Zwickau

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Heute vor 60 Jahren: Grubenunglück in Zwickau

Am 22. Februar 1960, um 8:20 Uhr, fand das größte Grubenunglück in der damaligen DDR im Steinkohlebergwerk „Karl Marx“ in Zwickau statt. Seither sind 60 Jahre vergangen - aber nichts ist vergessen! Tief im Gedächtnis und in den Herzen der Bergarbeiterfamilien und der ganzen Bevölkerung liegen diese dramatischen Ereignisse begraben.

Korrespondenz

Eine Schlagwetter- bzw. Kohlenstaubexplosion löste den  Grubenbrand aus. 123 der 178 eingefahrenen Bergleute kamen im Schacht in 1000 Meter Tiefe ums Leben. Eine beispiellose Rettungsaktion der Grubenwehr des Bergwerks begann. Die Werksgrubenwehr war 20 Minuten später einsatzbereit. Um 8.45 Uhr fuhr sie ein. Vor den Toren des Bergwerks standen die Familien und Kollegen. Aus der damaligen Tschechoslowakei eilten weitere Grubenwehren herbei

 

Am Abend des 22. Februar waren 460 Grubenwehrleute im Einsatz, die sich unter Tage ablösten. Die Explosion hatte im Nu nahezu den gesamten Sauerstoff verbraucht. Ein Großteil der Bergleute starb sofort. Sie konnten nicht mal ihren „Selbstretter“ aufziehen. Am  23. Februar wurden die ersten 17 Toten geborgen. 55 Kumpel konnten sich selbst retten oder waren von der Grubenwehr gerettet worden. 106 Bergleute galten noch als vermisst.

 

Für den 27. Februar 1960 wurde durch die Regierung der DDR Staatstrauer ausgerufen. Um 12.00 Uhr ruhte im gesamten Land für zwei Minuten die Arbeit, es war halbmast geflaggt, in Zwickau läuteten sämtliche Glocken. Auf dem zentralen Veranstaltungsplatz der Stadt, dem damaligen Stalinplatz, wurde eine Gedenktafel mit den Namen der Toten und der vermissten Bergleute aufgestellt, an der Tausende vorbeizogen, um Kränze oder Blumen abzulegen und ihre Anteilnahme zu bekunden. Auch in den Gruben im Ruhrgebiet und im Saarland wehten die Fahnen auf halbmast. Die Kumpel in Deutschland waren in Trauer vereint. Am 22. Februar wird jährlich an dieses Unglück gedacht – auch heute noch!

 

Der selbstlose Einsatz der Bergleute und ihrer Grubenwehren zeugen vom hohen Klassenbewusstsein der Bergarbeiter in Zwickau. Die neue Bourgeoisie in der DDR hatte damals den Weg des hoffnungsvollen sozialistischen Aufbaus schon verraten gehabt. Eine lückenlose Aufklärung der Ursachen des Grubenunglücks fand nicht statt.

 

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