Anlässlich des Ostermarsches

Anlässlich des Ostermarsches

Ratefrage des Tages: Trump oder Adenauer?

Wem ist der folgende Satz zuzutrauen? Konrad Adenauer oder Donald Trump?

Von Korrespondent aus Hannover / gis
Ratefrage des Tages: Trump oder Adenauer?
Protest gegen atomare Bewaffnung Frankfurt 1958

„Die taktischen atomaren Waffen sind im Grunde genommen nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Artillerie."

 

Nein, es war nicht Donald. Würde allerdings hundertprozentig zu ihm passen. Den Ausspruch vollbrachte Konrad Adenauer am 5. April 1957 in einer Pressekonferenz in Bonn. Er fuhr dann fort: „Und es ist ganz selbstverständlich, dass wir nicht darauf verzichten können, dass unsere Truppen auch die neuesten Typen haben und die neueste Entwicklung mitmachen."

Wissenschaftler für Verzicht auf atomare Bewaffnung

Damit wollte er die Atombewaffung der kurz zuvor im Rahmen der Remilitarisierung eingeführten Bundeswehr rechtfertigen. Das führte zu einem Sturm der Entrüstung unter den Massen in Deutschland. 18 führende Wissenschaftler, darunter Otto Hahn, verfassten als Antwort auf Adenauers Rüstungskurs das "Göttinger Manifest" vom 12. April 1957, das sich für den absoluten Verzicht Deutschlands auf atomare Waffen aussprach.

Was geschah danach?

Tatsachenbericht eines Solinger Arbeiters ab 1949

518 Seiten

15,50 €

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Teil 1: So war's damals

"Die Pläne einer atomaren Bewaffnung der Bundeswehr erfüllen die unterzeichnenden Atomforscher mit tiefer Sorge", schreiben die Wissenschaftler, die sich selbst eher "konservativ" dünkten. "Einige von ihnen haben den zuständigen Bundesministern ihre Bedenken schon vor mehreren Monaten mitgeteilt. Heute ist eine Debatte über diese Frage allgemein geworden. Die Unterzeichnenden fühlen sich daher verpflichtet, öffentlich auf einige Tatsachen hinzuweisen ... Taktische Atomwaffen haben die zerstörende Wirkung normaler Atombomben. Als 'taktisch' bezeichnet man sie, um auszudrücken, daß sie nicht nur gegen menschliche Siedlungen, sondern auch gegen Truppen im Erdkampf eingesetzt werden sollen. Jede einzelne taktische Atombombe oder -granate hat eine ähnliche Wirkung wie die erste Atombombe, die Hiroshima zerstört hat. Da die taktischen Atomwaffen heute in großer Zahl vorhanden sind, würde ihre zerstörende Wirkung im ganzen sehr viel größer sein. Als 'klein' bezeichnet man diese Bomben nur im Vergleich zur Wirkung der inzwischen entwickelten
'strategischen' Bomben, vor allem der Wasserstoffbomben."

 

Der Text vom 12. April 1957 in voller Länge (pdf)

 

Trotz des antikommunistischen Seitenhiebs vonwegen "Verteidigung der Freiheit gegen den Kommunismus" war das Göttinger Manifest eine wichtige Positionierung gegen die atomare Bewaffnung Deutschlands - zwölf Jahre nach dem Ende des vom Hitler-Faschismus entfesselten 2. Weltkriegs, der Millionen Menschenleben forderte. Dass es eine harmlose friedliche Nutzung der Atomenergie, wie sie die "Göttinger 18" für möglich und notwendig hielten, geben könne, war ein dem damaligen Erkenntnisstand geschuldeter Irrtum.

Luise und Willi Dickhut aktiv in der Bewegung "Kampf dem Atomtod"

Im Tatsachenbericht "Was geschah danach?" von Willi Dickhut, dem unbeugsamen Antifaschisten, Arbeitertheoretiker, Vordenker und Mitbegründer der MLPD, kann man authentische Berichte über den Kampf gegen die Remilitarisierung und die atomare Bewaffnung in den 1950er-Jahren lesen (siehe z. B. das Flugblatt auf Seite 286ff). Willi und Luise Dickhut setzten sich persönlich mit großer Kraft für diese Bewegung ein, auch in ihrer positiven Gewerkschaftsarbeit. 

 

Die Wahlzeitung "des unabhängigen Kandidaten Wilhelm Dickhut, Solingen", zur Landtagswahl 1958 in Nordrhein-Westfalen trägt den aufrüttelnden Titel "Kampf dem Atomtod - Heraus aus der NATO - Keine Atomwaffen und Raketen - Für Frieden und Sozialismus! - Wählt Wilhelm Dickhut - Unabhängig". Eine Woche vor der Wahl wurde die Kandidatur der "Unabhängigen" verboten. Das konnte Willi Dickhut nicht davon abhalten, die Wahlzeitung fertigzustellen.

 

"Unsere schöne Heimat ist in Gefahr", heißt es in der Wahlzeitung. "Am Joberg beginnt die Hildener Heide. Hügelaufwärts gelangt der Wanderer zum Aussichtsturm. Weit in die Lande schauend, gewahrt er über Hilden hinaus den Rhein. Zwischen Ohligs und Hilden schweift das Auge über die Ohligser Heide bis in die Wupperberge. Wie ist unsere Heimat doch schön! In Richtung Hilden wechselt das Strauchwerk der Heide in Hochwald über. Mitten im Wald sperrt ein Zaun das weitere Vordringen. Dahinter liegen die Bauten der Hildener Waldkaserne, die seit 1945 von den Engländern belegt wurden, gegenwärtig von der II. britischen Division. Wie verlautet, sollen die britischen Truppen die Kaserne räumen, um Platz für eine amerikanische Raketen-Einheit zu machen. ... Für die Bevölkerung des bergischen Landes, für unsere nächste Heimat, entsteht dadurch eine große Gefahr.

 

Es gilt darum, die Bewegung gegen den Atomtod zu verstärken und die Forderung durchzusetzen:

  • Keine Lagerung von Atomwaffen und keine Errichtung von Raketen-Abschußbasen in der Bundesrepublik!
  • Keine atomare Aufrüstung der Bundeswehr!
  • Verhindert den Atomtod!"
    (Seite 289)


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