Corona-Pandemie

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Südafrika: Ausgangssperre trifft vor allem die Armen

Südafrika ist das Land Afrikas, das bisher am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen ist. Nach offiziellen Zahlen infizierten sich bislang mehr als 1.100 Menschen. Zwei Menschen starben.

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Südafrika: Ausgangssperre trifft vor allem die Armen
Township Imizamo Yethu bei Kapstadt (Foto: Diriye Amey from Locarno, Switzerland)

Aufgrund des maroden Gesundheitssystems kann man aber von einer viel höheren Dunkelziffer und einer rasant um sich greifenden Verbreitung des Virus ausgehen. „In den kommenden zwei Wochen wird sich das Schicksal Afrikas in Sachen Covid-19 entscheiden“, warnt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

 

Die Gesundheitssysteme afrikanischer Staaten dürften einer Belastung, wie sie China, Europa und die USA erleben, erst recht nicht gewachsen sein. Angesichts fehlender Intensivstationen und Beatmungsgeräte muss mit Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Opfern gerechnet werden.1

 

Auch im neuimperialistischen Südafrika verstärkt die Coronakrise die bereits länger wirkende Weltwirtschafts- und Finanzkrise. Die Industrieproduktion ist seit Juni 2019 gegenüber den Vorjahreswerten durchgehend rückläufig.2 Die Arbeitslosigkeit stieg im dritten Quartal 2019 auf 29,1 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 27,1 Prozent.3

 

Vor diesem Hintergrund verstärken sich Massenarmut, Ausbeutung und Unterdrückung der werktätigen Bevölkerung - auch in Form rassistischer Spaltung.

Bevölkerung wird drangsaliert und kriminalisiert

Am 27. März hat Präsident Cyril Ramaphosa eine dreiwöchige Ausgangssperre verhängt. Nur für Einkäufe und medizinische Notfälle dürfen die Menschen vor die Tür. Sie wird mit Polizei und Militär durchgesetzt – die Masse der Bevölkerung wird drangsaliert und kriminalisiert. Einen Tag vor Beginn rollten Panzer in Kapstadt ein. Während sich die Reichen gut versorgt in ihre Villen auf großzügigen Grundstücken zurückziehen können, haben die Bewohner der Townships keine Wahl, als gegen die Auflagen zu verstoßen.


Hamsterkäufe können sich nur die Reichen leisten. Angehörige der Mittelschicht kaufen genau einmal pro Monat ein. Am Zahltag. Die Masse der Bevölkerung lebt von der Hand in den Mund. Millionen arbeiten als Tagelöhner, bieten Lebensmittel oder Dienstleistungen auf der Straße an: Haare schneiden, Autoreparatur, nähen, schweißen usw. Für sie alle gilt „No work – no pay“. Mit der Ausgangssperre wird ihnen die Lebensgrundlage entzogen.

"Für die Armen passiert nichts"

Die Deutsch-Südafrikanische Freundschaftsgesellschaft Marikana erhielt einen Bericht aus Smiling Valley, einer Siedlung am Township Mdantsane an der Ostküste Südafrikas:

 

„Ich hoffe, dass bei Euch alles in Ordnung ist in dieser schweren Zeit. Bei uns wird es sehr schlimm. Die Zahl der Infizierten steigt ziemlich schnell. Was uns, die Armen angeht, sind wir der Meinung, dass der Staat uns nicht richtig versorgt. Zum Beispiel kriegen die Kapitalisten Subventionen für ihren Gewinnverlust, aber für die Armen passiert nichts.

 

Die Minibusse dürfen nur noch sechs statt 15 Personen auf jeder Fahrt befördern, aber die werden nicht vom Staat subventioniert und die meisten von ihnen haben sich entschieden, für die gesamte Dauer der Sperre nicht mehr zu fahren. Das bedeutet, dass wir in unseren Häusern eingesperrt sind: keine Lebensmittel, keine Medikamente, denn die Sozialleistungen sind noch nicht bezahlt.“

"Ohne Lebensmittel kann man nicht zu Hause bleiben"

Als sich vor einem Supermarkt in Johannesburg eine Menschenmenge von 200 bis 300 Menschen sammelte, schossen Polizeikräfte mit Gummimunition in die Menge der Menschen. Ein Mann empörte sich: "Der Grund, wieso wir alle hier sind, ist, weil wir hungrig sind. Wir sind hier, um einzukaufen, ohne Lebensmittel kann man nicht zu Hause bleiben."

 

Die Notstandsmaßnahmen haben nichts mit Gesundheitsschutz zu tun! Dazu die Korrespondentin aus Südafrika: „Guck Dir unser Smiling Valley an: die Leute haben keinen Platz. Da hat man hat eine kleine Hütte mit vielen Leuten unter einem Dach und da fragen wir uns, wie wir einen Meter Abstand halten sollen.“

Besondere Gefährdung durch HIV/Aids

Dazu kommt, dass allein in Johannesburg eine halbe Million Menschen mit HIV/Aids leben. Das heißt, hier sind die Risikogruppen nicht auf die ältere Bevölkerungsgruppe begrenzt, sondern verteilen sich über sämtliche Altersgruppen.

 

Die ICOR-Partei CPSA (ML) hilft den Menschen gemeinsam mit kämpferischen Selbstorganisationen der Massen, den Widerstand zu organisieren - und sie verbindet dies mit der Überzeugungsarbeit für eine grundlegende sozialistische Alternative.