Gedenkfeiern

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Vor 100 Jahren: Erfolgreiche Märzkämpfe gegen faschistischen Kapp-Putsch

In den Märztagen vor 100 Jahren gelang es einer antifaschistischen Einheitsfront mit der Arbeiterbewegung als Kern, den faschistischen Militärputsch unter Führung von Wolfgang Kapp und General Walther von Lüttwitz niederzuringen.

Von ms / ffz / Korrespondenzen
Vor 100 Jahren: Erfolgreiche Märzkämpfe gegen faschistischen Kapp-Putsch
Das feierliche Gedenken auf dem Friedhof Duisburg-Walsum (rf-foto)

Eines der bedeutendsten Kapitel in der Geschichte der Arbeiterbewegung Deutschlands wird heute diffamiert, verzerrt oder totgeschwiegen. Denn die führende Rolle revolutionärer Kräfte und der Arbeiterbewegung im Kampf gegen die drohende faschistische Diktatur widerlegt die antikommunistische Gleichsetzung von rechts und links. Die Mitglieder der KPD standen damals in der ersten Reihe.

 

Die Geldgeber und Hintermänner der faschistischen Freikorps waren führende Industrielle und Bankiers wie Stinnes und Thyssen. Kapp selbst saß im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Die SPD-geführte Regierung flüchtete nach Stuttgart.

Bewaffnete Arbeiterbataillone aufgestellt

Zwölf Millionen Arbeiter folgten dem Aufruf der Arbeiterparteien und Gewerkschaften zum bis heute einzigen politischen Generalstreik in der Geschichte Deutschlands.

 

Aufgrund bitterer Erfahrungen im Weltkrieg und der Novemberrevolution war der Masse der Arbeiter klar: Ein friedlicher Streik wird die faschistischen Militärs nicht an der Machtübernahme hindern. In ganz Deutschland entstanden bewaffnete Arbeiterbataillone. Der Roten Ruhrarmee im industriellen Zentrum Deutschlands schlossen sich bis zu 100.000 Berg- und Stahlarbeiter an.

Wichtige Lehren für die Zukunft

Gegen die bewaffnete Arbeiterklasse kamen die Putschisten nicht an. Doch nach ihrer Niederlage machten die nach Berlin zurückgekehrten SPD-Führer gemeinsame Sache mit den faschistischen Freikorps. Sie ließen ihnen freie Hand, gegen die bewaffneten Arbeiter vorzugehen. Im Auftrag der Regierung fiel schließlich die Reichswehr im Ruhrgebiet ein. Der konterrevolutionären Gewaltorgie fielen mindestens 2.000 Menschen zum Opfer.

 

Beim Gedenken an die heldenhaften Taten der Märzkämpfer geht es vor allem auch darum, Lehren aus den damaligen Kämpfen zu ziehen - für den erneut notwendigen Aufbau einer breiten Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg sowie für den Kampf um eine sozialistische Zukunft.

Stilles Gedenken in Gelsenkirchen

Auch wenn mehrere zentrale Aktivitäten zum Gedenken an die Märzkämpfe wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben werden mussten, fanden beziehungsweise finden kleinere Veranstaltungen weiterhin statt.

 

So unter anderem gestern Nachmittag an der Gedenkstätte für die Ruhrkämpfer auf dem Friedhof in Gelsenkirchen-Horst. Dort legten Einzelpersonen von Kumpel für AUF, AUF Gelsenkirchen, Linkspartei, DKP, MLPD, REBELL, Freidenkern, VVN-BdA und vom Frauenverband Courage Blumengebinde und Kränze nieder.

Viele Bergleute bei Veranstaltung in Duisburg

Von einer Feier, die gestern in Duisburg stattfand, berichtet ein Korrespondent: "Dieses Jahr kamen rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Darunter viele Bergleute und erstmals auch eine Gruppe Migranten aus der Türkei.

 

Eine Walsumer Schülerin legte ein Blumengebinde mit Schleifen 'zu Ehren der Kämpfer und Opfer' nieder. Der Ruhrchor begleitete das Gedenken mit den Liedern 'Unsterbliche Opfer' und dem 'Soldatenlied' von Erich Mühsam. Heinz Berning, ehemaliger Betriebsrat der Zeche Walsum und Initiator eines Gedenksteins der Zwangsarbeitsopfer, sowie Wolf-Dieter Rochlitz im Namen von Kumpel für AUF hielten bewegende Ansprachen.

 

Als roter Faden durchzog die Veranstaltung die Verpflichtung, gemeinsam für den Kampf gegen Antikommunismus, Rassismus und Antisemitimus einzutreten. Grußworte von Prof. Roland Günter (Kulturhistoriker aus dem Ruhrgebiet), Jürgen Blumer (Kreisvorsitzender der MLPD Duisburg), Doris Michel (VVN-BdA Duisburg) und Theo Beckmann (Fraktionsvorsitzender der Grünen in Datteln) unterstützten den gelungenen Jahrestag."

Namen aller 15 Opfer aus Gera vorgetragen

Dieter Ilius von der MLPD Gera berichtet vom dortigen Gedenken, das trotz offizieller Absage abgehalten wurde: "Es kamen nach und nach eine ganze Reihe von Menschen. Schließlich waren es 25 Personen und wir waren der Anziehungspunkt dabei. In meiner Ansprache ging ich auf die Bedeutung der Ereignisse vor 100 Jahren im Ruhrgebiet und die Rolle der Roten Ruhrarmee, aber auch auf die Märzkämpfe in Gera ein.

 

Dann trug eine Genossin die Namen der 15 Geraer Opfer vor. Nach einer Schweigeminute sangen wir das Lied 'Unsterbliche Opfer'. Selbst der Abgesandte der Stadt, der im Auftrag den städtischen Kranz niederlegte, freute sich offensichtlich, dass so etwas stattfand."

Gedenkveranstaltungen werden nachgeholt

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu den weiteren Aktivitäten zu "100 Jahre Märzkämpfe und Rote Ruhrarmee", die unter Berücksichtigung der Corona-Gefahren noch stattfinden oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.