Argumente

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Corona: Ein klassenneutrales Virus?

„Alle gemeinsam gegen das Virus!“ – so tönt es aus dem Kanzleramt, rufen Monopole und Gewerkschaftsverbände, Parteien wie CDU und Grüne.

Von lg

Das Virus könne jeden treffen, Arm und Reich gleichermaßen, egal welcher Klasse oder Nationalität. Es scheint, als sei der Klassenwiderspruch zwischen Monopolkapital und Arbeiterklasse nicht etwa durch eine Revolution, sondern durch ein Virus aufgehoben. Doch weit gefehlt.

 

Selbstverständlich trifft das Coronavirus die Arbeiterklasse, die Armen härter als die reichen Monopolkapitalisten. Der 28-jährige Lkw-Fahrer aus Indien weiß aus eigener Erfahrung: Die Ausgangssperre „mag eine gute Entscheidung für die Reichen gewesen sein, aber nicht für uns, die wir kein Geld haben“. 80 Prozent der 470 Millionen indischen Werktätigen sind Wanderarbeiter. Viele von ihnen sind auf dem Dorf gemeldet, arbeiten aber in der Stadt. Die vom Präsidenten angekündigten Hilfsmaßnahmen kann man aber nur an dem Ort empfangen, wo man gemeldet ist.

 

Auch deshalb machten sich nun zig Millionen indische Wanderarbeiter auf den Weg in die Heimat. Die Frankfurter Rundschau berichtet: „Während Indiens Mittel- und Oberschicht den Lockdown mit Wein, Essen und Netflix daheim verbringt, haben Millionen Slumbewohner keinen Rückzugsort. An einer der wenigen Suppenküchen, die noch Essen für Bedürftige ausgeben, hatten sich am Donnerstag 8000 Hungrige versammelt. Die Polizei prügelte mit Stöcken auf die Menschen ein. „Haltet Distanz ein“, forderten die Sicherheitskräfte die Masse auf. Doch die Menschen haben mehr Angst vor dem Verhungern als vor dem Virus.“

 

In den Townships in Südafrika sind die Straßen alles andere als leer. Was auf den ersten Blick unverantwortlich erscheint, erklärt eine Frau in den Tagesthemen eindringlich: Wir haben nur eine Wasserstelle für alle Einwohner in der Gegend – wie sollen wir da zuhause bleiben? Wir müssen raus, um Wasser zu holen! Zudem: die Masse der Werktätigen rund um den Globus erhält keinen Lohn, wenn sie nicht arbeiten.

 

Ausgangssperre ist für sie gleichbedeutend mit null Einkommen. Wer keinerlei Reserven hat, zudem plötzlich wegen Schulschließungen noch mehr Mäuler zu stopfen hat, kann sich das nicht leisten – und geht allen Ausgangssperren zum Trotz arbeiten.

 

Im Flüchtlingscamp Moria in Griechenland wirken die in ganz Europa ausgerufenen Gesundheitsverordnungen wie ein Hohn: mehrfaches Händewaschen – womit, wenn kein Wasser da ist? Auch in Flüchtlingsunterkünften in Deutschland fragen sich die Einwohner: Wie soll man zwei Meter Abstand halten, wenn man mit 600 Personen in einem Haus lebt?

 

Deswegen ist auch der Kampf um Gesundheitsschutz von 7 Milliarden Weltbewohnern Gegenstand des Klassenkampfes.