Leserbrief

Leserbrief

Das hat nichts mit Gesundheitsschutz zu tun

Günter Wagner, Arzt aus Gelsenkirchen, hat den folgenden Leserbrief verfasst, der heute in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) erschienen ist.

Leserbrief aus der WAZ Gelsenkirchen vom 24. März

Der Oberbürgermeister verordnete ein Ansammlungsverbot: Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen unter freiem Himmel sind untersagt. Inzwischen gilt dieses Ansammlungsverbot für ganz Deutschland. Als Arzt muss ich klipp und klar sagen: Das hat nichts mit Gesundheitsschutz zu tun. Wir Ärzte befürworten die Gelsenkirchner Regelung, was die Testung im Verdachtsfall betrifft. Aber diese Regelung hat viel zu lange gedauert. Ich selbst habe mich mehrmals beim Gesundheitsamt beschwert bis endlich gehandelt wurde. Vorher wurden die Betroffenen von einer Stelle zur anderen verwiesen und zuletzt immer zum Hausarzt. Das Testergebnis kann nach etwa sieben (!) Stunden abgelesen werden. Tatsächlich dauert es in Gelsenkirchen drei bis fünf Tage bis die Getesteten ihr Ergebnis erhalten.

 

Das bedeutet ganz einfach: Es gibt viel zu wenig Kapazitäten in den Labors. Es verstreicht viel zu viel wertvolle Zeit. Namhafte Virologen sind gegen eine Ausgangssperre- und das Ansammlungsverbot ist eine etwas abgeschwächte Ausgangssperre. Sie befürworten im Gegenteil: Die Leute sollen ins Freie. Im Freien und in der Sonne wird das Virus rascher abgetötet. Sinnvoll und richtig ist die Abstandsregelung von zwei Metern. Zusätzlich sinnvoll ist ein Mundschutz- vor allem aber ausreichende Laborkapazitäten! Die Mehrheit der Virusträger hat keine oder wenige Symptome und verbreitet unwissentlich das Virus. Deshalb ist eine flächendeckende Testung nötig.