Corona-Pandemie

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Imperialistischer „Krieg um Schutzmasken“

US-Händler haben offenbar von Frankreich bestellte Schutzmasken auf dem Rollfeld chinesischer Flughäfen unmittelbar vor dem Verladen den französischen Vertragspartnern unter der Nase weggekauft. Das erklärte Renaud Muselier, Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, dem Fernsehsender "BFMTV".

Von ba
Imperialistischer „Krieg um Schutzmasken“
Dank Donald Trumps verfehlter Gesundheitspolitik kaufen skrupellose Händler jetzt weltweit die Märkte an Schutzmasken für die USA leer (foto: gemeinfrei)

Nach den Angaben von Renaud Muselier haben sie den dreifachen Preis für die Sendung bezahlt. Unter anderem fehlen die Masken jetzt in der Region Grand-Est mit dem besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Elsass.

 

Auch ein Hamburger Start-Up-Händler, der 500.000 Masken bei einem chinesischen Händler bestellte und per Vorkasse bezahlte, berichtet im Tagesspiegel fassungslos von seinen Erlebnissen. Als er, wie vereinbart, einen Lkw schickte, um die fertigen Masken einzuladen, fand sein Mitarbeiter noch gerade mal 100.000 Stück vor. Der chinesische Fabrikant hatte von Amerikanern den doppelten Preis geboten bekommen. Da habe er lieber denen die Ware mitgegeben.

"Was dort geschieht, ist kriminell"

Der Hamburger: „Das Ausmaß an Chaos hätte ich mir nicht vorstellen können. … Verträge werden gebrochen, Liefertermine ignoriert. … Was dort geschieht, ist kriminell ... Es ist ein Krieg, in den wir da geraten sind.“ Die Szenen, die sich vor und in den Fabriken jetzt abspielen, seien abenteuerlich. Die Areale werden unterdessen von Bewaffneten bewacht. Auch Bestechungsgelder fließen. Besonders die Amerikaner gingen dabei rabiat vor: „Das Klima ist aggressiver als alles, was ich in meinem Berufsleben je erlebt habe.“

 

In Deutschland sind die Preise für Atemschutzmasken unterdessen um bis zu 3.000 Prozent gestiegen. Fabrikanten und Zwischenhändler verlangen „absolute Mondpreise“. Für Masken, die Geschäfte normalerweise zu Preisen zwischen 50 Cent und 1,50 Euro einkaufen, müssen sie derzeit 20 Euro und mehr bezahlen.

Verabscheuungswürdiges Geschacher

Dieser Mangel an Schutzausrüstung führt nun in Deutschland dazu, dass dringende benötigte Intensivbetten gar nicht mehr belegt werden können, da dem zuständigen Pflegepersonal vorgeschriebene und absolut notwendige Schutzkleidung fehlt. Ein verabscheuungswürdiges Geschacher mit der Gesundheit der Massen weltweit, nur um auf Teufel komm raus Maximalprofite herauszuhauen.

 

Beim Hauen und Stechen, wer beim Kampf um die Masken die Nase vorn hat, und bei der Profilierung als „Macher“, ist auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ganz eifrig mit dabei. Um schnellstmöglich zu kaufen, was noch auf dem Markt verfügbar ist, hat er ohne Absprache mit anderen Bundesländern den Auftrag für die Beschaffung von einer Million Anästhesiemasken erlassen.

Gesundheitswesen unter dem Diktat des Maximalprofits

Kliniken und Pflegeeinrichtungen klagen in allen Ländern über einen akuten Mangel an Schutzausrüstung. Das liegt vor allem an der Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte, die das Gesundheitswesen dem Diktat des Maximalprofits unterordnete und dazu auch die Lagerhaltung drastisch verringerte.

 

Im Zuge der Neuorganisation der internationalen Produktion wurde die Weltproduktion an medizinischer Schutzausrüstung auf China konzentriert. Bereits vor der Krise stellte das Land fast jede zweite Maske weltweit her, immerhin etwa 20 Millionen Stück am Tag. China gibt aber aktuell nur wenig davon frei – und wenn, dann zu Wucherpreisen.

 

Jetzt beklagen sich auch bürgerliche Politiker in Deutschland über derlei Machenschaften. Es waren aber Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und das staatliche Robert-Koch-Institut, die wochenlang - entgegen den Ratschlägen ernstzunehmender Fachleute - von Schutzmasken abrieten.

Weltweit koordinierte Produktion wäre technisch möglich

In Kürze müsse man global eine „gigantische Knappheit an Material befürchten“, so der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei Maybrit Illner. Tatsächlich ist der "Krieg" um Schutzmaterial angesichts der weltweiten Pandemie vollständig kontraproduktiv und hat gerade für die ärmeren Länder die schlimmsten Auswirkungen.

 

Dabei wäre eine weltweit koordinierte Produktion von Milliarden Schutzmasken technisch durchaus möglich. Im Imperialismus ist jedoch der nationale Egoismus vorherrschend, nicht die viel beschworene Solidarität. So zeigt dieses System zunehmend sein wahres Gesicht - und seine Unfähigkeit, die hoch entwickelten technischen Möglichkeiten zum Nutzen der Menschheit einzusetzen.

 

Dabei lag dem Bundestag und der Bundesregierung schon 2012 eine "Risikoanalyse" vor, in der die Folgen einer Virus-Pandemie ähnlichen Ursprungs und Ausmaßes bis ins Detail durchgespielt wurden - gerade auch für das Gesundheitssystem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte ebenfalls davor. Aus Profit- und Konkurrenzgründen wurde auf die notwendigen Vorsorgemaßnahmen verzichtet.