Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Börsencrash: "Es herrscht die nackte Angst"

“Wir werden es nicht zulassen, dass das Virus die deutsche Wirtschaft infiziert“, so beschwor Wirtschaftsminister Peter Altmaier panisch den sich am Montag ausbreitenden weltweiten Börsencrash.

Von dg / har
Börsencrash: "Es herrscht die nackte Angst"
Blick auf die Wertpapierbörse in Frankfurt am Main (foto: I, Dontworry (CC BY-Sa 3.0))

Altmaier kündigte an, weitere 12,4 Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen. Ob das die weitere Vertiefung der Weltwirtschafts- und Finanzkrise aufhalten wird, ist zu bezweifeln. "Es herrscht die nackte Angst" unter den Börsenspekulanten, meldet heute die Frankfurter Rundschau. Tatsächlich erlebten viele Börsen die tiefsten Einbrüche seit dem Beginn der letzten Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008.

Börsenkurse brachen weltweit ein

Der Absturz begann in Asien. Der japanische Nikkei-Index fiel um 5,1 Prozent, der Hang Seng in Hongkong um 4,2 Prozent. In Australien fielen die Kurse um 7,3 Prozent, der tiefste Fall seit der Finanzkrise im Oktober 2008. Der Dow Jones fiel um 7,79 Prozent, hier war es der höchste Tagesverlust seit Dezember 2008. Der Börsenhandel wurde sogar für 15 Minuten eingestellt, um die Panik einzudämmen.1

 

Der Kurs des Dax aus den 30 führenden deutschen Börsenwerten brach am 9. März um 7,94 Prozent auf 10.625 Punkte ein, nachdem er erst letzte Woche drastisch zurückgegangen war.

Virus-Pandemie vertieft Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Die Pandemie des neuartigen Coronavirus vertieft die bereits seit Mitte 2018 begonnene Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Mit der Niedrigzinspolitik wurden den Monopolen gewaltige Summen zur Verfügung gestellt, um dieser Krisenentwicklung entgegenzuwirken, sodass es bisher keinen abrupten Einbruch gab. Trotz der Produktionsrückgänge stiegen die Aktienkurse.

 

Auf Rote Fahne News wurde schon am 16. Januar vor den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gewarnt: „Diese Politik geht jedoch einher mit einer enormen Aufblähung der Kapitalspekulation, und sie birgt die Gefahr, dass Spekulationsblasen platzen und zahlreiche Unternehmen und Staaten zahlungsunfähig werden. Platzen solche Spekulationsblasen, könnte das eine abrupte Vertiefung der Weltwirtschafts- und Finanzkrise einleiten.“ Genau das ist jetzt mit dem Börsencrash eingetroffen.

Ölpreis bricht um 30 Prozent ein

Neben den Aktienkursen ist am Montag der Ölpreis um 30 Prozent eingebrochen. Das hat seinen Ausgangspunkt in der mit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise sinkenden Ölnachfrage, wegen der sich bereits ein großes Überangebot aufgetürmt hatte. Wegen des zugespitzten zwischenimperialistischen Konkurrenzkampfs - vor allem zwischen Russland und Saudi-Arabien - waren die Ölförderländer bisher nicht bereit, ihre Produktion zu drosseln.

 

Das bringt nun auch die US-Wirtschaft in tiefe Schwierigkeiten, weil die Ölpreise damit unter die höheren Produktionskosten der in den USA forcierten Frackingöl-Förderung sinken.

Dominierende Rolle der Kapitalspekulation

Dass ein Börsencrash solch weitreichende Auswirkungen hat, hängt mit der heutigen Rolle der Börsen zusammen. Dazu wird in dem 2003 von Stefan Engel herausgegebenen Buch "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" ausgeführt: "Die Börsen wurden zu obersten Verwaltern des gesamten gesellschaftlichen Vermögens im internationalen Maßstab. ... Sie halten das internationale Kapital flüssig ... Sie vermitteln Risikokapital ... Sie kontrollieren und manipulieren die Rohstoffpreise. Sie nehmen Kapital internationaler Monopole auf ... Vor allem konzentriert sich bei den Börsen eine stets wachsende Menge Spekulationskapital." (S. 153)

 

Die Broschüre "Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen" von 2009 ergänzt: "Die gigantische Aufblähung der Spekulation hat spätestens mit der Neuorganisation der internationalen Produktion eine dominierende Rolle in der Weltwirtschaft eingenommen. Sie ist zu einem notwendigen, das heißt allgemeingültigen Bestandteil der Maximalprofit erheischenden Kapitalverwertung geworden." (S. 26)

 

Wenn diese zentrale Funktion der Börsen ins Stocken gerät oder gar nachhaltig versagt, wird das die Weltfinanzkrise wie 2008 offen ausbrechen lassen und die Weltwirtschafts- und Finanzkrise sprunghaft vertiefen.

Systemfrage aufgeworfen

Dadurch würde in ganz anderem Maße die Systemfrage aufgeworfen. Bereits während der letzten Überproduktionskrise gab es massenhafte Diskussionen darüber, dass Karl Marx mit seiner revolutionären Kritik am Kapitalismus recht hatte. Diese Debatte wird sich heute noch viel umfassender und tiefgehender entfalten.

 

Hektisch beginnen jetzt in verschiedenen Ländern die Regierungen, Krisenprogramme aufzulegen. So hat der indische Staat die notleidende »Yes Bank« übernommen, Italien hat ein 7,5 Milliarden Euro umfassendes Rettungsprogramm für Banken und Kleinunternehmen angekündigt. Die US-Notenbank legte noch am Montag ein Bankenrettungsprogramm auf.

Warum sollen die Arbeiter und breiten Massen die Folgen tragen?

Die neue Kurzarbeiterregelung, auf die sich der Koalitionsausschuss geeinigt hat, zielt vor allem auf die Dämpfung der Widersprüche (mehr dazu). Massenentlassungen sollen so vorläufig vermieden werden. Gleichzeitig bedeutet das für die Arbeiter erhebliche Lohneinbußen.

 

So notwendig es ist, den Kampf gegen die Abwälzung der Krisenlasten mit aller Entschiedenheit zu führen, muss dies vor allem mit der Systemfrage verbunden werden. Zeigt sich doch in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise unerbittlich, wohin die Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Profitsystems führen. Aber auch, dass dieses System zutiefst marode und überholt ist.

 

Deshalb kommt es vor allem darauf an, die konkreten Kämpfe als Schule des Klassenkampfs zu führen, die MLPD zu stärken und eine intensive bewusstseinsbildende Arbeit zu leisten.