50 Jahre Parteimitgliedschaft

50 Jahre Parteimitgliedschaft

Martin Kasprik – ein Genosse der ersten Stunde

Am 19. März 1970, also vor genau 50 Jahren, wurde Martin Kasprik in Tübingen in den KAB/ML (Kommunistischer Arbeiterbund/Marxisten-Leninisten) aufgenommen, der Vorläuferorganisation der MLPD. Die MLPD gratuliert ihm und sich selbst zu diesem Ehrentag. Für ihn war das eine Weichenstellung für sein ganzes Leben.

Von Anna Bartholomé
Martin Kasprik – ein Genosse der ersten Stunde
Martin Kasprik beim Studium im Jahr 2006 (rf-foto)

Er hatte ein Theologiestudium abgeschlossen und einige Semester Mathematik und Wirtschaftswissenschaften studiert – und er hatte Angebote für eine bürgerliche Karriere. Aber er war fest entschlossen, alle seine Fähigkeiten in den Dienst des revolutionären Kampfs der Arbeiterklasse zu stellen.

Alles Nötige erlernen

Schon drei Monate nach seiner Organisierung hieß es: „Wir brauchen dich, du musst für den KAB/ML eine eigene Druckerei aufbauen.“ Der vorsichtige Einwand, er habe davon doch gar keine Ahnung, zählte damals nicht, weil wohl kaum einer Ahnung davon hatte. Also gab er sich dran, stützte sich auf Fachleute und erarbeitete sich Schritt für Schritt gemeinsam mit Genossinnen und Genossen alles Nötige. Als Druckereileiter in den 1970er-Jahren war er verantwortlich für etwa hundert ehrenamtliche Helfer, vielfach junge Studierende. Er sorgte mit eiserner Gründlichkeit für die Herstellung des theoretischen Organs REVOLUTIONÄER WEG und proletarischer Romane. Angefangen vom Tippen per Schreibmaschine (!) und Korrekturlesen bis zum Drucken, Falzen, Legen, Kleben, Verpacken, Ausliefern … Der Stand der Produktionsmöglichkeiten war primitiv. Aber sein Leitsatz war immer: „Für die Arbeiter ist nur das Beste gut genug“.

 

Mit Willi Dickhut verband ihn – beginnend mit REVOLUTIONÄRER WEG Nr.6 „Die dialektische Methode in der Arbeiterbewegung“ – eine enge Zusammenarbeit. Stefan Engel würdigte ihn als wichtigen „Weggefährten in den ersten Jahren des Parteiaufbaus“.

Führende Aufgaben im Parteiaufbau

Im Parteiaufbau füllte Martin die unterschiedlichsten führenden Aufgaben aus. Er war Mitglied im Zentralkomitee der 1982 gegründeten MLPD, Leiter der zentralen Revisionskommission und viele Jahre Parteigeschäftsführer.

 

In den 1980er-Jahren machte er bei GHH in Oberhausen eine Facharbeiterausbildung und arbeitete dort zehn Jahre, von seinen Kollegen als Vertrauensmann geschätzt.

 

Zunehmende gesundheitiche Probleme zwangen ihn, das Ruhrgebiet zu verlassen und umzuziehen nach Süddeutschland. Mit großem Einfallsreichtum und allen Einschränkngen zum Trotz nutzte er seine handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten für Spendenaktivitäten: mit zahllosen Buchbinderarbeiten für Notizbücher, Gestaltung von Einladungen und Karten und manches mehr.

Flüchtlingskind und Stärken

Martin wurde am 14. Juni 1942 als drittes von fünf Kindern in Ostpreußen geboren, wo seine Eltern in Königsberg ein Wäschegeschäft hatten. Bei Kriegsende erlebte er die Flucht mit, bis sich die Familie in Wiesbaden einfand. Zwei Geschwister starben früh. Sein älterer Bruder schreibt: „Ich bin froh, in ihm einen hartnäckigen, streitbaren und dabei produktiven Gesprächspartner zu haben und gehabt zu haben. So konnte man lernen.“

 

Lehrer und Lernender blieb er auch für die Tochter und die Enkelkinder. Seine Frau hebt hervor: „Obwohl er nicht mehr zu Veranstaltungen kann und sich auch am sonstigen Parteileben nur noch eingeschränkt beteiligen kann, nutzt er jede sich bietende Gelegenheit, Leute an die MLPD heranzuführen.“

 

Dazu wünschen wir ihm noch viel Kraft und Lebensfreude!