Erlangen
Kevin Kühnert und der Sozialismus
Am 28. Februar kam Kevin Kühnert (stellvertretender SPD- und Juso-Vorsitzender) aus Anlass der Kommunalwahlen am 15. März in Bayern nach Erlangen, zu einem gemeinsamen Auftritt mit dem Erlanger Oberbürgermeister.
Kühnert erzählte zuerst eine Dreiviertelstunde lang seine Visionen und guten Absichten - unheimlich schnell, frei, ohne vom Blatt abzulesen. Erst dann kamen die Moderatorin und der Oberbürgermeister zu Wort. Im gesamten Vortrag kam das Wort „Sozialismus“ kein einziges Mal vor.
Deswegen fragten wir nach Eröffnung der Fragerunde Kevin Kühnert nach seiner Vorstellung vom Sozialismus. Der Fragesteller wies auf den 200. Geburtstag von Friedrich Engels hin. Da nahm ihm der Erlanger Juso-Vorsitzende Munib Agha das Mikrofon weg - mit der Bemerkung: „Wo ist die Frage?“ Damit war die Fragestellung abrupt vor dem entscheidenden Punkt, ob er den Sozialismus als Wissenschaft sieht, abgebrochen worden.
Immerhin nahm Kühnert dann ausführlich Stellung: Mit dem demokratischen Sozialismus wollte er eine alte Vision der Sozialdemokratie ansprechen. Und gegen die Hufeisentheorie „links gleich rechts“ Stellung beziehen, aber natürlich ist er gegen die Zwangsvereinigung der KPD und SPD in der DDR. Aber er wurde erst durch die Frage gezwungen, das Wort Sozialismus überhaupt in den Mund zu nehmen. Vorher wurde es von allen peinlich vermieden.
Hier drängt sich der Eindruck auf, dass das Wort „Sozialismus“ lediglich als opportunistische Phrase missbraucht wird. Eine undemokratische Methode ist es allemal, einen Fragesteller mitten im Wort abzuwürgen.