Argumentationshilfe

Argumentationshilfe

Die Lüge vom „Massenmörder“ Lenin

Ein antikommunistisches Lieblings-„Argument“ von CDU und SPD in Gelsenkirchen-Horst gegen die Aufstellung einer Lenin-Statue durch die MLPD ist der Vorwurf, Lenin wäre ein „Massenmörder“ gewesen.

Von Peter Weispfenning

Im Zentrum dieser Attacke steht Lenins Handeln gegen den konterrevolutionären Terror und den Bürgerkrieg gegen die Sowjetmacht nach dem Sieg der sozialistischen russischen Oktoberrevolution 1917. Der Vorwurf des „bolschewistischen Massenmords“ gegen Lenin ist nicht neu. Hitler hetzte schon 1920 über einen angeblichen „Massenmord“ in Russland.1

 

Das ist als ein antikommunistischer Grundmythos tief in die bürgerliche Ideologie eingegangen. Heute wird es von der ganzen Phalanx der Antikommunisten, von rechten Funktionären der Linkspartei über die SPD und CDU bis zur faschistoiden AfD oder zu den Neofaschisten penetrant nachgebetet. Dabei ist es eine ausgesprochene Lüge.

 

1917 siegte die erste sozialistische Revolution mit der Oktoberrevolution in Russland unter Lenins Führung. Lenin versprach den Massen besonders „Frieden und Land“. Der imperialistische erste Weltkrieg, der über 20 Million Todesopfer forderte, wurde beendet. Das Proletariat übernahm im Bündnis mit Teilen der Bauernschaft die Macht im Staat. Gestützt auf die Dorfarmut erhielten die Bauern gegen den erbitterten Widerstand der Gutsbesitzer Schritt für Schritt Land und Brot. In der Nummer 35 der Schriftenreihe REVOLUTIONÄRER WEG („Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“) fasste Stefan Engel die welthistorische Bedeutung zusammen:

 

„Als erster sozialistischer Staat war die Sowjetunion während ihrer ganzen Existenz wütenden Angriffen von innen und außen ausgesetzt. 14 imperialistische Staaten intervenierten in den Bürgerkrieg, den die Konterrevolutionäre seit 1918 gegen die siegreiche Oktoberrevolution führten. … Im II. Weltkrieg überfiel die Wehrmacht der Hitler-Faschisten die UdSSR und richtete verheerende Zerstörungen an. Dass die sowjetischen Arbeiter und Bauern trotzdem den Sozialismus aufbauten, war ein Signal von welthistorischer Bedeutung.“ (Seite 283)

 

Nachdem in der Sowjetunion die Arbeiter im Bündnis vor allem mit den kleinen Bauern unter Lenins Führung die Macht ergriffen hatten, erschütterte eine Welle des konterrevolutionären, des sogenannten weißen Terrors das Land. Darauf musste sich die Politik Lenins einstellen. Das bestätigt auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Artikel am 4. März 2020 „Lenin steht demnächst im Westen“. Dort heißt es – in einem durchaus teils ironischen -Artikel:


„Nach der Revolution vom Oktober 1917 haben die Sieger 'nicht einmal die bürgerlichen Zeitungen verboten'. … Die Expansion von Lenins Toleranz kam an ihre Grenzen, als die bürgerlichen Leitartikler nicht davon abließen, seinen Bürgerkriegsgegnern Munition zu liefern. Der dialektische Umschlag war die notwendige Folge: 'Nachdem die Ausbeuter ihren Widerstand verstärkten, sind wir an die systematische Unterdrückung dieses Widerstands gegangen.' Mit den Zitaten erläutert die ... MLPD die Weisheit des Staatsmanns ...“ So schreibt man, wenn man keinen antikommunistischen Schaum vorm Mund hat!

 

Selbst die Zeitung WELT kam in einem Artikel vom 2.5.2019 „Russischer Bürgerkrieg – warum die Bolschewiki die Weißen besiegten“ zu dem Ergebnis: „Zu den Weißen zählten auf der Rechten Protofaschisten über Kadetten und liberale Sozialrevolutionäre in der Mitte bis hin zu einigen Sozialrevolutionären auf der Linken des Spektrums“, schreibt der Historiker Martin Aust. Mit den Generälen des Zaren hatten viele nur das Ziel gemein, den Sturz der Bolschewiki … Juden sahen sich massenhaft Pogromen ausgesetzt.“

 

Der weiße Terror richtete sich besonders gegen Führer der kommunistischen Partei und des Sowjetstaats und gegen ihre Funktionäre an der Basis. Im Jahr 1918 nahm der weiße Terror große Ausmaße an. Allein im Juli wurden in 22 Gouvernements der russischen sozialistischen föderativen Sowjetrepublik 414 Terrorakte gegen Vertreter der Sowjetmacht verübt. Tausende fortschrittliche Arbeiter und Bauern kamen ums Leben. Am 30. August 1918 wurde ein Mordanschlag auf Lenin verübt.

