Metall-Tarifrunde 2020

Metall-Tarifrunde 2020

„Wir brauchen mehr Lohn statt einen Kniefall“

Geht es nach dem Willen des Unternehmerverbands Gesamtmetall, sollen die 4 Millionen Metallerinnen und Metaller in der begonnenen Tarifrunde beim Kampf um höhere Löhne „stillhalten“. Dass die Führung der IG Metall in vorauseilendem Gehorsam nicht einmal eine Lohnforderung aufgestellt hat, ist ein Novum.

Von wb
„Wir brauchen mehr Lohn statt einen Kniefall“
Demonstration von Metallern 2017 in Hamburg (rf-foto)

Die von der IG-Metall-Führung als "Gegenleistung" dafür ins Spiel gebrachte "Arbeitsplatzgarantie" lehnte Gesamtmetall kaltschnäuzig ab. Damit ist dieser „Deal“ offen gescheitert und die Belegschaften in der Metall- und Elektroindustrie sind gut beraten, Forderungen von unten aufzustellen und sich auf eine kämpferische Tarifrunde vorzubereiten.

 

Die Metall-Unternehmer wissen, dass das gewerkschaftliche Bewusstsein in den letzten Jahren auf breiter Front erwacht ist. 2018 haben in der Metalltarifrunde 1,5 Millionen Kolleginnen und Kollegen selbstbewusst ihren Kampfwillen demonstriert. An dem großen Aktionstag am 29. Juni letzten Jahres in Berlin beteiligten sich 50.000 Metaller und am 22. November in Stuttgart 15.000 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter vor allem aus Autozulieferbetrieben.

 

In verschiedenen Betrieben machen Belegschaften mittlerweile ihre eigene Rechnung auf. Sie sind nicht damit einverstanden, dass der IG-Metall-Vorstand auf konkrete Forderungen verzichtet, weil es in der Tarifrunde vor allem um den Erhalt der Arbeitsplätze gehe. Ein Betriebsrat berichtet von einer Funktionärskonferenz der IG Metall in Baden-Württemberg: „Die Forderungen aus den Betrieben lagen zwischen 4 und 6,5 Prozent bzw. bei 180 bis 300 Euro Festgeld.“

Durch Lohnverzicht Arbeitsplätze retten?

Die Sorge um die Arbeitsplätze führt bei einem Teil der Kolleginnen und Kollegen aber auch dazu, dass sie sagen: „Mein Arbeitsplatz ist mir wichtiger als höherer Lohn.“

 

Tatsächlich ist die Vernichtung von Zehntausenden Arbeitsplätzen bereits in vollem Gange. Vor wenigen Tagen wurde der Hannoveraner Belegschaft von Sitech-VW die Werksschließung eröffnet, 430 Arbeitsplätze sind betroffen. Bei Daimler Düsseldorf laufen Ende März die Verträge von rund 1700 Kollegen aus. Wie es weiter geht ist im Moment offen.¹ MAN in Nürnberg will aktuell 6.000 Arbeitsplätze vernichten. Bei Bosch AS in Schwäbisch Gmünd (früher ZF) kündigte die Geschäftsleitung jetzt eine Verdoppelung der Arbeitsplatzvernichtung an. Dem sollen weitere 2.000 Jobs zum Opfer fallen (mehr dazu). Noch viele Beispiele ließen sich anführen.

 

Die massenhafte Arbeitsplatzvernichtung ist Folge der begonnenen Weltwirtschafts- und Finanzkrise in Wechselwirkung mit drei verschiedenen Strukturkrisen, unter anderem durch die Einführung der E-Mobilität und die Digitalisierung. Nicht der technische Fortschritt ist verantwortlich für die Arbeitsplatzvernichtung, sondern der Kapitalismus.

Kampf um höhere Löhne und für den Erhalt der Arbeitsplätze

„Sichere Arbeitsplätze“, wie das der IG-Metall-Vorstand mit seinen „Zukunftspaketen“ gegenüber Gesamtmetall aushandeln will, kann es im Kapitalismus schon gar nicht geben. Bei Audi oder Daimler stehen trotz solcher Zukunftsverträge 9.500 bzw. 15.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Wer sichere Arbeitsplätze will, muss für den Sozialismus eintreten, in dessen Rahmen die Ausbeutung von Mensch und Natur abgeschafft wird. 

 

Wirkliche Erfolge - sowohl im Kampf um die Arbeitsplätze als auch für höhere Löhne - können die Arbeiter nur erreichen, wenn sie von ihren Klasseninteressen ausgehen und dafür gemeinsam kämpfen.

 

Wachsende Zustimmung erhält die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die die MLPD bereits seit Jahrzehnten propagiert. Ihre Durchsetzung in der gesamten Industrie könnte rein rechnerisch 8 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Und - diese Forderung ist längst "bezahlt". So stieg „der Umsatz pro Beschäftigtem in den deutschen Automobilkonzernen von 1997 bis 2017 von 220.000 auf 570.000 Euro, also um 160 Prozent“.²

 

Unsere Forderungen können wir nur mit Organisiertheit, Geschlossenheit und Kampfkraft durchsetzen! Die richtige Adresse dafür sind die Betriebsgruppen der MLPD.

Gemeinsam mit Gesamtmetall „das Match“ gewinnen?

Gesamtmetall propagiert in einem Tischtennis-Video auf der Website „Weiterdenken“, dass die Arbeiter mit den Unternehmern zusammen als „Team Deutschland“ gegen die „starke globale Konkurrenz“ spielen sollen. Im Klartext, wir sollen gegen unsere Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern antreten! Was sportlich daherkommt, bedeutet, dass wir Arbeiter auf die Seite des Monopolkapitals wechseln sollen.

 

Um gegen diese Rechtsentwicklung der Regierungen und bürgerlichen Parteien Position zu beziehen und um Verantwortung für eine Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg zu übernehmen, haben sich Kolleginnen und Kollegen in der „Arbeiterplattform“ des Internationalistischen Bündnisses zusammengeschlossen³.

 

Dafür steht auch die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz⁴, die vor kurzem in Südafrika stattfand. Sie hat wichtige Voraussetzungen geschaffen, um die internationale Solidarität mit der weltweiten Koordinierung der Kämpfe der Automobilarbeiter zu verbinden.

„Wir Arbeiter sind der Fortschritt“

So heißt die neu erschienene Massenbroschüre der MLPD.¹ Die anstehende Tarifrunde ist die beste Gelegenheit, die MLPD näher kennenzulernen. In deren Betriebsgruppen lernt man, Kolleginnen und Kollegen für gewerkschaftliche und selbständige Kämpfe zusammenzuschließen. Durch die Auswertung der praktischen Erfahrungen mit der Linie der MLPD gelingt es immer besser, sich selbständig zu orientieren. In den Parteigruppen erfahren die Mitglieder Solidarität und Rückhalt in allen Lebensfragen.

 

Hier gibt es den Artikel als Flugblatt für den massenhaften Einsatz!

 

Hier geht es zur neuen Broschüre der MLPD "Kapitalismus ist Krise - Wir sind der Fortschritt"