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Orkan „Sabine“ – alarmierende Wetterextreme

Das Sturmtief „Sabine“ hat in Europa große Schäden angerichtet. Viele Menschen wurden durch umstürzende Bäume oder andere Sturmfolgen verletzt. Drei Todesopfer werden bisher gemeldet.

Von fm / fjs
Orkan „Sabine“ – alarmierende Wetterextreme
Der überschwemmte Hamburger Fischmarkt am gestrigen 10. Februar (foto: Alinea (CC0))

Aufgrund der mittlerweile guten Frühwarnsysteme konnten die Folgen eingedämmt werden. So wurde der Bahnverkehr weitgehend eingestellt, Hunderte Flüge wurden gestrichen. Zahlreiche Autobahnabschnitte und Straßen mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.

 

Der Verkehr normalisiert sich seit gestern langsam wieder. Doch weitere Stürme sind im Anmarsch, die von einem starken Jetstream über den Atlantik geschaufelt werden.

Einschneidende Folgen

Trotz der Schutzvorkehrungen brachte Orkan "Sabine" das gesellschaftliche Leben gehörig durcheinander. In Frankreich waren 130.000 Haushalte ohne Strom, in Tschechien 100.000, in England 90.000 und in Polen 55.000. Unterrichtsausfälle und die Schließung von Kindergärten zwangen viele Familien zu kurzfristigen Lösungen für die Kinderbetreuung. Zahlreiche Menschen mussten stundenlang in überfüllten Bahnhöfen warten oder sich ganz von der Arbeit freinehmen.

 

Natürlich gibt es überall auch Diskussionen über die Ursachen zunehmend heftigerer Stürme und darüber, dass dies erst der Anfang des weiteren Übergangs zu einer globalen Umweltkatastrophe ist.

"Klimaverschwörer" aktiv?

Statt zur Aufklärung beizutragen, beschwert sich Meteorologe Jörg Kachelmann auf seinem Twitter-Account über die "Klimaverschwörer", die solche Zusammenhänge herstellen. 

 

„Sabine mit dem Klimawandel in Verbindung bringen zu wollen, ist abseitiger Unsinn. Man kann nicht den Jetstream1 totsagen und es dann auch wieder doof finden, wenn er wieder da ist. Der Klimawandel2 macht wegen der schneller warm werdenden Polarregionen eher weniger Stürme“, so Kachelmann.

Orkane häufen sich messbar

Das Gegenteil ist der Fall. In den letzten 30 Jahren häufen sich Orkanstürme in Deutschland deutlich.3 In den 1990er-Jahren wurden fünf nennenswerte Orkane registriert, in den 2000er-Jahren sechs, und seit 2010 bis heute traten neun Orkane mit tendenziell zunehmenden Windgeschwindigkeiten auf.4

 

Orkane entstehen, wenn eisige arktische Luft auf subtropische Luft trifft. Dieses Zusammentreffen hat sich aufgrund der Erwärmung des Weltklimas gehäuft. „Sabine“ hat sich südlich von Grönland über dem Nordatlantik gebildet. Ein extrem starker Jetstream, mit 400 Kilometern pro Stunde, katapultierte den Orkanwirbel von dort nach Europa.

Jetstreams werden instabiler

Dass solch starke Jetstreams auftreten, ist eine Folge ihrer zunehmenden Instabilität. Zeitweilig brechen sie mittlerweile auch ganz ab. Dazu wird im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" ausgeführt: "Die überdurchschnittliche und rasche Erwärmung der Arktis um 2 Grad Celsius seit 1980 beginnt den Jetwindgürtel auf der Nordhalbkugel zu destabilisieren. ... Als Folge werden Regionen für längere Zeit in eine Kältefalle eingeschlossen, während dicht daneben subtropische feuchte und warme Luftmassen nach Norden vorstoßen können." (S. 128)

 

Diese reale Veränderung festzustellen, hat nichts mit "Totsagen" oder "Dooffinden" der Jetstreams zu tun, wie Kachelmann behauptet. Die Entwicklung ist eben vom raschen Wechsel zwischen ihrem Abbrechen und ihrem umso stärkeren Auftreten gekennzeichnet. Das macht solche Stürme auch sehr unberechenbar und konkrete Prognosen zunehmend schwierig, weil sie durch diese Wechselwirkung verstärkt oder abgeschwächt werden können.

Bedeutende Erfahrungen der Umweltbewegung

Weder mit Panik noch mit dem Verschließen der Augen ist dieser Entwicklung beizukommen. Die fundierte Umweltanalyse der MLPD hilft bei der notwendigen Bewusstseinsbildung zur Höherentwicklung des Umweltkampfs.

 

Das letzte Jahr war von einer bedeutenden Höherentwicklung des Umweltbewusstseins der Massen geprägt. Hunderttausende gingen im Rahmen der Jugendumweltbewegung "Fridays for Future" auf die Straße. Es entwickelten sich Ansätze des Zusammenschlusses von Arbeiter- und Umweltbewegung.

 

Allerdings haben antikommunistische und liquidatorische Kräfte diese Bewegung inzwischen erheblich ausgebremst. Sie attackieren die breite überparteiliche Einheit und vor allem die Beteiligung der Revolutionäre, um die Höherentwicklung zu einer gesellschaftsverändernden Bewegung zu verhindern. So gingen die Demonstrationen zuletzt deutlich zurück.

Bündniskongress wird Schlussfolgerungen ziehen

Der am 16. Februar in Kassel stattfindende Bündniskongress des Internationalistischen Bündnisses, der dort gemeinsam mit der bundesweiten Montagsdemo-Bewegung tagt, wird unter anderem beraten, wie diese kritische Phase der Jugendumweltbewegung überwunden werden kann.

 

Eine wesentliche Schlussfolgerung aus der schädlichen Wirkung der antikommunistischen Ausgrenzung ist gerade der breite Zusammenschluss revolutionärer Parteien und Organisationen mit zahlreichen anderen fortschrittlichen, internationalistischen und konsequent ökologischen Kräften. Das Internationalistische Bündnis hat diesen Weg seit seiner Gründung 2016 erfolgreich beschritten.

 

Alle Interessierten - gerade aus der Umweltbewegung - sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen (mehr dazu)!