Aschaffenburg

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Aus Solidarität: Jeden Abend Musik, Klatschen und Trommeln

„Was ist da eigentlich draußen immer für ein Krach?“ twitterte uns ein Kollege vor ein paar Tagen aus dem Nachbarhaus.

Korrespondenz
Aus Solidarität: Jeden Abend Musik, Klatschen und Trommeln
Die Aschaffenburger Liedermacherin Maren beim Hofkonzert (rf-foto)

Im gesamten Hinterhof unseres Karrees mit etwa 130 Mietparteien beteiligen sich seit vorigen Sonntag an dem „Krach“ auf den Balkonen immer mehr Nachbarn.

 

Jeden Tag wird um Punkt 18 Uhr mit rythmischem Topfschlagen von uns das Event als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber denen „eingeläutet“, die tagtäglich trotz Corona-Pandemie und Kontaktsperre für unsere Versorgung ihre Arbeit leisten. Danach spielen wir mit unserer Lautsprecheranlage Musik ab, die weit über unseren Hof im Wohngebiet zu hören ist. Wir widmen die Lieder jeweils verschiedenen Berufsgruppen.

"Bella Ciao" als Hymne

Zu unserer „Hymne“ ist das Lied „Bella Ciao“ aus dem italienischen Widerstand im II. Weltkrieg geworden – gerade auch als Zeichen der internationalen Solidarität. Die Aschaffenburger Liedermacherin Maren, die in unserem Karree wohnt, hat extra einen neuen Liedtext zur Melodie von „Stand by me“ („Halte zu mir“) für unser „Stelldichein“ komponiert.

 

Bei unseren Ansagen und in den Liedtexten kritisieren wir auch die regierenden Politiker. Sie haben das Gesundheitswesen „krank gespart“. Auch dass Merkel, Söder und Co. eine Kontaktsperre verordnen, aber gleichzeitig den Konzernherren erlauben, weiter die Belegschaften - oft ungeschützt - Schulter an Schulter in vielen nicht für die Versorgung notwendigen Betrieben arbeiten zu lassen, haben wir kritisiert. Es ist auch nicht zu akzeptieren, dass viele Flüchtlinge weiter zusammengepfercht in ihren Unterkünften bleiben müssen.

 

Die Nachbarn können uns ihre Musikwünsche oder sonstige Beiträge einwerfen beziehungsweise an die Haustür heften. Verschiedenste Lieder sind so schon zusammengekommen. Zwischendrin brandet immer wieder der Beifall auf, und jeder Straßenzug macht einmal extra laut Krach, um zu zeigen, dass auch die Nachbarn von dort mit dabei sind.

Hier ein Eindruck von diesen Konzerten