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Gespräche beim Walken

Beim morgendlichen Walken treffe ich eine ältere Dame. Wir sind uns schon öfter begegnet, aber heute kommen wir, mit viel Abstand zwischen uns, ins Gespräch – über genau diesen Abstand.

Korrespondenz

Während sie sich erst darüber aufregt, das manche Leute immer noch in Gruppen unterwegs seien, kommen wir dann darauf, dass jetzt manche Leute so von der Panikmache und den restriktiven Maßnahmen gegen die Massen angesteckt werden, dass sie die Polizei rufen, sobald sie mehr als zwei Menschen zusammen sehen. Davon hält sie nichts. Denunzieren? „Das macht man nicht“.

 

Sie erzählt mir von einem Erlebnis am Tag zuvor: Ihr kamen zwei Damen entgegen, die fast Schulter an Schulter liefen. Als sie ihr begegnen, ruft die eine: „Abstand halten!“ Das konnte die resolute Rentnerin nicht auf sich sitzen lassen: „Ja, aber ihr müsst auch untereinander Abstand halten!“ Als sie sich einige Meter weiter nochmal umdrehte, liefen die Damen weiter nebeneinander – aber die 2 Meter Abstand waren jetzt eingehalten. Es reicht doch oft einfach ein offenes Wort, ein ernster Hinweis, damit sich jeder an die ungewohnte Distanz hält und sie einübt.

 

Und noch eine interessante Sache erzählt sie: Die Behindertenwerkstatt, in der ihr Enkel arbeitet, hatte bis Ende letzter Woche immer noch nicht geschlossen. Obwohl viele der dort Arbeitenden zur Risikogruppe gehören. Auch hier geht der Profit wieder vor, und es steht nicht der Schutz der Menschen im Mittelpunkt! Sie hat durchgesetzt, dass ihr Enkel krankgeschrieben wird. Solchen Gefahren, findet sie, kann man die Leute nicht aussetzen, und sie ist empört, dass die Schließung der Werkstätten von der zuständigen Landesstelle nicht längst verfügt wurde.