Opel-Zentrallager Bochum

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Aufrechterhaltung des Betriebs um jeden Preis

Spätestens seit Mitte der Woche ist die Corona-Pandemie das beherrschende Thema unter den Kollegen: am Donnerstag musste die Geschäftsleitung offiziell bekannt geben, dass ein erster Kollege positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurde und erkrankt ist.

Korrespondenz aus Bochum

Nicht einmal eine Handvoll Kollegen seines unmittelbaren Umfelds wurden durch das Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt. Und das in einem Betrieb mit fast 1.000 Beschäftigen aus dem gesamten mittleren Ruhrgebiet, die zum Teil auf engem Raum zusammenarbeiten!


In der Belegschaft entfaltet sich seitdem eine massive Kritik an der Geschäftsleitung, die offensichtlich aus reinem Profitinteresse an der Aufrechterhaltung des Lagerbetriebs festhält. Bereits am Donnerstag Abend kam die Arbeit dadurch zeitweise zum Stillstand. Statt verantwortungsvoll zu reagieren, machen einzelne Vorgesetzten Stimmung nach dem Motto: „Wenn wir das Lager jetzt schließen, dann bleibt es für immer geschlossen!“

Betriebsversammlung abgesagt - Betrieb läuft weiter

Besonders kritisieren die Kolleginnen und Kollegen, dass aus angeblicher Rücksicht auf die Gesundheit zwar die Betriebsversammlung am 7. März abgesagt und verschoben wurde, aber eine Stilllegung des Betriebs unbedingt verhindert werden soll.


Von der Geschäftsleitung selbst aufgestellte Verhaltensregeln wie das Abstandhalten von mindestens einem Meter zueinander oder das regelmäßige Desinfizieren können aufgrund der Gegebenheiten und wegen fehlender Desinfektionsmittel gar nicht eingehalten werden. Mittlerweile ließ die Geschäftsleitung sogar Scheibenreiniger verteilen, um das Fehlen von Desinfektionsmitteln zu kaschieren.

OFFENSIV fordert zeitweilige Betriebsstilllegung

Beschäftigten mit Vorerkrankungen oder gefährdeten Personen in ihrem unmittelbaren persönlichen Umfeld wird eine bezahlte Freistellung von der Arbeit nur nach großem Protest, zum Teil bislang gar nicht ermöglicht. Keine Rolle spielt für die Geschäftsleitung auch, welche Folgen die Pandemie für die Familien hat, deren Kinder jetzt zuhause betreut werden müssen.


Die Betriebsratsliste OFFENSIV (Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit) hat sich am Freitag Morgen darauf verständigt, die Forderung nach einer vorläufigen Stilllegung des Betriebs zu erheben, um einer Ausbreitung der Infektion vorbeugen zu können und die Kolleginnen und Kollegen sowie ihre Familien zu schützen. Hierzu fanden am Freitag mehrere Informationsrunden und Massendiskussionen in den verschiedenen Bereichen statt, und diese Forderung trifft auf eine breite Zustimmung.