 

Der Geheimdienst „Tscheka“ deckte Dutzende von Verschwörungen illegaler Organisation auf und nahm hunderte von Verrätern, Spionen und Saboteuren fest. Allein im Juli 1918 wurden mehr als 4.000 Partei-und Sowjetfunktionäre sowie Dorfaktivisten ermordet, im August etwa 340 und im September mehr als 6.000. Außerdem wurden 5.000 Mitarbeiter der bewaffneten Einheiten sowie 4.500 Arbeiter aus den Abteilungen für Lebensmittelbeschaffung von weißgardistischen Kosaken-Meuterern umgebracht. Allein im zweiten Halbjahr 1918 fielen mehr als 20.000 Angehörigen der Arbeiterklasse und der Dorfarmut im Kampf gegen die Kosaken.2

 

Der weiße Terror sollte den Aufbau des Sozialismus verhindern. Es wurden Kampagnen durchgeführt, um die Massen abzuschrecken. Nach dem Motto, jeder, der sich mit den Weißen anlegt oder die Sowjetmacht unterstützt, muss wissen, dass er sterben kann, sein Hof angezündet wird oder Ähnliches. Gegen diesen weißen Terror setze die Sowjetmacht energische Gegenmaßnahmen ein: Militärischer Art, geheimdienstlicher Art und besonders durch die breite Mobilisierung der Massen. Gestützt auf die Dorfarmut wurde der weiße Terror immer weiter zurückgedrängt.

 

Die Reaktionäre im russischen Inland verbündeten sich immer enger mit den verschiedensten imperialistischen Ländern, nachdem sie im Land immer mehr in die Defensive geraten waren.

 

14 imperialistische Länder überzogen die Sowjetmacht von 1918 bis 1922 mit einem Invasionskrieg, darunter Großbritannien, Frankreich, die USA und Japan, aber auch unterstützt von deutschen Reaktionären. Ehemalige imperialistische Kriegsgegner fanden sich in einem gemeinsamen Kampf gegen den Sozialismus/Kommunismus wieder, vereint mit alten zaristischen Kräften.


Der weiße General Denikin, einer der Führer der Konterrevolution, erhielt allein 100 Millionen £ Sterling aus Großbritannien und 30 bis 40 Millionen aus Frankreich. Die englischen Truppen auf dem russischen Gebiet wurden mit 18 Millionen £ Sterling unterstützt. 1919 kontrollierten die Bolschewiki nur noch etwa 10 Prozent des Territoriums des ehemaligen Zarenreichs. Man geht von ca. 7 Millionen Toten in dieser Zeit durch unmittelbare Kriegsfolgen, Hunger oder Krankheiten aus. Heute wird auch von bis zu 10 Millionen Toten gesprochen, wovon bis zu 1,2 Millionen Soldaten vor allem auf Seiten der Sowjetunion waren. Das war Massenmord, durch die weißen Reaktionäre und die imperialistischen Interventionisten!

 

Die Industrieproduktion sank auf den Stand von 1912. Der Krieg hatte das Land schlimmer verwüstet als Napoleons Feldzug 1812. Und die ganzen Angriffe auf die junge Sowjetmacht erfolgten natürlich alle unter dem Schlachtruf des Kampfs für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und gegen das angeblich mörderische Sowjetregime …

 

Im Windschatten der weißen Truppen häuften sich die Pogrome. Als die Kosakenarmee unter General Denikin im Sommer/Herbst 1919 in der Ukraine einmarschierte, organisierte dieser Pogrome gegen Juden. Diesen fielen etwa 150.000 Tote zum Opfer. Im Sommer 1919 steigerten sich die weißen Armeen bei ihrem Vormarsch aus der Don-Region in Richtung Moskau in einen Blutrausch, mit offiziell 1.500 Toten beim Pogrom in Fastow. Die Bolschewiki bekämpften und vereitelten Pogrome durch ihre Truppen, wo sie nur konnten. Die junge Sowjetmacht mobilisierte die letzten Kräfte des Landes, baute eine schlagkräftige Rote Armee auf, und siegte schließlich. Dazu heißt es in dem oben genannten WELT-Artikel:

 

„Ab 1920 ging die Rote Armee schließlich an allen Fronten in die Offensive. … Aber bis 1924 gelang, die – höchst blutige – Wiedereinsammlung aller Gebiete, die einst zum Zarenreich gehört hatten, mit Ausnahme Finnlands, Polens und der baltischen Staaten. Das hatte mehrere Gründe. Der Wichtigste war sicherlich der schnelle Aufbau der Roten Armee. Im Januar 1918 gegründet, zählte sie im Mai 1919 bereits 1,5 und 1920 fünf Millionen Mann. … Einen weiteren, wohl entscheidenden Grund aber lieferten die Weißen: ihre Uneinigkeit. … Der Krieg aber wurde von den Generälen geführt, und die standen aus der Sicht der leidenden Bevölkerung für das abgewirtschaftete Regime des Zaren, für die Rückkehr des Adels, der Unternehmer, der imperialen Bürokratie. Die Unterstützung, die die Weißen durch Mittelmächte, Entente, Polen, Tschechien, Finnland, Japan und die USA in Fernost erfuhr, machte sie zudem zu Verbündeten in einem Krieg gegen die eigene Nation.“

