“ und liefen weg. Wie feige von ihnen, sich an jungen Frauen vom Jugendverband REBELL zu vergreifen! Ein weiterer Beweis, dass es ein schlechter Scherz ist, dass ausgerechnet die sogenannte Steeler Jungs die Bevölkerung angeblich vor Kriminalität schützen wollen. Der Vorfall wurde selbstverständlich zur Anzeige gebracht.

Umso mehr gilt: Wehret den Anfängen!