Siemens Turbinenfabrik Berlin:

Siemens Turbinenfabrik Berlin:

Zwei Drittel sind für sofortige Schließung!

In der Turbinenfabrik von Siemens in Berlin mit weit über 3000 Beschäftigten sind im Moment noch etwa 800 anwesend, die allermeisten in der Produktion. Fast alle Angestellten arbeiten zuhause im „Homeoffice“.

Korrespondenz

Vertrauensleute berichten von einer intensiven Diskussion, warum der Betrieb trotz europaweit schnell steigender Corona-Infektionszahlen aufrecht erhalten wird.

Das Ergebnis einer kurzen Umfrage Anfang dieser Woche unter 40 Arbeitern ergab folgendes Bild:

15 sind für „sofortige Schließung, verbunden mit der Forderung nach 100 Prozent Lohnfortzahlung“; acht sind für eine „sofortige Schließung in jedem Fall, auch auf Kosten von Freizeitstunden, Urlaub, oder mit Kurzarbeit“, 14 sind für „erstmal weiter arbeiten und beobachten wie sich die Lage entwickelt“, drei sind „unentschieden“, oder würden „nur die Risikogruppe über 50 nach Hause schicken“. Die Hälfte der "Weiterarbeiten"-Gruppe wäre "eigentlich" auch für Schließung, hält das aber für nicht durchsetzbar oder ist "auf das Geld angewiesen". Damit sind zwei Drittel für sofortige Schließung!

 

Dagegen hatte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Donnerstagabend, 20. März, mit einer Rundmail die Konzernbelegschaft ausdrücklich zur Weiterarbeit aufgefordert (Hervorhebung durch Rote Fahne News):

 

„In meiner Videobotschaft (...) sagte ich Ihnen, die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter hätten während der Corona-Pandemie oberste Priorität, dicht gefolgt von der betrieblichen Kontinuität des Unternehmens. (…). Und während wir den Geschäftsbetrieb weiterhin allen Herausforderungen zum Trotz aufrechterhalten, schreitet auch die Arbeit am Carve-out und Spin-off von Siemens Energy weiter voran.“

 

Im Klartext: „Trotz“ akuter Welt-Gesundheitskrise – Profit und Börsenkurs sind wichtiger!

 

Am Dienstag tauchte Kaeser urplötzlich höchstpersönlich am Standort auf, schlenderte mit Werksleitung und Betriebsratschef durch einige Hallen und versuchte, hier und da mit kurzen Worten die Stimmung aufzupolieren. Ein freundlich lächelnder, Millionen schwerer und mit allen Wassern gewaschener – Finanzkapitalist!