 

Schon damals wurde das völlig berechtigte Vorgehen gegen den weißen Terror als "Terrorismus" diffamiert. Darauf gab Lenin die treffende Antwort:

„Die Leute, die davon sprechen, die Bolschewiki verletzten die Freiheit, die Leute, die die sozialistische Einheitsfront vorschlagen, d. h. die Vereinigung mit denjenigen, die schwankten und schon zweimal in der Geschichte der russischen Revolution zur Seite der Bourgeoisie abglitten, beschuldigen uns gern, wir griffen zum Terror. Sie sagen, die Bolschewiki hätten in der Regierung ein Terrorsystem eingeführt, sie sagen, um Rußland zu retten, sei es notwendig, daß die Bolschewiki auf den Terror verzichten. Ich erinnere mich an einen geistreichen bürgerlichen Franzosen, der, auf bürgerlichem Standpunkt stehend, über die Abschaffung der Todesstrafe sagte: 'Mögen mit der Abschaffung der Todesstrafe die Herren Mörder beginnen.'


Diese Antwort fällt mir ein, wenn man sagt: 'Die Bolschewiki sollen auf den Terror verzichten.' Mögen darauf die Herren Kapitalisten in Rußland und ihre Verbündeten, Amerika, Frankreich und England, verzichten, d. h. diejenigen, die Sowjetrußland den Terror aufgezwungen haben! Das sind jene Imperialisten, die mit ihrer ganzen Militärmacht, die tausendmal stärker ist als unsere, über uns hergefallen sind und heute noch über uns herfallen. Ist das etwa kein Terror, wenn alle Ententeländer, alle Imperialisten Englands, Frankreichs und Amerikas jeweils einen der Diener des internationalen Kapitals in ihren Hauptstädten beherbergen - gleich ob sie Sasonow oder Maklakow heißen - , die Hunderte und Zehntausende unzufriedener, ruinierter, beleidigter und empörter Bourgeois und Kapitalisten organisiert haben? Wenn Sie von den Verschwörungen in Militärkreisen gehört ... haben - was war denn das anderes als eine Äußerung des Terrors der Bourgeoisie der ganzen Welt, die vor keiner Grausamkeit, keinem Verbrechen zurückschreckt, die jegliche Gewalt anwendet, um die Ausbeuter in Rußland wieder an die Macht zu bringen und den Brand der sozialistischen Revolution auszulöschen, der jetzt sogar ihre eigenen Länder bedroht? Von da also kommt der Terror, sie also tragen die Verantwortung!“3

 

Nach dem Sieg gegen die offene Konterrevolution wurde unter Lenins Führung sofort daran gegangen, auch die Regierungsmethoden zu verändern. Lenin hatte schon während des Bürgerkriegs angekündigt, dass man die notfalls auch gewalttätige Unterdrückung der Konterrevolution „auf ein Minimum“ beschränken müsse, „sobald wir mit der Hauptquelle des Terrorismus, mit der Invasion des Weltimperialismus, mit den militärischen Verschwörungen und dem militärischen Druck des Welt Imperialismus auf unser Land Schluss gemacht haben.“4

 

Der Sieg der Bolschewiki gegen den weißen Terror und die ausländische Intervention wurde gestützt auf eine breite internationale Solidarität unter der Losung „Hände weg von Sowjetrussland“ erkämpft.

 

Während der ganzen Zeit auch des härtesten Kampfs gegen den weißen Terror wurde die Sowjet(Räte)-Bewegung ausgebaut, die Arbeiterklasse und die kleinen und mittleren Bauern wurden besser geschult, ausgebildet und Voraussetzungen für den künftigen sozialistischen Aufbau geschaffen. Lenin war kein „Massenmörder“, er war ein Vorkämpfer für Freiheit, Demokratie und Sozialismus.

 

Texte aus dem REVOLUTIONÄREN WEG zum Klassenkampf nach der Oktoberrevolution

 

Lenin: Wer sind die Terroristen?

 

Lenin: Die fortschrittliche Rolle von Befreiungskrieg und Bürgerkrieg in den USA

 

Zur Rolle Deutschlands bei der Intervention gegen Sowjetrussland

 

Was wurde aus der Zarenfamilie wirklich?

 

Buch "Die Neunzehn - Roman aus dem russischen Bürgerkrieg"

 

Lied "Partisanen von Amur"