Risikoanalyse

Risikoanalyse

Katastrophe mit Ansage

Seit Kurzem erlangt eine Bundestagsdrucksache ungewohnte öffentliche Aufmerksamkeit. Sie beschreibt detailliert eine von Asien ausgehende globale Pandemie.

Von gb
Katastrophe mit Ansage
Plenarsaal des Bundestags (foto: Steffen Prößdorf (CC BY-SA 4.0))

So kann man in dieser Drucksache mit der Aktennummer 17/12051 auf Seite 5 lesen: „Die Risikoanalyse ‚Pandemie durch Virus Modi-SARS‘ wurde unter fachlicher Federführung des Robert Koch-Instituts und Mitwirkung weiterer Bundesbehörden durchgeführt ...

 

Das Szenario beschreibt ein außergewöhnliches Seuchengeschehen, das auf der Verbreitung eines neuartigen Erregers basiert. Hierfür wurde der zwar hypothetische, jedoch mit realistischen Eigenschaften versehene Erreger ‚Modi-SARS‘ zugrundegelegt. Die Wahl eines SARS-ähnlichen Virus erfolgte u. a. vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat.

 

Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass Erreger mit neuartigen Eigenschaften, die ein schwerwiegendes Seuchenereignis auslösen, plötzlich auftreten können (z. B. SARS-Coronavirus (CoV), H5N1-Influenzavirus, Chikungunya-Virus, HIV). Unter Verwendung vereinfachter Annahmen wurde für dieses Modi-SARS-Virus der hypothetische Verlauf einer Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plausibel ist.“

Detaillierte Schilderung

Ab Seite 57 wird dann ausgeführt: „Das Szenario beschreibt eine von Asien ausgehende, weltweite Verbreitung eines hypothetischen neuen Virus, welches den Namen Modi-SARS-Virus erhält … In Ausnahmefällen kann Seuchengeschehen auch auf akzidentelle oder intentionale Freisetzung zurückgehen … Die Inkubationszeit … kann sich aber in einem Zeitraum von zwei bis 14 Tagen bewegen.

 

Fast alle Infizierten erkranken. Symptome sind Fieber und trockener Husten, die Mehrzahl der Patienten hat Atemnot. Das Ereignis beginnt im Februar in Asien, wird dort erst einige Wochen später in seiner Dimension/Bedeutung erkannt. Der Erreger stammt aus Südostasien, wo der bei Wildtieren vorkommende Erreger über Märkte auf den Menschen übertragen wurde. Das Ereignis tritt global auf (hauptsächlich Asien, Nordamerika, Europa).“1

Möglichkeit der Freisetzung aus dem Labor

Weiter kann man auf Seite 57 lesen: „In Ausnahmefällen kann Seuchengeschehen aber auch auf akzidentelle2 oder intentionale3 Freisetzung zurückgehen, z. B.:

 

  • akzidentelle Freisetzung beispielsweise durch einen Laborunfall (wie bei einzelnen Fällen nach der SARS-Pandemie oder die H1N1-Influenza 1977, die sogenannte „Russische Grippe“, die vermutlich Folge einer Laborfreisetzung war (Scholtissek et al., 1978; Zimmer and Burke, 2009)
  • intentionale Freisetzung im Bereich der Lebensmittelerpressung oder auch mit bioterroristischem Hintergrund (bekanntestes Beispiel sind hier die „Anthrax-Briefe“ in den USA 2001).“

Bereits acht Jahre alt

Kaum zu glauben ist aber, von wann die Bundestagsdrucksage 17/12051 stammt. Was sich anhört wie eine Reportage aus der Gegenwart, ist bereits fast acht Jahre alt. Die "Risikoanalyse" stammt von 2012, im Bundestag behandelt wurde sie am 3. Januar 2013.

 

Und sie enthält wichtige Vorschläge zur Eindämmung der Pandemie: "Mittel zur Eindämmung sind beispielsweise Schulschließungen und Absagen von Großveranstaltungen. Neben diesen Maßnahmen, die nach dem Infektionsschutzgesetz angeordnet werden können, gibt es weitere Empfehlungen, die zum persönlichen Schutz ... beitragen wie die Einhaltung von Hygieneempfehlungen." (S. 62)

 

Gewarnt wird vor allem vor den Auswirkungen auf die medizinische Versorgung: "Arzneimittel, Medizinprodukte, persönliche Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel werden verstärkt nachgefragt. Da Krankenhäuser, Arztpraxen und Behörden in der Regel auf schnelle Nachlieferung angewiesen sind, die Industrie die Nachfrage jedoch nicht mehr vollständig bedienen kann, entstehen Engpässe." (S. 73)

Vorkehrungen wären möglich gewesen

Schon im April 1999 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Leitfaden „Influenza Pandemic" an alle Staaten herausgegeben. In ihm werden Vorsorgemaßnahmen gegen künftige Bedrohungen durch Influenza-Pandemien empfohlen. Trotzdem wurden diese nicht getroffen. Statt ausreichende Reserven an Atemschutzmasken anzulegen und die Zahl der Intensivbetten zu erhöhen, wurden diese in vielen Ländern der Welt aus Kostengründen drastisch reduziert.

 

Seitdem wäre alle Zeit der Welt gewesen, um die notwendigen Schutzvorkehrungen in Deutschland und auf der ganzen Welt zu treffen. Aber auch, um die Massen mit systematischer Aufklärungsarbeit umfassend darauf einzustellen. Doch die imperialistischen Politiker haben nichts unternommen!

 

Da bleibt nur das Fazit, dass die jetzige Katastrophe mit zu erwartenden Hunderttausenden Toten von den Herrschenden bewusst und sehenden Auges in Kauf genommen wurde - ein Blick in den Abgrund der Entwicklung zu einer kapitalistischen Barbarei! Wo liegt noch die Daseinsberechtigung eines solchen Systems?