Pharmaforschung

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Zur Bedeutung antiviraler Medikamente und Therapien gegen die Corona-Pandemie

Gegen das neuartige Coronavirus gibt es bislang keinen Impfstoff und seine Erforschung sowie Erprobung wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Umso wichtiger wären Medikamente und Therapien, die gegen die vom Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 helfen.

Von ms
Zur Bedeutung antiviraler Medikamente und Therapien gegen die Corona-Pandemie
Foto: Pixabay / leo2014

Es gibt Ansätze für Behandlungsmöglichkeiten und die ersten Versuche laufen. In Deutschland soll eine klinische Studie zeigen, ob das Ebola-Medikament Remdesivir gegen das neue Coronavirus hilft. In China haben schon vor einigen Wochen erste Versuche mit Remdesivir begonnen. Bei einigen Patienten haben sich schon gute therapeutische Effekte gezeigt.

 

Auch der Wiener Genetiker Josef Penninger forscht an einem Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19. Gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung sagte er, der Wirkstoff „APN01“ könne schon bald einsatzfähig sein. Es helfe voraussichtlich allerdings nur in der Phase der Erkrankung, bevor Patienten auf die Intensivstation verlegt werden müssten.

Malaria-Mittel im Test

Aus China wurde auch gemeldet, dass das Malaria-Mittel Chloroquin gegen das Coronavirus helfen könnte. In verschiedenen Ländern werden Tests damit durchgeführt. US-Präsident Trump war Mitte März vorgeprescht und hatte bei einer Pressekonferenz verkündet, das Mittel sei zur Behandlung des Coronavirus zugelassen worden. Obwohl Trump vom Chef der Arzneimittelbehörde umgehend korrigiert wurde, führte seine Aussage zu mehreren Vergiftungen.

 

Aus Thailand gibt es Berichte, dass eine Kombination aus Grippe- und HIV-Mitteln einer Patientin geholfen habe. Die Frau bekam von den Ärzten das Grippe-Medikament Oseltamivir und die zwei HIV-Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir.

Antikörper-Therapie wäre möglich

Dr. Detlef Rohm, Diplombiologie und seit über 30 Jahren in der Pharmaforschung und -entwicklung tätig, berichtet bereits vor einer Woche im Rote Fahne-Interview: "Die Herstellung passiver Impfstoffe mit Antikörpern, isoliert aus Blutspenden von gesunden Covid-19-Infizierten, ist wissenschaftlich und technisch möglich ...

 

Damit könnte man in wenigen Monaten für die schwersten Fälle auf Intensivstationen wirksame Hilfe leisten. An der dafür notwendigen gesellschaftlichen  Organisation hat das kapitalistische Gesundheitswesen aber offenbar kein sonderliches Interesse, da solche Ansätze fast nicht verfolgt werden, außer von der Firma Takeda in Japan."

Vielversprechende Therapieverfahren

Im Interview mit Rote Fahne News vom 17. März forderte der Gelsenkirchener Arzt Dr. Willi Mast: "Neben den seuchenhygienischen Sofortmaßnahmen müssen umgehend alle bekannten und neuen Therapiemöglichkeiten überprüft werden ... In Kooperation mit chinesischen Medizinern müssen deshalb auch andere Therapien überprüft werden, die dort mit Erfolg angewendet wurden.

 

Bekannt wurde zum Beispiel der erfolgreiche Einsatz eines Immuntherapeutikums aus Kuba bei 1.500 Patienten – ein Medikament, das bereits seit vielen Jahren erfolgreich gegen andere Viruserkrankungen eingesetzt wird. Seit dem 25. Januar wird es in dem chinesisch-kubanischen Werk Chanheber in der Provinz Jilin produziert, wie die kubanische Botschaft in China mitteilte. Spezialisten zufolge wurde es bisher bei Virusinfektionen wie HIV/AIDS, bei Papillomatosen und einem Tumor der Atemwege, sowie bei Hepatitis B und C eingesetzt ...

 

Es liegen im übrigen eine Reihe von positiven Erfahrungen und Studien mit der photodynamischen Behandlung von Virus- und anderen Infektionskrankheiten vor. Es gibt sogar eine Studie über den erfolgreichen Einsatz bei Coronainfiziertem Blut (in diesem Fall Corona-MERS). Es gilt also, Virologen und auch staatliche Stellen von der Anwendung und Überprüfung dieser nebenwirkungsarmen Methode zu überzeugen." (mehr dazu)

Erbitterter Konkurrenzkampf

Doch bei der Erforschung anderer Medikamente gibt es keine internationale Koordinierung der Kräfte, sondern es herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf darum, wer die Nase vorn hat. Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise verschärft die zwischenimperialistischen Widersprüche, es zählt nur noch "America first" oder auch "Germany first". Für die Bekämpfung der Pandemie hat das fatale Folgen, wie der Konkurrenzkampf um Schutzausrüstung oder Testkapazitäten zeigt. Auch in der EU gibt es hier kein koordiniertes Vorgehen.

 

Dazu Willi Mast: "Letztlich erfordert der Kampf gegen die Corona-Pandemie, dass die Beherrschung der medizinischen Forschung durch die Pharmamonopole infrage gestellt wird - und damit letztlich auch das kapitalistische Gesellschaftssystem."

 

Hier kann das Rote Fahne Magazin mit dem Interview bestellt werden