Korrespondenz aus einem ostdeutschen Industriebetrieb

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Ukraine-Krieg: Durch mehr Klarheit und Anpacken weicht die Betroffenheit

Was können wir denn machen, sonst ist doch unsere Firma immer vornedran, wenn es um solche Solidarität geht.“ In den letzten Tagen wich die anfängliche fast lähmende Betroffenheit und das Schweigen vieler Kolleginnen und Kollegen bei uns über den Ukraine-Krieg dem Bedürfnis nach Diskussion - nach Austausch.

Ukraine-Krieg: Durch mehr Klarheit und Anpacken weicht die Betroffenheit
Die Kolleginnen und Kollegen suchen nach Orientierung. "Rote Fahne News" gibt sie (rf-foto)

Die Hilfsbereitschaft ist groß: viele wollen Spendensammeln, Hilfsaktionen unterstützen oder einen Hilfskonvoi für die Flüchtlinge organisieren. Eine Kollegin sagte: „Ich hab mich gleich gemeldet. Ich nehme auch eine Familie auf“. Eine andere: „Warum dauert das hier solange bis wir mal eine Spendenbox aufgestellt haben - das muss doch schneller gehen.“ Ich war angenehm überrascht. Vor drei Tagen war gerade sie noch sehr schweigsam und deprimiert.

 

Vielleicht haben auch unsere Pausendiskussionen geholfen, sich von der Betroffenheit und dem „So schlimm - was kann man da tun“ zu lösen. Als Rote Fahne-Leser habe ich mich sehr über den Redebeitrag von Stefan Engel auf der Montagsdemo in Gelsenkirchen gefreut, der sehr einfühlsam und konkret aufzeigte, wie die Lage ist, wie man sie einschätzen muss, welche Forderungen wichtig und richtig oder auch falsch sind und was man tun kann.

 

Mir hat er auch sehr geholfen und eine wichtige Orientierung gegeben. So wie sie unsere Kolleginnen und Kollegen massenhaft suchen. Gerade bei dem medialen Chaos. Das muss auch mehr zum Thema gemacht werden: Nicht den ganzen Tag am Fernseher sitzen, mit dem Tablet oder Handy rumgoogeln und „alles lesen“, sondern bewusster lesen. Für Rote Fahne News Werbung machen und sie verbreiten.

 

Im Morgenmagazin wurde vor kurzem über Freital und die dortigen Spenden-Sammlungen berichtet: Wie hoch die Bereitschaft der Menschen zu helfen ist und wie sie sich solidarisch zeigen. Das steht der Lüge vom angeblichen Egoismus, der jedem von uns eigen sei, entgegen. Durch mehr Klarheit wächst auch der Wunsch und Bedarf danach, organisiert anzupacken. Auch das ist eine gute Gelegenheit dafür, sich über das „Sich-weiter-Organisieren“ zu diskutieren. Auch bei uns ist der Betriebsratswahlkampf losgegangen. Da gibt es seit langem endlich wieder viel mehr Diskussionsstoff - und es zeigt sich: Es gibt viele brennende Fragen.