Dringender Appell

Dringender Appell

Rettet die Flüchtlinge in Moria!

Die Regionalgruppe Emscher-Lippe der Solidaritäts- und Hilfsorganisation "Solidarität international" (SI) veröffentlichte heute einen flammenden Appell.

Regionalgruppe Emscher Lippe von Solidarität International

Mein Name ist Iordanis Georgiou, ich stamme aus Edessa in Griechenland und war jahrelang Metallarbeiter in Deutschland, Vertrauensmann und Betriebsrat meiner Kollegen.

 

Im Jahr 2011/2012 war ich der Initiator einer Solidaritäts- und Spendenbewegung mit dem Streik der griechischen Stahlarbeiter in Aspropirgos. Wir sammelten fast 14.000 Euro und eine LKW-Ladung voller Hilfsgüter (270 Pakete). Daraus entstanden gegenseitige Besuche, nachhaltige Freundschaften und eine internationale Solidaritätsbewegung mit den Arbeitern.

 

Heute gilt meine Aufmerksamkeit, Zuneigung und Solidarität meinen Landsleuten auf Lesbos und den anderen ägäischen Inseln. Dies in Verbindung mit den dort unter menschenunwürdigen Bedingungen lebenden Geflüchteten aus aller Welt. Sie alle sind in akuter Lebensgefahr, wenn sich die Corona-Pandemie dort ausbreitet. Meine Landsleute auf den Inseln haben über Jahre in großer Solidarität die Flüchtlinge aufgenommen und begleitet. Spätestens mit der jetzigen Situation ist ihre Belastungsgrenze weit überschritten.

Alle Menschen in Europa sind aufgefordert, tätige Solidarität zu leisten

Ich berichte, was mein Freund Michalis Aiwaliotis, Direktor einer Schule in Mitilini/Lesbos, mir berichtet: Er arbeitet seit Jahren ehrenamtlich im Camp Moria, hat die Kinder unterrichtet. Jetzt darf dieser Unterricht nicht mehr durchgeführt werden - als „Vorsorgemaßnahme“ gegen Corona. Jetzt, wo die Schulen geschlossen sind, ist er aber dennoch jeden Tag im Camp. Voller Herzblut setzt er sich für die Menschen ein. Nach den bisherigen Erkenntnissen hat das Virus das Camp noch nicht erreicht. Aber auf Lesbos gibt es vier Infizierte, eine ältere Frau ist am 29. März gestorben.

 

Die Helfer der ausländischen NGOs wurden von ihren Regierungen oder Konsulaten wegen des Virus zurückgeholt. Jetzt sind die einheimischen Helfer und die Flüchtlinge allein auf ihre Selbstorganisation angewiesen. Sie organisieren nach Kräften die Ordnung im Lager, den Umgang mit Müll, und sie lehren die Kinder so gut es geht, hygienische Maßnahmen einzuhalten. Das ist aber kaum möglich, wenn sich 167 Leute je eine Toilette teilen, mehr als 240 eine Dusche, zuweilen nur eine Wasserzapfstelle für 1300 Bewohner vorhanden ist – und keine Seife und keine Möglichkeiten, sich nur annähernd angemessen vorsorglich die Hände zu waschen.

 

Auch weitere elementare Sicherheitsmaßnahmen wie 1,5 Meter Abstand zu halten sind absolut undurchführbar, denn die Menschen leben ganz eng zusammen. Im Lager stapeln sich die Müllberge.

In ihrer engagierten Selbstorganisation verwirklichen sie derzeit drei Projekte:

  1. Sie nähen Schutzmasken für das Camp. Alle sind sehr fleißig, es gibt aber nicht genug Nähmaschinen und Stoff.
  2. Es gibt kein fließendes Wasser. Sie wollen einen Tankwagen mieten, der sie täglich mit sauberem Wasser beliefert, und Seife organisieren sowie eine Massenausbildung machen, um den Leuten beizubringen, wie man sich richtig wäscht, um sich zu schützen. Zur Herstellung von Seife wollen sie die Olivenbauern gewinnen, ihnen die Kerne zu schenken, um sie in den Olivenpresseanlagen verarbeiten zu lassen.
  3. Durch die jahrelange Wirtschaftskrise und das Flüchtlingscamp kommen überhaupt keine Touristen mehr nach Lesbos. Die Inselbewohner vor allem in den Dörfern sind sehr arm und sie hungern. Es gibt hier den besten griechischen Ouzo und den weltberühmten Kaugummi Masticha von Chios, aber in diesen Fabriken arbeiten sehr wenige, wenn überhaupt. Es gibt fast nur noch Olivenöl. Sie wollen Spenden sammeln und Lebensmittelpakte kaufen und sie mit den Flüchtlingen unter den Dorfbewohnern verteilen. Aber jetzt sind die Flüchtlinge eingesperrt.
  4. Das bedeutet, die Hilfe muss sich beziehen auf die Einwohner von Lesbos und die Flüchtlinge in den Camps.

 

Ich schlage vor, dass Solidarität International/ Regionalgruppe Emscher Lippe und möglichst die Bundesvertretung hier ein neues SI Projekt aus der Taufe heben.

 

Iordanis Georgiou


Spendenkonto

Stichwort: Moria - Hilfe

Kontoinhaber: Solidarität International eV

IBAN: DE86 5019 0000 6100 8005 84

BIC: FFVB DEFF (Frankfurter Volksbank)

 

Bitte unbedingt beachten: Petition von Freundeskreis Alassa & friends: "Corona: Flüchtlinge aus Hotspots retten - Abschiebung stoppen – SOFORT!"