Essen

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Gespräche über Corona

Von der großen Bereitschaft zur Nachbarschaftshilfe berichtet eine Anwohnerin aus Essen-Frohnhausen

Korrespondenz

In einem schon länger bestehenden Online-Portal zur Nachbarschaftshilfe gibt es jetzt jede Menge Angebote im Sinne von „Ich habe zwei Portionen mehr gekocht, wer weiß ältere Menschen, die etwas brauchen? Ich kann es einfach vor die Tür stellen.“ Die Hilfsbereitschaft sei sehr groß.

 

Als ich zum Bäcker komme, ist die Verkaufstheke durch davor gestellte Stühle abgeschirmt – als Café-Sitzplätze dürfen sie ja gerade eh nicht genutzt werden. Ich schmunzle über diese pfiffige „Corona-Barrikade“. Die Bäckereiverkäuferin erklärt, dass anders der nötige Sicherheitsabstand nicht durchzusetzen war, trotz Schild am Eingang. Sie ist aber nicht etwa genervt, sondern um ihre Kunden besorgt: „Das fällt den Leuten schwer, sich umzugewöhnen. Gerade die Älteren – dabei machen wir es doch gerade für die, damit sie sich nicht anstecken.“

 

Aus dem Krankenhaus berichtet eine Kollegin, dass sie ziemliche Auseinandersetzungen mit Angestellten haben, die nicht in der Pflege beschäftigt sind. Diese versuchen zum Teil, sich Schutzmittel wie Masken, Desinfektionsmittel usw. auf dem „kleinen Dienstweg“ zu besorgen. Diese Sachen müssen aber strikt für die Versorgung der Erkrankten und für den Schutz des Pflegepersonals vorgehalten werden.

 

Ein Busfahrer erzählt uns, dass er durch die Umstellung auf Samstags- bzw. Sonntagsfahrpläne frei hat. Es sei ja auch sinnvoll, dass nicht leere Busse durch die Gegend fahren, das sei Verschwendung. Zugleich erzählen Gärtner im Park, dass gerade zu den Zeiten von Schichtanfang und -ende die Busse total überfüllt und ein Abstand von zwei Metern zum Nächsten nicht einzuhalten sei. In den Stoßzeiten müsste die kürze Taktung im ÖPNV aufrechterhalten bleiben.


Beim Verteilen des Sofortprogramms der MLPD zur Corona-Pandemie treffe ich eine Dame, die schon morgens um kurz vor 6 ihren Hund ausführt. Sie gehe jetzt immer sehr früh, damit man nicht so vielen Leuten begegne. Aber immer zwei Meter Abstand, das falle ihr schwer, sie sei ein herzlicher Mensch. Und in der Familie, mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und insbesondere dem kleinen Enkel sei das kaum einzuhalten. Aber selbst der Kleine verstehe das schon. Statt Umarmung wirft er ihr jetzt Handküsse zu. „Ich hab dich trotzdem lieb, Oma.“