Fukushima

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Stilllegung aller Atomanlagen muss sich gegen monopolistische Reaktorkonzepte durchsetzen

Am 11. März 2020 jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum 9. Mal. Im Sommer 2020 werden die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden, einige Wettkämpfe sogar in Fukushima selbst.

Von kf
Stilllegung aller Atomanlagen muss sich gegen monopolistische Reaktorkonzepte durchsetzen
Demonstration in Brüssel am 27. Januar 2019 (Foto: Alexandros Michailidis shutterstock_1296408577.jpg)

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW hat die Kampagne „Tokyo 2020 – The Radioactive Olympics" gestartet. Sie bereitet eine Anzeige vor, die am 11. März in größeren Printmedien erscheinen soll (siehe auch IPPNW-Webseite).

Lebensbedrohende Strahlung

Die IPPNW-Aktivisten schreiben: „Die Olympischen Spiele 2020 in Japan sollen suggerieren, der Super-GAU in Fukushima sei vorbei. Tatsächlich ist die Situation rund um die ‚havarierten‘ Atomreaktoren jedoch keineswegs ‚unter Kontrolle‘. Im Inneren der zerstörten Reaktoren herrscht nach wie vor lebensbedrohliche Strahlung. Die Atomruinen müssen durch ununterbrochene Wasserzufuhr gekühlt werden. Große Teile des kontaminierten Wassers verseuchen trotz massiver Gegenmaßnahmen weiterhin Grundwasser und Meer, der aufgefangene Teil des radioaktiven Abwassers wird in riesigen Tanks gespeichert. Wegen Platzmangels soll das stark verstrahlte Wasser ab 2022 direkt in den Pazifik abgelassen werden … Die japanische Regierung hat nach dem Super-GAU die Grenzwerte von einem auf 20 Millisievert im Jahr erhöht, um eine Rückkehr der Bewohner in die dekontaminierten Gebiete zu erzwingen. Sie verstößt damit gegen international geltende Strahlenschutzregeln. Insbesondere Kinder und Schwangere sind gefährdet.“

Regierung spielt gesundheitliche Folgen zynisch herunter

Menschen, die zum Zeitpunkt des Super-GAUs in Fukushima in der radioaktiv verseuchten Zone Kinder waren, sind 26 Mal häufiger von Schilddrüsenkrebs betroffen als die Bevölkerung im Durchschnitt. Mit blankem Zynismus begegnet die japanische Regierung diesen schweren gesundheitlichen Folgen: Die Leute sollen Jod-Tabletten einnehmen; notfalls gebe es Operationen. Niemand weiß, wohin mit der gigantischen Menge Atommüll, der Jahrtausende lang weiter strahlen wird. Japans Regierung will die Olympischen Spiele als willkommene Gelegenheit missbrauchen, um der Welt zu demonstrieren, der Atomunfall sei Geschichte. Sie verharmlosen in gefährlicher Weise den Super-GAU, seine Auswirkungen und Folgen.

Spiegel berichtet freundlich über "neue Reaktorkonzepte" von Bill Gates

In der Ausgabe 51/2019 berichtete der Spiegel auffallend positiv über Atomkraft als vermeintliches Mittel zur Lösung der heraufziehenden Klimakatastrophe. Titel: „Atomkraft? Ja bitte! Rettet uns die Kernkraft vor dem Klimakollaps?“ Die Stiftung des Microsoft-Gründers und Multimilliardärs Bill Gates, der seit Jahren „neue Reaktorkonzepte“ propagiert, unterstützt den auflagenschwächelnden Spiegel bereits seit Monaten finanziell. Auf der grünen Welle reitend als vermeintliche Retter vor der Klimakatastrophe machen Gates und die Energie-Monopole Stimmung für „neue Mini-AKWs“. An diesen kleinen Reaktoren wird schon geraume Zeit geforscht, unter anderem in den USA für militärische Zwecke wie der Energie-Versorgung von U-Booten.

 

Auch wenn durch moderne Technik bestimmte Gefahren reduziert werden können: An der grundlegenden Tatsache, dass es keine sichere Beherrschung der Atomenergie gibt, ändert das nichts. Kritisch schreibt der Regionalverband Südlicher Oberrhein des BUND: "In jedem dieser Mini-Reaktoren entsteht die Radioaktivität vieler Hiroshima-Bomben. Ein Unfall oder ein Anschlag auf ein Kleinst-AKW könnte eine Stadt unbewohnbar machen."

Absurde Rechtfertigung mit angeblicher "Brückentechnologie"

Absurd ist die imperialistisch-ökologische Rechtfertigung für Atomkraftwerke als angeblicher „Brückentechnologie“ hin zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Diese Argumentation ist unter anderem im Pariser Klimaabkommen enthalten. Statt den Ausbau erneuerbarer Energiequellen so schnell wie möglich voranzutreiben, halten die imperialistischen Regierungen damit nicht nur am Weiterbetrieb von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken fest, sondern auch an den genauso umweltschädlichen und -gefährdenden Atomkraftwerken. Die faschistoide AfD ist auch auf diesen Zug aufgesprungen.

Nutzung auch für militärische Zwecke

Bislang konnte der aktive Widerstand eine Aufkündigung der von der Bundesregierung beschlossenen Abschaltung der AKWs in Deutschland verhindern. Jedoch sind Monopole wie Siemens, Bilfinger oder RollsRoyce weiter aktiv im Reaktorbau, wird Kernforschung weiterhin ohne Begrenzung betrieben und will die Bundesregierung über die Zusammenarbeit mit dem französischen Imperialismus Zugriff auf Atomwaffen.

Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!

Anlässlich des Fukushima-Jahrestags finden große Protestdemonstrationen statt; in Deutschland unter anderem in Berlin am 7. März 2020 um 12 Uhr am Brandenburger Tor und am 8. März 2020 in Neckarwestheim. Forderungen sind unter anderem, dass sofort alle Maßnahmen gestoppt werden, mit denen die japanische Regierung Strahlenflüchtlinge zur Rückkehr in verstrahlte Gebiete nötigt.

 

Die MLPD fordert: Baustopp und Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber – weltweit! Aktiver Umweltschutz im Kampf gegen die Profitwirtschaft! Beseitigung der Umweltschäden auf Kosten der Verursacher! Zur Durchsetzung bedarf es eines weltweiten Massenwiderstands. Damit die Einheit von Mensch und Natur tatsächlich wiederhergestellt und höherentwickelt werden kann, muss der Kapitalismus revolutionär überwunden und unter der Herrschaft der Arbeiterklasse eine sozialistische Gesellschaft aufgebaut werden.